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Mehr Platz für den Qashqai: Als Version +2 bietet er zwei zusätzliche Sitze und 21 Zentimeter mehr Länge.
Mehr Platz für den Qashqai: Als Version +2 bietet er zwei zusätzliche Sitze und 21 Zentimeter mehr Länge.(Foto: Markus Mechnich)

Unterwegs mit Nissans Qashqai +2: Zwei Trümpfe im Heck

Markus Mechnich

Zwei Sitze, mehr Platz und dabei ein bewährtes Konzept.:Nissan hat den Qashqai mit zusätzlichem Raum erweitert. Mehr Platz und mehr Variabilität verspricht der Hersteller. Wir haben den Schweden-Test gemacht.

Mit dem Qashqai hat Nissan ein recht erfolgreiches Modell am Markt platziert. Mehr als 15.000 Mal ist der kompakte SUV im vergangenen Jahr in Deutschland angemeldet worden, im ersten Halbjahr 2009 bereits 12.203 Mal. Das liegt zum einen an den günstigen Preisen - das Einstiegsmodell gibt es schon ab 20.190 Euro -  und zum anderen an einer gewissen Einzigartigkeit. Es gibt zwar viele SUVs, aber in seinem speziellen Segment der hoch gebauten Kompaktklassewagen konkurrieren eigentlich nur der Hyundai Tucson und die Cross-Variante des VW Golf mit dem Japaner. Die übrigen Geländegänger auf dem Markt spielen preismäßig einfach eine Klasse höher. Beim Kraftfahrtbundesamt firmiert der Qashqai gar als Van.

Jetzt also mit noch mehr Platz unterwegs. Das Konzept könnte aufgehen. Also sind wir mit dem Qashqai +2 Richtung Schweden aufgebrochen. Der erste Teil des Parcours, den der Nissan zu bewältigen hatte, war die Disziplin Laderaum. Wir haben es zu dritt geschafft, das Auto bis unters Dach vollzuladen. Allerdings auch mit ordentlich viel Gepäck. Die Heckklappe öffnet nur auf eine Höhe von rund 1,80 Meter. Großgewachsene müssen da Vorsicht walten lassen, sonst drohen Beulen.

Reichlich Platz für Gepäck

550 Liter Ladevolumen bietet der Qashqai +2. Da passt ordentlich was rein, was auch den 21 Zentimeter zusätzlichem Platz zu verdanken ist, die unser Testwagen dem normalen Qashqai voraus hat. Wenn die beiden fest installierten zusätzlichen Sitze benutzt werden, dann schränkt sich der Platz mit 130 Litern allerdings arg ein. Für die Kurzstreckenfahrt mit der ganzen Familie reicht es aber immer noch. Wir benötigten nur drei Sitze und konnten die Rückbank asymetrisch umlegen. Das brachte eine Menge zusätzlichen Raum. Ganz umgelegt kann der Qashqai +2 1520 Liter verschlingen. In dieser Kategorie hat er sich also schon mal eine gute Note verdient. Selbst wenn das Werte sind, die ein etwas größerer Kombi auch schafft.

In den schwedischen Wäldern konnte der Japaner seine durchaus vorhandenen Offroad-Qualitäten unter Beweis stellen.
In den schwedischen Wäldern konnte der Japaner seine durchaus vorhandenen Offroad-Qualitäten unter Beweis stellen.(Foto: Markus Mechnich)

Der erste Teil der Strecke ist eine recht ereignislose Fahrt nach Rostock. Nissan gibt einen Verbrauch von 7,0 Litern im Schnitt auf 100 Kilometer an. Das ist ein ordentlicher Wert, den uns der Bordcomputer mit einem Schnitt von angezeigten 8,4 Litern zunächst nicht bestätigen wollte. Allerdings auch kein Wunder, denn ab 150 Stundenkilometern macht sich die Karosserie bemerkbar. Die Physik schlägt durch den hohen Aufbau dann zu Buche und der Verbrauch zieht merklich an.

Kühlung in Handschuhfach und Mittelkonsole

Schade ist, dass Nissan sehr geizig mit Ablagen und kleineren Staufächern vorne umgegangen ist. In der Mittelkonsole findet sich Platz für 0,5-Liter-Flaschen, der sogar gekühlt ist. Ebenso wie das Handschuhfach. Das ist gerade im Hochsommer sehr komfortabel. Aber eine gute Ablagemöglichkeit für die Sonnenbrille außerhalb des Handschuhfachs wäre dennoch schön. Etwas verwirrend sind auch die diversen Pieps-Signale, die der Qashqai so von sich gibt. Das Anschnallzeichen ist ja noch geläufig, aber des öfteren ist nicht so ganz klar, was er gerade hat. Teilweise hängen die Signale mit dem "Intelligent-Key"-System zusammen. Das schlüssellose Starten und Fahren ist aber ansonsten recht komfortabel.

Bei umgeklappter zweiter Sitzreihe werden aus 550 Litern 1520 Liter Stauraum.
Bei umgeklappter zweiter Sitzreihe werden aus 550 Litern 1520 Liter Stauraum.

Der Abend dämmert, und wir finden uns im Rostocker Hafen ein. Vor der Fähre, der Huckleberry Finn, platzieren wir uns in einer lange Reihe von Urlaubern. Bei der Fahrt auf das mächtige Schiff machen sich die relativ kompakten Ausmaße des Autos positiv bemerkbar. Während einige Oberklassekombis schwer kurbeln, lässt sich der Qashqai +2 mit Leichtigkeit platzieren. 4,52 Meter Länge sind eben doch deutlich kürzer als die Autos der Fünfmeterklasse um uns herum. Breit ist der Qashqai 1,78 Meter, und mit 1,62 Meter Höhe ist das Auto sogar im Stand noch zu überblicken. Die Abmessungen sind allerdings vom Fahrzeuginnern schwer abschätzbar. Daher ist die Einparkhilfe samt Rückfahrkamera sehr willkommen.

Schwedens Tempolimit senkt Verbrauch

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In sieben Stunden schippert uns die Huckleberry Finn von Rostock nach Trelleborg. Um sechs Uhr klingelt uns der allgemeine Weckruf der Borddurchsage aus dem viel zu kurzen Schlaf. Aufsitzen ist angesagt. In Trelleborg fahren wir die Autobahn E4 nach Mittelschweden hoch. Schön an der Ausstattungsvariante Tekna unserers Testwagens sind das MP3-fähige Radio, in unserem Fall mit Sechsfach-CD-Wechsler (650 Euro), und die dezente, aber kräftige Innenraumbeleuchtung inklusive Leseleuchten vorne und hinten.

In Schweden gibt es keine freie Fahrt mehr auf der Autobahn. Mit 110 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung wird der Zwei-Liter-Diesel mit seinen 150 PS so richtig sparsam. Laut Bordcomputer verbrauchen wir etwas mehr als sechs Liter. Nach dem Volltanken am Ziel lag der Verbrauch über eine Strecke von etwas mehr als 600 Kilometern bei 7,6 Litern und damit sogar 0,8 Liter unter der Anzeige des Bordcomputers. Ein erfreulicher Verbrauch, zumal das Auto bis unter die Decke voll beladen war.

Allrad nur mit Zwei-Liter-Motoren

Der Qashqai +2 ist nur mit den Zwei-Liter-Motoren, egal ob Diesel oder Benziner, auch als Allrad zu haben. Der vierrädrige Antrieb lässt sich manuell zuschalten oder man lässt das Fahrzeug per Automatik entscheiden, ob zwei oder vier Räder angetrieben werden sollen. Daher steht am nächsten Tag ein Ausflug in die schwedischen Wälder auf dem Programm. Schotterpisten und Waldwege meistert der Japaner mit Bravour. Die 320 Newtonmeter stehen bereits bei 2000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung. Das sorgt für anständigen Vortrieb, auch bei unfestem Untergrund.

Der Nissan Qashqai +2 macht eine gute Figur in unserem Test. Ein ausgewogenes Auto, das sich kaum Schwächen erlaubt.
Der Nissan Qashqai +2 macht eine gute Figur in unserem Test. Ein ausgewogenes Auto, das sich kaum Schwächen erlaubt.(Foto: Markus Mechnich)

Die Lenkung gibt leider etwas wenig Feedback, aber das Fahrwerk vermittelt stets ein sicheres Gefühl. Der Qashqai zeigt kaum Neigung, sich in schnellen oder engen Kurven aufzustellen. Der hohe Schwerpunkt wird von der Federung gut abgedämpft. Das Allradsystem gräbt sich auch durch schlammigen Untergrund zuverlässig. Im Zweifelsfall kann das ESP ausgeschaltet werden - und so ungebremst gibt es kaum Hindernisse, die der Nissan nicht bewältigen könnte. Im Gegenteil, der Ritt durchs schwedische Unterholz machte mit dem kompakten Crossover richtig Spaß.

Umfangreiche Serienausstattung

Den Test in den schwedischen Wäldern hat der Qashqai +2 also ebenfalls bestanden. Schließlich kommen wir zu den Kosten. Für unser Testfahrzeug, Zwei-Liter-Diesel mit der Ausstattung Tekna, schlagen 32.540 Euro zu Buche. Darin enthalten ist der Allradantrieb und eine umfangreiche Grundausstattung. Dazu gehören unter anderem das Leder-Interieur, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Xenon-Licht und das Panorama-Glasdach. Als Extras hatten wir lediglich den CD-Wechsler für 650 Euro und das Navigationssystem mit Verkehrsmeldungen und Rückfahrkamera für ebenso 650 Euro an Bord. 

In unserem Praxis-Test konnte der Qashqai +2 durchaus überzeugen. Ein solider Motor mit einem vernünftigen Verbrauch und hohem Spaßfaktor. Das Fahrwerk ist für die Karosserie sehr gut abgestimmt. Die Schwächen sind schnell abgehandelt: Etwas wenig Rückmeldung der Lenkung, zu wenige Ablagen und etwas viele Piepstöne. Das sind, bis auf die indifferente Lenkung, keine wesentlichen Schwächen. Deshalb bekommt der Qashqai auch die vollen drei Elche vom Schweden-Test. Mit dem mehr an Platz mausert sich der Kompakte schließlich auch zum Familienmobil.

Quelle: n-tv.de

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