Nissan Cube vs. Kia Soul: Wer rockt die City?
Unkonventionell und städtisch orientiert sind beide: Der Nissan Cube und der Kia Soul wollen Großstadtmenschen von ihren Vorzügen überzeugen. Wer verbindet am besten Mobilität und Lifestyle? Oder kurz gesagt: Wer rockt die City? Ein Vergleichstest.
Wer sagt, dass kleine Stadtautos langweilig sein müssen? Okay, denkt man an konventionelle Kleinwagen, dann lassen sich wilde Gähnanfälle kaum vermeiden. Außen langweilig, innen billig und langweilig und Fahrspaß steht auch auf der Fremdwortliste. Ist ja immerhin vernünftig, denkt man sich beim Reinsetzen und so bleibt nur der simple Gedanke beim fröhlichen Vor-Sich-Hin-Schleichen, dass man ja soo politisch korrekt ist.
Schluss damit, sagten sich Kia und Nissan und haben mit dem Soul und dem Cube zwei trendige City-Mobile mit Lifestyle-Charakter auf den Markt gebracht. Keine Frage, außergewöhnlich sind beide, aber welcher bietet das beste Gesamtpaket aus feschem Auftritt und ordentlichem Fahrgefühl? Wir haben beide in einem Vergleichstest gegeneinander antreten lassen.
Design: Das steht natürlich bei diesen Autos ganz oben auf der Kriterienliste. Design muss sein sozusagen und die Hersteller haben sich dafür auch ins Zeug gelegt. Der Nissan Cube ist seit einigen Jahren in Japan bereits ein Kultauto. Er ist so ganz anders, schon von seiner Fahrzeuggeometrie her. Der Kasten ist Programm beim Cube, wobei er scharfe Kanten und Ecken eigentlich vermissen lässt. Vorne ist er einer Bulldogge mit Sonnenbrille nachempfunden, erklärt uns der Designer John Sahs. Kommt schon hin, wenn man dieses Bild im Hinterkopf hat. Seitlich finden sich abgerundete, große Fenster, die viel Licht ins Innere lassen. Auch das Panoramadach mit der Sonnenblende im Stil der japanischen Raumteiler namens Shoji macht das Auto hell und freundlich.
Und am Heck findet sich der Jay-Lo-Abschluss. Jay Lo? Der Designer hat den Vorsprung am Heck der amerikanischen Entertainerin Jennifer Lopez nachempfunden. Gut, der echte ist ein bisschen attraktiver, aber auch der Cube hat was. Überhaupt ist der Japan-Würfel ein richtiger Hingucker auf den Straßen Berlins. Kaum ein Auto, das bei uns zu Gast war, hat bisher so viel Aufmerksamkeit bei Passanten und anderen Autofahrern erregt wie dieser Nissan.
Ganz so viel Prominenz und Style bringt der Kia nicht mit. Auch er hat die Grundkonstruktion eines Kastens, aber die Fahrzeugfront ist runder und weicher gestaltet. Leicht konisch fällt die Dachlinie nach hinten ab und endet in einem vertikalen Heck. Alle vier Kotflügel sind leicht ausgestellt und fließen ineinander über. Der markanteste Teil des Autos ist aber die Fahrzeugfront, die auch die SUV-Gene verrät. Vorn zieht sich eine Plastikschürze bis unter den schmalen Lufteinlass. Seitlich runden die zwei Frontscheinwerfer beide Ecken ab. Der Gesamteindruck ist schon stylisch, aber in Maßen.
In Sachen Trend kann der Kia mit dem Nissan nicht mithalten. Keine Frage, auch der Koreaner bewegt sich abseits vom Mainstream. Doch im Vergleich hat der Cube einfach mehr Stil und sein Design wirkt extravaganter und innovativer. 1:0 für Nissan.
Innenraum: Um es vorweg zu nehmen, beide Autos bieten erstaunlich viel Platz für ihre Größe. Im Kia Soul lässt es sich vorn ebenso gut sitzen wie im Nissan Cube. Auf der Rückbank des Soul geht es allerdings etwas enger zu, wenngleich auch dort Erwachsene durchaus die eine oder andere Stunde aushalten können. Der Mittelplatz ist freilich eher etwas für kleinere Personen. Da zeigt sich der Cube großzügiger. Auch hier gab uns der Designer Sahs seine Idee mit auf den Weg. Wie einen Whirlpool habe er den Innenraum gestaltet und tatsächlich erinnern die Formen von Armaturenbrett und Seitenverkleidungen an das entspannende Rauschen eines plätschernden Pools. Nicht schlecht gelungen also.
Die Bedienelemente und Cockpitfunktionen beider Autos bieten keine bösen Überraschungen. Schalter und Hebel sind gut zu finden. Allerdings kann sich auch im Innern der Cube einen Style-Vorteil sichern. Das runde Bedienelement für die Klimaanlage macht einfach was her, ebenso wie das geschwungene Armaturenbrett. Der kreisrunde Puschelteppich darauf gibt zwar von der Funktionalität her eher Rätsel auf, aber auch der sieht flott aus. Laut Nissan soll man Schlüssel oder Handys so platzieren können, dass sie nicht herumrutschen.
Der Soul zeigt sich am Armaturenbrett etwas nüchterner. Die Mittelkonsole schwebt über dem Schaltknauf und zeigt sich nach unten abgerundet. Über Radio und den Bedienelementen für die Klimaanlage gibt es einen Subwoofer und ein leider etwas knifflig zu öffnendes Ablagefach. Der mittige Lautsprecher gehört zu einem Soundsystem, das auch zwei mit LEDs umrandete Lautsprecher in den vorderen, seitlichen Türen mitbringt. Diese Beleuchtung lässt sich mittels Drehknopf entweder auf den Takt der Musik oder auf sanftes Zusatzlicht einstimmen. Ein nettes Feature, für das Kia 530 Euro Aufpreis berechnet.
In Sachen Kofferraum zeigt sich der Nissan Cube zunächst mit einem Volumen von 260 Liter großzügiger. Allerdings wird nach der VDA-Norm der Raum bei umgelegter Rückbank nur mit 410 Liter bemessen. Der Kia kann hier mit 1258 Liter glänzen. In der Praxis allerdings fällt der Unterschied nicht ganz so üppig aus. Auch in den Nissan lässt sich so einiges reinschaffen. Wobei die Kante, die die umgelegte Rückbank erzeugt doch recht hoch ist. An Volumen fehlt es dem Japaner grundsätzlich also nicht, aber bei sperrigen Dingen wird es schwierig. Da zeigt sich der Soul praktischer, wenngleich die Ladekante des Kofferraums einen Tick höher liegt und die Öffnung weniger breit ist. Beim Nissan zeigt die seitlich öffnende Heckklappe ihre Vorteile.
Antrieb: Beide Testwagen sind mit einem 1,6-Liter-Benziner ausgestattet. Der Soul erzeugt 126 PS (93 kW) aus diesem Hubraum und liefert ein Drehmoment von 156 Newtonmeter ab. 154 Gramm CO2 werden dabei in die Umwelt entlassen. Mit einer Beschleunigung von elf Sekunden bis zu einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometer. Damit ist er sicher kein Sprintwunder, aber lässt sich ganz ordentlich bewegen. Leider schafft es der Kia nur auf die Norm Euro 4. Laut Hersteller verbraucht der Soul im Mittel 6,5 Liter Superbenzin auf 100 Kilometern. Das war in der Praxis allerdings nicht nachzuvollziehen. Selbst auf der Autobahn steigt der Verbrauch gerne mal an die zehn Liter. Im Schnitt haben wir einen Verbrauch von 8,5 Liter gemessen, was doch deutlich über der Norm liegt.
Der Nissan Cube kommt mit einer Leistung von 110 PS (81 kW) daher und bietet ein Drehmoment von 153 Newtonmeter. Dabei werden mindestens 151 Gramm CO2 pro Kilometer produziert. Die Euro-5-Hürde nimmt der Motor des Cube locker. In 11,3 Sekunden kann der Cube die Grenze von 100 Stundenkilometer erreichen. Der Verbrauch wird mit 6,6 Litern auf 100 Kilometern angegeben. Der Cube zeigt sich auch in der Praxis als nicht zu trinkfreudig. Zwar gibt es auch hier einen Aufschlag im Vergleich zu den Herstellerangaben, aber mit 7,8 Litern bei unseren Fahrten im Schnitt ist dieser noch vertretbar. Leider verzichten beide Autos auf einen sechsten Gang.
Fahrverhalten: Beide Autos sind eher auf Komfort abgestimmt und bringen ein relativ weiches Fahrwerk mit. Beim Soul geht es im Vergleich noch etwas härter ab als beim Cube. Dieser liegt aber etwas satter auf der Straße, während der Soul in Kurven doch eine leichte Aufstell-Neigung zeigt. Flotte Kurvenfahrten sind aber bei beiden Autos nicht unbedingt die Paradedisziplin.
Der Antritt des Soul ist etwas behäbiger als beim Konkurrenten aus Japan. Da sind die 16 Mehr-PS doch spürbar. Der Cube wirkt beim Anfahren etwas träge, kommt dann aber im Durchzug ganz gut mit. Daher liegt er bei der Beschleunigung nur knapp hinter dem Kia. Auch die Spitzengeschwindigkeit des Cube von 175 Stundenkilometer ist nur knapp hinter den 177 des Soul. Auch wenn der Koreaner etwas spritziger wirkt ist das Fahren im Japan-Mobil eine stimmigere Angelegenheit.
Kosten: Beim Basispreis kann sich der Kia Soul mit 15.900 Euro doch deutlich unter den 18.000 Euro, die Nissan für den Cube berechnet, absetzen. Allerdings kann sich letzterer durch eine umfangreichere Basisausstattung wieder Vorteile verschaffen. So kommen beispielsweise das nette Panoramadach und die längs verschiebbare Rückbank in Serie mit. Auch die aufpreispflichtigen Pakete sind überschaubar. Navigation und Rückfahrkamera gibt es beispielsweise im Paket "Kaado" zusammen mit einem USB-Anschluss für 850 Euro extra. Daneben lassen sich noch zahlreiche kleine Accessoires im Stil des Cube, wie beispielsweise der Teppich auf dem Armaturenbrett, zu kaufen.
Da gehen die Optionspakete bei Kia doch mehr ins Geld. Die erste Ausstattungslinie über der Basis mit Leichtmetallrädern, Funkfernbedienung und Parksensoren kostet bereits 1740 Euro extra. Die höchste Variante namens Spirit kommt noch mal auf weitere 1310 Euro. So zehrt sich der Preisvorsprung des Koreaners etwas auf, wobei er am Ende immer noch leicht unter dem Preis für den Nissan Cube liegt.
Fazit: In der Summe hat der Cube von Nissan die Nase leicht vorn. In der Kategorie Style kann er innen und außen den Kia Soul distanzieren. Er ist ein stimmiges Paket des "Andersseins". Der Soul kommt im Vergleich als das "normalere" Auto daher und wirkt deshalb neben dem Cube fast ein bisschen langweilig. Leichte Vorteile kann sich der Soul in Sachen Fahrdynamik und beim Preis herausfahren, aber am Ende ist dort der Vorsprung zu knapp, als das es für den Gesamtsieg reichen würde. So richtig rockt nur einer die Großstadt - und das ist letzten Endes der Nissan Cube.
Datenblatt | Kia Soul | Nissan Cube |
Abmessungen LxBxH | 4.11 / 1,79 / 1,61 Meter | 3,98 / 1,70 / 1,68 Meter |
Leergewicht | 1245 kg | 1230 kg |
Sitzplätze | 5 | 5 |
Ladevolumen | 222 bis 1258 Liter | 260 bis 410 Liter |
Maximale Zuladung | 435 kg | 470 kg |
Motor | Otto-Motor mit vier Zylindern in Reihe | Otto-Motor mit vier Zylindern in Reihe |
Antrieb und Getriebe | Frontantrieb, | Frontantrieb, |
max. Leistung | 126 PS (93 kW) bei 6300 U/Min | 110 PS (81 kW) bei 6000 U/Min |
Kraftstoffart | Benzin | Benzin |
Tankinhalt | 48 Liter | 52 Liter |
Höchstgeschwindigkeit | 177 km/h | 175 km/h |
max. Drehmoment | 156 Newtonmeter bei 4200 U/Min | 153 Newtonmeter bei 4400 U/Min |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 11,0 Sekunden | 11,3 Sekunden |
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt) | 7,9/5,7/6,5 Liter | 8,3/5,6/6,6 Liter |
CO2-Emissionen | 154 Gramm pro Kilometer | 151 Gramm pro Kilometer |
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette | EURO 4 / Grün | EURO 5 / Grün |
Grundpreis | 15.900 Euro | 18.000 Euro |
Quelle: n-tv.de

