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Es sind kleine Retuschen, die den XC60 auch nach Jahren in der ersten Liga mitspielen lassen.
Es sind kleine Retuschen, die den XC60 auch nach Jahren in der ersten Liga mitspielen lassen.(Foto: Holger Preiss)

Da geht doch was: Volvo XC60 ist die Alternative

Von Holger Preiss

Der Volvo XC60 ist schon seit 2008 auf dem Markt. Die Kombination aus Coupé und SUV ist heute noch ein optisches Highlight. Seit letztem Jahr gibt es auch neue potente Motoren. Aber reicht das, um gegen Audi, BMW und Co. anzufahren?

Mit dem großen XC90 hat sich Volvo auch optisch von allen Altlasten befreit und ein echt schwedisches Urvieh auf die Räder gestellt, das locker gegen einen Audi Q7 oder einen Mercedes GLE anfahren kann. Aber auch eine Klasse darunter sind die Schweden gut unterwegs. Fährt da doch seit Jahren der allseits beliebte XC60. Im vergangenen Jahr hat er neue Motoren bekommen und kurz zuvor gab es ein dezentes Facelift. Und das steht ihm gut zu Gesicht. Sind doch die Augen jetzt ein wenig kantiger und die Stoßfänger entsprechend dynamischer. Gepaart mit der coupéhaft abfallenden Dachlinie, den nunmehr trapezförmigen Auslässen für die Abgase und einem angedeuteten Unterfahrschutz vorn und hinten erfüllt der Schweden-Kraxler äußerlich alle Attribute eines stylischen Großstadt-SUVs.

Kühl und schön

Schlicht und dennoch elegant ist das Innenleben des Volvo XC60.
Schlicht und dennoch elegant ist das Innenleben des Volvo XC60.(Foto: Holger Preiss)

Im Innenraum geht es schwedisch kühl und sportlich elegant zu. Neben weich geschäumter Plastik setzt in der Sonderausstattung Ocean Race ein rahmenloser Rückspiegel einen Akzent. Die Mittelkonsole, die im Raum zu schweben scheint, als auch die Abdeckung für die zwei Becherhalter sind mit gebürstetem Aluminium gerahmt. Und so thront in der Konsole auch die Bedieneinheit, der gern unterstellt wird, dass sie überladen und unlogisch in der Handhabung wäre. Dem ist nicht so. Sicher hat sie ihre Eigenarten, aber einmal durchschaut, ist die Belegung der einzelnen Knöpfe und Drehregler ganz klar.

Doch die Sonderedition Ocean Race wartet noch mit einigen anderen, sehr angenehmen Extras auf. An erster Stelle stehen hier die ausgezeichneten, mit feinem Nappa bezogenen, elektrisch verstellbaren Sitze. Die muss man im Übrigen nicht wie im Testwagen in Creme nehmen, obgleich hier die zartroten Ziernähte besonders gut zur Geltung kommen, sondern es gibt die Bespannung auch in klassischem Anthrazit. Für Menschen, die Kinder in den Fond und vielleicht sogar auf die von Volvo angebotenen integrierten Kindersitze für zusätzlich 350 Euro setzen wollen, ist die dunkle Farbe in jedem Fall die bessere Wahl.

Platz mit Bedacht

Die integrierten Kindersitze sind eine gute Idee, taugen aber auf langen Strecken nicht für Kinder über 1,20 Meter.
Die integrierten Kindersitze sind eine gute Idee, taugen aber auf langen Strecken nicht für Kinder über 1,20 Meter.(Foto: Holger Preiss)

Die "Bälger" stoßen nämlich mit ihren Füßen, ob sie wollen oder nicht, immer an die Rückenlehne der Vordersitze, obgleich in dem 4,64 Meter langen SUV auch für Erwachsene ausreichend Platz in der zweiten Reihe ist. Noch ein Satz zu den Kindersitzen: Ausgelegt sind sie für kleine Menschen von 15 bis 34 Kilogramm. Allerdings sollte man sich von den Gewichtsangaben nicht täuschen lassen. Brauchbar sind die Sitze nämlich nur für Kinder mit einer Körpergröße bis etwa 1,20 Meter. Wer länger ist, der muss die Knie beim Aufstellen auf die Trittfläche so weit anstellen, dass es auf langen Strecken echt unangenehm wird, denn richtig baumeln lassen können die Zwerge die Beine ob des Absatzes auch nicht.

Ansonsten gibt es über Platzangebot und Ablagemöglichkeiten im Volvo XC60 wenig zu meckern. Na gut, wer 1,5 Literflaschen in die Türablagen quetschen möchte, muss mächtig drücken, hier könnte eine entsprechende Aussparung Abhilfe schaffen. Auch dass der Deckel des Handschuhfachs beim Öffnen an Schienbein oder Knie des Beifahrers stoßen kann, mag bemängelt werden. Dafür schwingt das Fach aber weit auf und zeigt sich erstaunlich aufnahmefähig. Und da wir gerade dabei sind: Auch der Kofferraum ist mit seinen 495 Litern eine Aufforderung, die eine oder andere entspannte Fernreise in Angriff zu nehmen. Wer die Rückbank in die Waagerechte bringt, erhält gar einen Stauraum von 1455 Liter. Was wiederum auch Fahrten in ein Möbelhaus möglich macht.

Druckvoll nach vorn

Der Schwede macht auch von hinten und der Seite eine sehr gute Figur.
Der Schwede macht auch von hinten und der Seite eine sehr gute Figur.(Foto: Holger Preiss)

Aber eigentlich ist der Volvo XC60 D4 kein Lastwagen. Erst recht nicht, wenn er mit dem neuen 2,0-Liter Diesel und 181 PS daherkommt. So bewaffnet, drückt das von den Schweden in Eigenregie entwickelte Triebwerk ordentliche 400 Newtonmeter auf die Vorderachse des 1,8 Tonnen schweren Fronttrieblers - mit Allrad ist der D4 im Augenblick noch nicht zu haben - und treibt ihn mit ordentlich Druck in nur 8,5 Sekunden an die 100 km/h-Marke. Der Sprint fühlt sich umso leichtfüßiger an, weil die 8-Gang-Automatik, die allerdings mit 2250 Euro extra zu Buche schlägt, die Schaltstufen unmerklich für die Passagiere einlegt. Auch hier hat Volvo Fortschritte gemacht. Wer den Fuß länger auf dem Gaspedal lässt, wird den Zeiger der digitalen Tempoanzeige bis an die 210 bewegen. Dort endet der Rausch, denn der XC60 D4 ist keine Rennmaschine. Will er auch gar nicht sein.

Klar kann man mit dem Schweden auf seinen 18 Zoll großen Alus mit 235er Bespannung ordentlich heizen und wird nicht mal von aufdringlichen Rollgeräuschen oder Motorenlärm belästigt. Allerdings passiert dann das, was in solchen Fällen immer passiert: Der Verbrauch steigt proportional zu den Werten im Datenblatt an. Wer mit schwerem Fuß über lange Strecken an der 180 kratzt, darf sich über eine 9 vor dem Komma nicht grämen. Wird der Schwede hingegen gleichmäßig und mit Gefühl in einem Bereich bis 140 km/h bewegt, sind in Kombination mit Landstraßen und Stadtfahrten im Schnitt 7,0 Liter real. Im Testlauf über knapp 1000 Kilometer waren es 7,2 Liter Diesel, die sich der Schwede genehmigte. Ein Wert, der absolut in Ordnung geht. Der Rollenprüfstand ergab für das Datenblatt sogar 4,7 Liter. Wie immer dürfte diese Angabe aber für den Alltag in das Reich der Legenden geschickt werden.

Teure Helferlein

495 Liter Kofferraumvolumen laden zum Reisen ein. Wenn es mehr sein soll, dann wird die Rückbank umgelegt. Schade, dass das nicht aus dem Gepäckabteil heraus gelingt.
495 Liter Kofferraumvolumen laden zum Reisen ein. Wenn es mehr sein soll, dann wird die Rückbank umgelegt. Schade, dass das nicht aus dem Gepäckabteil heraus gelingt.(Foto: Holger Preiss)

Der Testwagen war im Übrigen für 250 Euro extra mit einem Tourenfahrwerk ausgestattet, was die Langstreckenfahrten noch angenehmer machte. Die Gegebenheiten der Straße blieben so außen vor, lediglich bei deutlichen Querfugen, gab der Volvo nach innen Rückmeldung. Die wünscht man sich auch ab und an von der Lenkung. Die Schweden sind hier so auf Komfort und auf die Leichtgängigkeit bedacht, dass bei schnell durchlaufenen Kurven schon der Wunsch aufkam, etwas mehr von den Rückstellkräften in die Hände zu bekommen. Andererseits ließ sich gerade deswegen der leidige Stadtverkehr mit dem Schweden extrem gut bewältigen. Im Zusammenspiel mit Parkpiepsern und einer brillant scharfen Rückfahrkamera konnte der Dicke selbst in scheinbar zu enge Parkbuchten spielend manövriert werden.

Ebenfalls ausgezeichnete Dienste leistete im Stadtverkehr der Notbremsassistent, den die Schweden im XC60 in Serie anbieten und der bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h in brenzligen Situationen für den Stillstand des Fahrzeuges sorgt, bevor es kracht. Eine unfreiwillige Probe dieses Features bewies während des Tests seine Tauglichkeit zu 100 Prozent. Nicht im Grundpreis enthalten sind das Lichtpaket für 1270 Euro, das auch Verkehrsschilder bei Nacht zusätzlich ausleuchtet, oder das elektrische Panoramaschiebedach für 1450 Euro. Auch das Fahrassistenzpaket Pro, bestehend aus Geschwindigkeits- und Abstandsregler, Totwinkelassistent, Spurhaltefunktion und Warnfunktion bei kreuzendem Verkehr, ist für 2150 Euro eine lohnende Investition. Gerade im stockenden Verkehr ist der adaptive Tempomat, der sich in dem Paket verbirgt, eine echte Empfehlung. Der Mensch lenkt, das Auto regelt Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann.

Fazit: Für 41.600 Euro ist der Volvo XC60 D4 als Sondermodell Ocean Race eine Überlegung wert, wenn man SUVs vom Schlage eines Mercedes GLK, Audi Q5 oder BMW X3 schon in die engere Wahl gezogen hat. Preislich bewegt sich der Schwede angesichts der üppigen Ausstattung sogar am unteren Ende der Mitbewerber. Klar, wer richtig aufrüstet, landet schnell bei den 61.190 Euro des Testwagens. Dennoch hat man mit dem Volvo ein qualitativ hochwertiges SUV, das auch mit Blick auf den Werterhalt der Konkurrenz nicht nachsteht. Berechnungen der Experten von Bähr & Forecasts hat ergeben, dass der XC60 nach vier Jahren immer noch 49,5 Prozent seines Neuwertes hat. Zugegeben, das sind 7,5 Prozent weniger als bei einem BMW X3 oder Audi Q5. Dafür steigt man aber auch für knapp 3000 Euro weniger in die SUV-Oberklasse ein.

DATENBLATTVolvo XC60 D4
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,64/ 2,12/ 1,71 m
Radstand2,77 m
Leergewicht (DIN)1844 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen495 / 1455 Liter
MotorReihenvierzylinder mit zwei Turboladern und 1969 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang Automatik
Leistung133 kW/181 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
Tankvolumen70 Liter
max. Drehmoment400 Nm bei 1750 - 2500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h8,5 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,4 / 5,3 / 4,7 l
Testverbrauch7,2 l
EffizienzklasseA / EU6
Grundpreis41.600 Euro
Preis des Testwagens61.190 Euros

Quelle: n-tv.de

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