Auto
Im R-Design und mit der Farbe "Rebel Blue" sorgt der V60 allein durch die Optik für Aufsehen.
Im R-Design und mit der Farbe "Rebel Blue" sorgt der V60 allein durch die Optik für Aufsehen.(Foto: Holger Preiss)

Lifestyler Volvo V60: Schweden-Sportler im R-Design

Von Holger Preiss

Vor Jahren waren die Schweden für ihre Kombis berühmt: eckig, durstig und mit riesigen Laderäumen. Mit dem V60 haben die Nordländer sich davon verabschiedet. Jetzt steht ein sportlicher Typ auf der Straße, der Spaß bereitet, aber nicht mehr so viel wegsteckt. Na und?

Felgen im Fünf-Speichen-Design.
Felgen im Fünf-Speichen-Design.(Foto: Holger Preiss)

Es gibt Leute, die behaupten, dass Kombis in der Kompaktklasse, wenn sie denn optisch etwas hermachen, einer Alltagstauglichkeit entbehren. Böse Zungen sind dann schnell dabei, von Designer-Kombis zu sprechen: schick und unzweckmäßig! Mag sein, aber eins ist doch mal Fakt: Natürlich lieben wir den Raum in einem Fahrzeug. Also nicht nur den, in dem wir uns bewegen, sondern auch den, wo ordentlich zugeladen werden kann. Aber warum muss so etwas langweilig aussehen? Und warum muss diese Langeweile sich dann auch noch in der Fahrdynamik fortsetzen? Muss sie nicht! Es gibt ja oben angeführte Lifestyler, die von den Herstellern liebevoll und durchaus richtig "Sportkombi" genannt werden.

Ganz vorne in dieser Reihe steht seit 2010 der Volvo V60. Für das Modelljahr 2013 wurde er jetzt auch noch einmal ordentlich überarbeitet. Kaum einer seiner Konkurrenten ist optisch so konsequent auf Dynamik gebürstet wie der Schwede. Die ausgeprägte Keilform, die extrem abfallende Dachlinie und die elegant gezogene Schulterlinie lassen den V60 per se tiefer erscheinen. Wer will, kann hier aber noch eine Schippe drauflegen: Volvo bietet für echte Sportfreunde mit Ladeambitionen die Ausstattungslinie R-Design an. Hier wird mit einem Styling-Kit ein Finetuning vorgenommen. Front- und Heckschutzplatten untermauern den sportlichen Auftritt. Die 18-Zoll-5-Speichen-Felgen hören auf den schönen Namen Ixion und sind mit 235er Reifen ummantelt. Sport-Seitenschweller verfeinern die Seitenansicht und am Heck prangen zwei in Chrom verblendete Endrohre, die auch den Nachfolgenden klar machen: Sport ist mein Hobby.

Sportlichkeit im R-Design

Zwei Endrohre für die "Zurückgebliebenen".
Zwei Endrohre für die "Zurückgebliebenen".

Der Optik folgend hat Volvo dem V60 im R-Design ein Sportfahrwerk verpasst, die Federn um 15 Millimeter gekürzt und diese 15 Prozent steifer gemacht als die in der Serienversion. Auf Kopfsteinpflaster sorgt das schon mal dafür, dass die Insassen die Straße spüren. Allerdings wirkt der Wagen dadurch nicht unkomfortabel. Im Zusammenspiel mit dem im D4 AWD verbauten Fünfzylinder-Common-Rail-Turbodiesel, der 163 PS leistet und 420 Newtonmeter auf alle vier Räder verteilt, kann den V60 nichts aus der Spur bringen. Selbst bei Starkregen auf der Autobahn fräst sich der Schwede bei über 170 km/h durch riesige Pfützen, ohne auch nur im Ansatz den Gedanken an Aquaplaning aufkommen zu lassen. Bei schnell gefahrenen Kurven gibt es keine Seitenneigung, kein Unter- oder Übersteuern. Der Wagen klebt absolut spurtreu auf dem Asphalt. Und das liegt auch daran, dass das selbstjustierende Fahrwerk mit mehreren Sensoren zur permanenten Überwachung des Fahrverhaltens ausgestattet ist. Dabei wird die Wirkweise der Stoßdämpfer in Sekundenbruchteilen an die aktuelle Fahrsituation angepasst.

In 10,4 Sekunden ist der V60 an der 100 km/h-Marke angelangt und mühelos rennt er bis 215 km/h weiter. Dafür sorgt die Sechsgang-Automatik mit Geartronic-Funktion, die allerdings manchmal deutlich spürbar die Übersetzungen wechselt. Nämlich immer dann, wenn das Tempo rasant angezogen oder ebenso schnell verlangsamt wird. Den Verbrauch für den D4 AWD gibt Volvo im Schnitt mit 6,4 Litern auf 100 Kilometer an. Dieser Wert kann allerdings im Test nicht bestätigt werden. Je nach Fahrweise benötigte der Selbstzünder 7,6 bis 8,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer.

Die Sitze sind eine gelungene Symbiose aus Sportlichkeit und Luxus.
Die Sitze sind eine gelungene Symbiose aus Sportlichkeit und Luxus.(Foto: Holger Preiss)

Wer will, kann die sportliche Attitüde beim Kickdown akustisch in den Innenraum und an die Umstehenden weitergeben. Dann zeigt das Triebwerk kernig dröhnend, wie sich Sport anhört. Wer die Öffentlichkeit in Ruhe lassen möchte, der verzichtet auf den brachialen Tritt auf das Gaspedal und wippt nur sanft mit dem Fuß. Leise schnurrend wie die Katze im Schoß flüstert der D4 sich dann durch die Straßen. Wer dennoch auffallen möchte, entscheidet sich für eine der Sonderfarben, die Volvo im R-Design anbietet. Der Testwagen in "Rebel Blue" sorgte jedenfalls ordentlich für Aufmerksamkeit. Die Kommentare reichen von: "Was für eine bekloppte Farbe" bis zu "Das ist ja geil". In jedem Fall braucht diese Colour etwas Mut.

Raum ist Fluch und Segen

Im Innenraum des Volvos geht es gewohnt hochwertig und aufgeräumt zu. Die Verarbeitung ist dem im Premium-Segment angesiedelten Sportkombi angemessen. Da knarzt, knackt und klappert nichts. Der Hebel für die Gangwahl ist im Modelljahr 2013 von innen mit LED-Lampen illuminiert und sorgt für eine einzigartige Optik vor allem in der Dunkelheit. Die Instrumente sind Volvo-typisch zum Fahrer geneigt und bieten bei der Erkennbarkeit und beim Bedienkomfort keinen Grund zur Klage. Einziger Wermutstropfen: Es gibt keine Möglichkeit, die entscheidenden Informationen wie Verkehrszeichenerkennung, Spritverbrauch, Uhrzeit und Außentemperatur zu bündeln. Hier muss man sich für die Einzelinformation entscheiden, die in den blau hinterleuchteten und von gebürstetem Aluminium gerahmten Rundinstrumenten angezeigt werden soll.

430 Liter fasst der Kofferraum.
430 Liter fasst der Kofferraum.(Foto: Holger Preiss)

Die Sportsitze mit neu entwickelter Auflage suchen ihresgleichen. Zum einen bieten sie dank der erhöhten Wangen einen ausgezeichneten Seitenhalt, zum anderen sind sie trotz der straffen Abstimmung auch auf langen Fahrten ausgesprochen bequem. Auch für die Hinterbänkler bietet sich ausreichend Platz im Kombi. Lediglich sehr groß gewachsene Reisende dürften ob der stark abfallenden Dachlinie etwas Kopffreiheit vermissen. Wer will, der kann die Sitzgelegenheiten für 1100 Euro extra auch mit feinstem Nappa bespannen lassen. Für den rasenden, nein reisenden Familienvorstand, zu denen auch der Autor gehört, empfiehlt sich das "Familienpaket". Für 250 Euro werden in die Rückbank zwei zweistufige Kindersitze integriert, auf denen die Zwerge mit einer Körpergröße von 95 bis 140 Zentimetern bequem sitzen können. Wer allerdings mit der ganzen Mannschaft auf Tour gehen will, dem stehen im Gepäckabteil lediglich 430 Liter zur Verfügung. Wer die Rückbank umlegt, dem öffnet sich ein Raum mit 1241 Litern. Das ist nicht üppig und deutlich weniger als bei der direkten Konkurrenz von 3er BMW Touring oder Mercedes C-Klasse T-Modell und zwingt den V60-Vater, äh, -Fahrer, mit der Reisebgleitung in die Bütt zu steigen, um unnützen Krempel einfach wegzulassen. Hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

Viel Geld für viel Auto

Volvo stattet seine Fahrzeuge gemeinhin üppig aus. Bereits in der Serie gibt es den V60 in der Ausstattungslinie "Kinetic" mit Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Audiopaket mit sechs Lautsprechern, beheizten Scheibenwaschdüsen, elektrischer Parkbremse, City Safety-Technologie (verhindert Auffahrunfälle bis zu 50 km/h) und ein Multifunktions-Lederlenkrad, das durch extreme Griffigkeit erfreut. So ausgestattet und mit dem erwähnten R-Design-Paket versehen, schlägt der V60 D4 AWD mit 42.800 Euro zu Buche.

Wer mehr will, bekommt mehr, muss aber entsprechend tief in die Tasche greifen. Das Fahrassistenz-Paket mit Notbremsfunktion, Distanzwarner, Stau-Assistent, Totwinkelwarner und Drive Alert kostet 1980 Euro. Wer den Fahrspaß mit einem Fahrmodischalter bereichern will, zahlt noch einmal 1550 Euro. Ein aufgepepptes Audiosystem mit AUX-Anschluss, USB, Bluetooth, acht Lautsprechern und DVD kostet ebenfalls 1950 Euro. Die Einparkhilfe hinten schlägt mit 1390 Euro zu Buche und das RTI Navi mit 1200 Euro. Und das sind nur einige der Mehrkostenpflichtigen Zusatzfeatures. Keine Schnäppchen, denn so werden aus den schon üppigen 43.000 schnell 59.630 Euro. Genau so viel kostet der Testwagen.

Fazit: Wer einen sportlichen Kombi mit außergewöhnlichem Komfort und exzellenten Fahreigenschaften sucht und bereit ist, mindestens 43.000 Euro zu investieren, der kann mit einem V60 4D AWD nichts verkehrt machen. Zumal es extrem gut aussieht, wenn man den Gleitschirm oder die Sporttasche aus dem Kofferraum zieht. Aber auch die Kinder werden es dem Besitzer danken, wenn das entsprechende Gestühl on Board ist, ohne zu wackeln und zu rutschen. Abstriche muss man bei der Zuladung machen, aber das kann auch ein Segen sein.

DATENBLATTVolvo V60 D4 AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,62/ 1,58/ 1,48 m
Radstand2,77m
Leergewicht (DIN)1921 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen430 Liter/ 1241 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum2,0-Liter Fünfzylinder-Turbodiesel mit Direkteinspritzung
GetriebeSechsgang-Geartronic-Automatikgetriebe
Leistung163 PS (120 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit215 km/h
max. Drehmoment420 Nm bei 1500 bis 2500 U/min
Tankinhalt67 l
Beschleunigung 0-100 km/h10,4 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,2/ 8,6/ 6,4
Testverbrauch8,3 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
169 g/km
Grundpreis42.800,00 Euro
Preis des Testwagens59.630,00 Euro

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen