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Rasse ja, aber auch Klasse? Die Giulietta von Alfa Romeo besticht mit einem ansprechenden Äußeren und unterstreicht diesen Anspruch auch auf der Straße.
Rasse ja, aber auch Klasse? Die Giulietta von Alfa Romeo besticht mit einem ansprechenden Äußeren und unterstreicht diesen Anspruch auch auf der Straße.

Alfa Romeo Giulietta 1.4 Multiair: Wo die Liebe hinfällt

von Markus Mechnich

Mit der Giulietta hat Alfa Romeo einen großen Namen aus dem Ahnenschrank geholt und auf kompakte Räder gestellt. Der erste Blick ist vielversprechend, aber kann die Schöne aus Italien auch in der Praxis halten, was sie verspricht?

Giulietta! Das klingt nach Italien, nach einem Sonnenuntergang am Strand von Rimini, nach dem schweren Rotwein aus der Toskana zum Abendessen und es klingt nach jener unvergesslichen Liebe, die einem nur einmal und eben nur im Urlaub begegnet. Und es klingt, wenig verwunderlich an dieser Stelle, nach einem Auto. Nach einem Alfa Romeo.

Ein straffes Fahrwerk und ein downgesizter 170-PS-Motor bringen viel Fahrspaß.
Ein straffes Fahrwerk und ein downgesizter 170-PS-Motor bringen viel Fahrspaß.

Leider müssen wir dieses wunderschöne, erwärmende Bild an dieser Stelle schon wieder verlassen. Denn unsere Begegnung mit der Giulietta findet bei gefühlten zehn Grad Minus auf einem in Schnee und Eis erstarrten Parkplatz statt. Petrus hat unserer Romanze mit dem Alfa die Last eines eiskalten Winters aufgebürdet.

Sie betört uns mit Kurven und Linien

Dennoch ist es so etwas wie eine Liebe auf den ersten Blick. Denn die Giulietta sieht gut aus und geizt auch nicht mit ihren Reizen. Sie zeigt uns vorne ihre hübschen Scheinwerfer, weit außen platziert mit großen Gläsern. Sie zeigt uns ihre Taille mit den ausgestellten Radkästen vorne und hinten. Sie zeigt uns ihre aufreizenden Kurven mit der coupéhaften Dachlinie und ihren entzückenden Rücken mit den extravaganten LED-Leuchten. Da ist er wieder, der italienische Moment, auch wenn ihn Väterchen Frost direkt wieder zu einem Klumpen Eis gefrieren lässt.

Glücklicherweise empfängt uns die Giulietta mit Sitzheizung und einer Klimaanlage, die den Innenraum recht schnell auf angenehme 20 Grad erwärmen kann. Denn das Schwärmen über das Außendesign des Autos ist eine frostige Angelegenheit. Dabei lohnt es sich schon, denn dieses Auto, das als erstes Modell auf der neuen C-Plattform des Fiat-Konzerns gebaut wurde, hat dieses typische Etwas, das Alfa auch heute noch bei der Gestaltung seiner Autos unterbringt. Und das ist schon mal ein Gütemerkmal in der sonst so weichgespülten Kompaktklasse, wo sich kaum ein Hersteller an etwas Experimentelles herantraut.

Italienische Momente

Aber die Giulietta hat im Innern noch mehr zu bieten, als Sitzheizung und Klimaanlage. Da wären diese fünf Kipphebel in der Mittelkonsole, die in Flugzeugoptik gehalten sind. Da wären die drei chromeingefassten Drehknöpfe für die Bedienung des Radios, die auf dem Armaturenbrett in Klavierlack-Optik sitzen. Und da wäre dieser große, gut in der Hand liegende Schaltknauf aus Aluminium, über den sich die Gänge des manuellen Sechsganggetriebes ansteuern lassen. Wir fahren los und freuen uns darüber, dass die Welt auch italienische Momente zu bieten hat. Selbst in diesem sibirischen Winter.

Sie zeigt uns ihre Kurven: Die Giulietta ist ein schönes Automobil geworden.
Sie zeigt uns ihre Kurven: Die Giulietta ist ein schönes Automobil geworden.

Aber mit der Giulietta ist es eben auch so wie mit der großen Urlaubsliebe damals schon. Nach wenigen Tagen machen sich auch die Dinge bemerkbar, die nicht so gut passen. Das Idealbild bekommt Risse, verblasst. Die Hebel zum Öffnen der beiden vorderen Türen, die zwar nach Aluminium aussehen, aber reines Hartplastik sind. Ebenso wie die Verkleidung des Armaturenbretts und die Mittelkonsole wirken die verwendeten Materialien auf den zweiten Blick dann doch etwas billig. Optisch einwandfrei, aber eben nicht hochwertig. Ärgerlich ist der fehlende Griff zum Öffnen der Heckklappe. Der ist dem ästhetischen Anspruch zum Opfer gefallen, was aber stets schmutzige Finger beim Öffnen der Heckklappe zur Folge hat.

Downsizing beim Motor

Was die Giulietta in der hart umkämpften Kompaktklasse von den Wettbewerbern unterscheiden soll, ist aber nicht nur das Design des Autos. Dieser Alfa will auch durch seine sportliche Ausrichtung Kunden gewinnen, denen ein Golf zu altbacken, ein 1er BMW zu klein und ein Audi A3 zu deutsch ist. Um diese Werte in den Vordergrund zu stellen, hat Alfa Romeo dem Modell serienmäßig das Fahrdynamiksystem "D.N.A" mit auf den Weg gegeben. Außerdem gibt es eine Fahrstabilitätskontrolle und eine Differenzialsperre für die Vorderachse bei jeder Giulietta.

Der Griff zum Öffnen der Heckklappe ist der schönen Optik zum Opfer gefallen. Das gibt schmutzige Finger.
Der Griff zum Öffnen der Heckklappe ist der schönen Optik zum Opfer gefallen. Das gibt schmutzige Finger.

In Kombination mit dem 170 PS starken Benziner ergibt das ein durchaus starkes Paket. Auch wenn es sich bei dem 1,4 Liter großen Vierzylinder um ein Modell der Marke Downsizing handelt. Mittels einer Technik namens "MultiAir" können die Italiener auf die Einlass-Nockenwelle verzichten und ersetzen diese mit einer variablen Steuerung der Ventile durch ein Hydrauliksystem. Mehr Leistung und mehr Drehmoment bei gleichzeitig geringerem Verbrauch werden versprochen. Der Normverbrauch liegt tatsächlich deutlich unter dem gleich großen Motor ohne Multiair mit nur 120 PS.

D.N.A. bereitet Freude

Alfa Romeo bietet ausschließlich Motoren mit Turboaufladung an und kombiniert diese serienmäßig mit Start-Stopp-Systemen. So kommt unser Motor auf einen Normverbrauch von 5,8 Liter und emittiert dabei 134 Gramm CO2. Das ist ein beachtlicher Wert, selbst für einen Kompakten. Hilfreich dabei ist auch eine integrierte Schaltpunktanzeige, die den günstigsten Gang im Cockpit anzeigt.

Ganz so sparsam war unsere Giulietta in der Praxis zwar nicht, aber wir waren mit einem Verbrauch von knappen acht Litern im Schnitt auch zufrieden. Zumal es sich vorwiegend um Stadtfahrten handelte. Freude bereitet das Fahrdynamiksystem "D.N.A.", das zwischen den Modi "All-Wetter", "Normal" und "Dynamik" wählen lässt. Dabei werden Parameter wie die der elektromechanischen Lenkung, die Gaskennlinie oder die Overboost-Regelung des Turboladers verändert. Auch das Stabilitätsprogramm greift später ein und die Bremszylinder werden für einen kürzeren Bremsweg vorbefüllt.

Ein schönes Rendezvous

Hört sich alles komplex an, doch das elektronische System sorgt für eine Menge Fahrfreude. Die Giulietta bekommt im Dynamik-Modus eine Prise echt italienisches Temperament als Sahnehäubchen. Sofort werden die 7,8 Sekunden, in denen das Auto die 100-km/-Schallmauer erreichen soll, glaubhaft. Das Fahrwerk zeigt sich sportlich straff und jederzeit den Anforderungen gewachsen. Eine reiner Freude, mit der Giulietta auf der Landstraße um Kurven zu flitzen. Nur schade, dass uns der Winter größere sportliche Aktivitäten verleidet. Einfach weil Sicherheit am Ende doch vor Genuss geht. Den "All-Wetter"-Modus konnten wir hingegen im Schnee desöfteren testen. Er hat uns sicher aus mancher Misere mit niedrigeren Drehzahlen und wohl dosierterer Kraft geholfen.

Ab 22.400 Euro ist der Kompakte von Alfa mit dem 1,4-Liter -Benziner mit Multiair-Technik zu haben.
Ab 22.400 Euro ist der Kompakte von Alfa mit dem 1,4-Liter -Benziner mit Multiair-Technik zu haben.

So bleibt am Ende der Blick auf die Kosten. Für 22.400 Euro steht die Giulietta mit dem 1,4 Liter Benziner in der Preisliste. Das ist für einen Kompakten kein geringer Preis. Für 1800 Euro mehr gibt es das Fahrzeug auch als Kombi, dann aber mit erweiterter Ausstattung. Die serienmäßige Ausrüstung ist, wie bereits beschrieben, recht ordentlich. Das bedeutet freilich nicht, dass sich der Preis nicht mit ein paar Extras noch in die Höhe treiben ließe. In unserem Testwagen fand sich das Sportpaket 1 (1845 Euro), unter anderem mit 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Sportlenkrad und Leder, sowie das Premiumpaket (1130 Euro) mit Mittelarmlehne, Parksensoren und anklappbaren Außenspiegeln.

Video

Unserer Liebe zur Giulietta konnte auch Väterchen Frost keinen Abbruch tun. Auch wenn wir gerne mit dem rassigen Italiener etwas mehr Dynamik erlebt hätten, die uns Eis und Schnee leider verwehrt haben, haben wir ein schönes Rendezvous mit einem sehr soliden Automobil gehabt. Die Giulietta hat uns keineswegs enttäuscht. Sie hat Rasse, sieht gut aus und zeigt sich auch durchaus praktisch veranlagt. Dass sie in manchen Punkten nicht ganz so umgänglich ist und manchmal etwas mehr Schein als Sein zeigt, hat man schönen Frauen doch eigentlich schon immer verziehen.

 

Datenblatt

Alfa Romeo Giulietta 1.4 Mulitair

Abmessungen LxBxH
4,35 / 1,80 / 1,47 m
Leergewicht
1365 kg
Sitzplätze
5
Ladevolumen
normal / maximal - Rückbank raus und mittlere Sitze raus
350 l / 1045 l
Tankinhalt
60 Liter
Maximale Zuladung
430 kg
Anhängelast gebremst/ungebremst
500 / 1300 kg
Motor
4-Zylinder Otto-Motor
mit 1.365 ccm Hubraum
mit Turboaufladung
Getriebe
6-Gang Schaltgetriebe
Leistung
170 PS (125 kW) bei 5500 U/Min
Kraftstoffart
Benzin
Antrieb
Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit
218 km/h
max. Drehmoment
250 Nm zwischen 2250 und 2500 U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
 7,8 sek
Normverbrauch (Mittel/Innerorts/Außerorts)
5,8 l / 7,8 l / 4,6 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
134 g/km
Grundpreis
22.400 Euro

 

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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