Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
FR 9° / 22°
SA 9° / 23°
Praxistest
Renault gegen Volkswagen, Benziner gegen Diesel - Wer hat im Duell der gleichen Ungleichen die Nase vorne.

Renault gegen Volkswagen, Benziner gegen Diesel - Wer hat im Duell der gleichen Ungleichen die Nase vorne.
(Foto: Markus Mechnich)

Sonntag, 28. März 2010

Kombi-Vergleich: Mégane vs. Golf: Welcher Kompakte wird Lademeister?

Markus Mechnich

Sie sind unterschiedlich, haben es aber doch auf die gleiche Zielgruppe abgesehen: Der Renault Mégane tritt in unserem Test mit einem Benziner gegen einen Golf Diesel von VW an. Wer wird Sieger in diesem Vergleich der Ungleichen?

Ein Ziel, zwei Länder, zwei Systeme: Golf Variant gegen Mégane Grandtour im Test. Kompakt-Kombis sind beliebt in Deutschland. Zwar erreichen die kleineren unter den Raumgleitern keine ganz so hohen Marktanteile wie bei den größeren Modellen. Aber wichtig sind sie schon. Deshalb hat sich VW mit dem Golf Variant VI nicht ganz so viel Zeit gelassen wie mit dem Vorgängermodell, dass erst zwei Jahre nach dem Normalo-Golf auf den Markt kam. Auch Renault schob nach nur einem halben Jahr den Kombi nach. In Zeiten, in denen die Kunden eher zu kleineren Autos greifen gewinnen die Kompakt-Kombis eben an Bedeutung.

In unserem Test haben wir den VW Golf Variant mit einem Zwei-Liter-Diesel und 140 PS und den Renault Mégane Grandtour mit einem Zwei-Liter-Benziner mit 180 PS gegenüber gestellt. Spielen sie, was Raumangebot, Fahrwerk und Zuladung angeht auf derselben Wiese, so sprechen die beiden Autos in Sachen Antrieb eine andere Sprache. Zwar sind die Diesel unter den Kombis immer noch absolut marktbeherrschend, aber die Benziner sind eine echte Alternative geworden. Zumal die Hersteller den kräftigeren Otto-Motoren den übermäßigen Spritdurst mittels Downsizing und aufgerüsteter Technik ziemlich ausgetrieben haben. Wer schluckt also mehr Gepäck und welcher Kombi bringt mehr Fahrfreude? Sehen Sie selbst.

Der VW Golf hat mit seinem Diesel klare Vorteile beim Verbrauch. Fahrdynamisch muss er sich hingegen nicht verstecken.

Der VW Golf hat mit seinem Diesel klare Vorteile beim Verbrauch. Fahrdynamisch muss er sich hingegen nicht verstecken.
(Foto: Markus Mechnich)

Design: Kombis in der Kompaktklasse sind langweilig. Dass das so ist bestätigt der Golf, dass es nicht so sein muss beweist der Mégane. Zwar sind die Franzosen bei der Neuauflage des Kompakten keine so großen Experimente wie beim Vorgänger eingegangen, aber auch der Neue hat das gewisse französische Etwas in Sachen Design. Im Vergleich zum Wolfsburger wirkt der Franzose sogar wirklich extravagant. Beide Autos zeigen an der Fahrzeugfront eine tief ausladende Schürze mit weit außen positionierten Nebelscheinwerfern. Der Mégane wirkt von vorne etwas bulliger, während der Golf mit seiner nach unten gezogenen Motorhaube mehr Dynamik ausstrahlt. Seitlich gesehen nehmen sich die beiden Kompakten nicht viel, während von hinten der Unterschied eklatant ist. Der Golf versprüht am Heck ungefähr so viel Esprit wie ein Flanellhemd. Beim Mégane machen die interessant gezeichneten Heckleuchten und die ungewöhnliche Konstruktion des Heckfensters den Unterschied aus. Allerdings ist das Fenster ebenso wie die hinteren Seitenscheiben relativ klein, was wenig Licht ins Innere lässt und das Auto hinten unübersichtlich macht.

Innenraum: Golf ist eben Golf. Das zeigt sich im Innern des Wolfsburgers. Alles, ebenso wie außen, wenig aufregend, aber grundsolide und wertig. In der Ausstattung Comfortline gibt es Chromeinfassungen der Instrumente und eine Alu-Applikation am Dreispeichenlenkrad. Die Bedienung ist einfach, weil eben von VW bekannt. Einzig die umständliche Kopplung eines Handys mittels Bluetooth kostet unnötig Zeit und Nerven und ist immer wieder Grund zur Beanstandung. In der Disziplin Innenraum muss der Renault kleine Abstriche hinnehmen. Zwar gibt sich der Franzose in Sachen Verarbeitung ebenfalls kaum eine Blöße, aber das Hartplastik auf dem Armaturenbrett und die alufarbenen Plastikabdeckungen um die Lüftungsdüsen wirken eben nicht so wertvoll wie beim Konkurrenten. Dafür sind die Instrumente in der Anordnung etwas anders strukturiert. In der Mitte prangt ein digitaler Tacho, rechts daneben ein Bordcomputer und links ein konventioneller Drehzahlmesser. Das harmoniert gut mit dem Äußeren des Autos und ist eben ein bisschen unkonventionell.

Der starke Benziner des Renault Mégane zeigt sich teils als wilder Geselle. Der Verbrauch ist für einen Otto-Motor allerdings erstaunlich niedrig.

Der starke Benziner des Renault Mégane zeigt sich teils als wilder Geselle. Der Verbrauch ist für einen Otto-Motor allerdings erstaunlich niedrig.
(Foto: Markus Mechnich)

Platzangebot: Der wichtigste Punkt bei diesen Autos ist die Tiefe und Breite des Raumes. Nur zwei Zentimeter trennen den Golf Variant von den 4,55 Metern, die der Mégane Grandtour misst. Beim Radstand liegt der Franzose allerdings fast 13 Zentimeter vor den 2,57 Metern des Golf. Obwohl der Golf im Innenraum sehr geräumig wirkt macht sich auf der Rückbank der größere Radstand auf der Rückbank bemerkbar. Da ist für Passagiere mehr Platz. Im Kofferraum ist im Normalzustand kein wesentlicher Unterschied auszumachen. Werden die nackten Zahlen zurate gezogen, dann hat der Renault hier aber die Nase vorne. 524 Liter bietet der Franzose bei hochgestellter Rückbank, im Golf sind es nur 505 Liter. Umgeklappt werden es im Mégane 1595 Liter, während der Wolfsburger 1495 Liter maximal zu bieten hat. 100 Liter Unterschied sind schon ein Wort in dieser Klasse. Daher gibt es hier einen französischen Sieg.

Antrieb: Diese Wertung läuft außer Konkurrenz, weil hier verschiedene Systeme antreten. Der Golf hat, ganz konventionell, einen Zwei-Liter-Diesel mit 140 PS an Bord. Seine 320 Newtonmeter sorgen dafür, dass sich der VW sehr gut bewegen lässt. Er zieht ordentlich an der Ampel los und schafft es auf der Autobahn maximal auf 210 Stundenkilometer. In 9,7 Sekunden kann der Golf die 100 km/h erreichen. Ganz anders ist da der Mégane orientiert. Der turboaufgeladene Zwei-Liter-Benziner bringt 180 PS auf die Räder. Dabei generiert er ein Drehmoment von 300 Newtonmeter. Diese Kombination macht aus dem Renault fast einen wilden Hengst. Die Kraft des Motors arbeitet ordentlich an der Vorderachse und kann schon mal ungewollt zu durchdrehenden Rädern führen. Kein Wunder also, dass der Renault bei der Höchstgeschwindigkeit mit 225 um 15 Stundenkilometer die Nase vorne hat. Auch bei der Beschleunigung auf 100 km/h kann der Franzose mit acht Sekunden glänzen. Alles andere wäre allerdings auch erstaunlich gewesen. Der Mégane erfüllt allerdings nur die Euro-4-Norm, während der Golf mit Euro 5 kokettieren kann.

In Sachen Ladekapazität kann der Franzose dem Deutschen was vormachen. 405 zu 424 Liter sind es normal, gar 1495 zu 1595 Liter werden es bei umgeklappter Rückbank.

In Sachen Ladekapazität kann der Franzose dem Deutschen was vormachen. 405 zu 424 Liter sind es normal, gar 1495 zu 1595 Liter werden es bei umgeklappter Rückbank.
(Foto: Markus Mechnich)

Verbrauch: Da wird es spannend bei diesen unterschiedlichen Motoren. Der Diesel hat naturgemäß einen klaren Verbrauchsvorteil. In der Norm nimmt der Golf fünf Liter auf 100 Kilometern. In der Praxis lies er sich 6,3 Liter im Schnitt bei normaler Fahrweise zum Dienst bewegen. Das erfreut die Familie genauso wie den Flottenmanager. Der Mégane steht mit einem Normverbrauch von 7,6 Litern in den Büchern. Das ist ein ambitionierter Wert für einen solch starken Benziner. Aber auch in der Praxis zeigte sich der Franzose relativ genügsam. Bei normaler Fahrweise genügten ihm knapp neun Liter. Allerdings ist der Verbrauch, wie bei Benzinern eben so üblich, stark von der Fahrweise abhängig. Bei flotter Gangart stieg der Konsum auch gerne mal deutlich über zehn Liter.

Fahrverhalten: Der Golf ist in seinem Fahrverhalten enorm brav, so wie man den Wolfsburger eben kennt. Ein braves Untersteuern in schnellen Kurven und wenig Neigung zu einem ausbrechenden Heck sind charkteristisch für das Auto. Der Renault Mégane bietet ebenfalls wenig Überraschendes. Allerdings kann das Heck in schnellen Kurven durchaus mal die Contenance verlieren und ausbrechen. Wie bereits erwähnt quittiert er ungeduldiges Gasgeben gerne mal mit durchdrehenden Rädern. Das beschäftigt dann auch das gut regelnde ESP ganz ordentlich, wenn es darauf ankommt. Der Mégane kommt mit einer serienmäßigen Sechsgangschaltung daher, während unser Golf ein Sechsgang-DSG-Getriebe (1800 Euro) an Bord hat. Subjektiv macht das präzise Schaltgetriebe des Mégane mehr Spaß, während das DSG-Getriebe von VW aber auch anstandsfrei seine Dienste erledigt. Aber es fehlt eben doch die Beschäftigung auf rechts. Dynamisch sind durch die Automatik von VW keinerlei Einbußen zu verzeichnen.

Geschmackssache oder auch nicht: Der Golf ist nur bei höherer Kilometerlaufleistung Kostensieger. Sonst kann der Renault mit seinem günstigen Anschaffungspreis punkten.

Geschmackssache oder auch nicht: Der Golf ist nur bei höherer Kilometerlaufleistung Kostensieger. Sonst kann der Renault mit seinem günstigen Anschaffungspreis punkten.
(Foto: Markus Mechnich)

Preise: Erstaunlicherweise hat der Renault selbst mit dem stärksten Benziner gegenüber dem Volkswagen einen Preisvorteil von 3325 Euro. Ab 22.750 Euro ist der Mégane Grandtour mit dem TCe 180 zu haben, während der Golf mit dem 2.0 TDI mit mindestens 26.175 Euro zu Buche schlägt. Das dauert dann schon eine Weile diese Mehrkosten mit dem günstigeren Verbrauch herauszufahren. Der Steuervorteil des Benziners löst sich allerdings etwas auf, weil der Renault die schlechtere Abgasnorm hat. Das ist schade für den Franzosen. So sinkt die Kilometergrenze, ab der sich die Investition in den sparsamen Diesel lohnt, auf etwa 20.000 Kilometer pro Jahr. Darunter ist der Preisunterschied zu groß und der Benziner von Renault die günstigere Wahl.

Fazit: Das war ganz eng. Benziner oder Diesel? In Sachen Wirtschaftlichkeit muss der Renault nur knapp die Segel streichen. Die Abgasnorm verhindert hier den Überraschungssieg, denn mit dem günstigen Anschaffungspreis hat der Mégane eigentlich klar die Nase vorne. Als Familien-Kombi, vornehmlich für Väter mit sportlichen Ambitionen, bleibt das auch so. Die kühl rechnenden Verantwortlichen für Geschäftswagen, deren Autos in der Regel auch eine hohe Jahreslaufleistung vorweisen können, werden wohl zu dem Ergebnis kommen, dass sich der Diesel am Ende doch rechnet. In Sachen Laderaum und Fahrleistungen kann sich der Renault nach vorne schieben. Die Kriterien Verarbeitung und Qualität des Innenraums kann der Golf mit Wolfsburger Präzision für sich entscheiden. Am Ende ist die Entscheidung natürlich Geschmacks- und Kostensache. Wir haben den Renault einen Hauch vor dem VW gesehen, weil er emotionaler ist, mehr Fahrspaß bietet, weniger kostet und gleichzeitig mehr laden kann. Auch wenn es in allen Punkten knapp war, sind das doch entscheidende Kriterien für Kompakt-Kombis. Für Vielfahrer und Gewerbetreibende ist der Golf Variant möglicherweise doch vorne, denn der Kostenfaktor spricht dann für den Wolfsburger.

Artikel versenden

Kombi-Vergleich: Mégane vs. Golf: Welcher Kompakte wird Lademeister?

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.