Mit großen Erwartungen legt die große Koalition aus SPD und Union vor einem Jahr los. Kanzlerin Merkel und ihr Erster Offizier, Vize-Kanzler Franz Müntefering, starten zuversichtlich in die raue See der Reformen.Bild 1 von 70 Zwar gibt die Kanzlerin die Richtlinien der Politik vor, die Qualität der Ergebnisse hängt jedoch enorm von den Ministern ab. Hier der Blick ins Detail...Bild 2 von 70 Arbeitsminister Franz Münterfering (SPD): Der Vizekanzler und einstige SPD-Chef hat sich zum Anker der Großen Koalition entwickelt. In seinem Ressort: durchaus Erfolge.Bild 3 von 70 Die Arbeitslosenzahl sinkt auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Bei der Arbeitslosenversicherung werden Arbeitnehmer und Arbeitgeber 2007 um 17 Milliarden Euro entlastet.Bild 4 von 70 Müntefering hat sich das Gelingen der Koalition in den Kopf gesetzt. An Schärfe allerdings gewinnt sein Ton, wenn die Union mehr will als der Koalitionsvertrag hergibt. Beispiel: Kündigungsschutz und ALG I.Bild 5 von 70 Seine eigene Partei bringt er mit der Rente ab 67 gegen sich auf.Bild 6 von 70 Nur selten meldet sich der Vize-Kanzler in Koalitionsquerelen öffentlich zu Wort. Und wenn, dann schießt er gegen die Ministerpräsidenten der Union, aber nie gegen Kanzlerin Merkel direkt.Bild 7 von 70 Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD): Steinmeier startet als Krisenmanager in sein neues Amt. Zunächst wegen der Entführung von Deutschen im Irak, dann in eigener Sache.Bild 8 von 70 Berichte über die Entführung eines Deutschen durch die CIA und die Gefangenschaft des Deutsch-Türken Murat Kurnaz im US-Lager Guantanamo setzen den Ex-Kanzleramtschef unter Druck.Bild 9 von 70 Auch stellt Merkel ihn mit ihren eigenen internationalen Auftritten zunächst deutlich in den Schatten. Eine Tendenz, die sich inzwischen umgekehrt hat. Steinmeier zählt - als Außenminister fast schon traditionell - zu den beliebtesten Politikern.Bild 10 von 70 Im Atomstreit mit dem Iran übernimmt er eine Schlüsselrolle als Vermittler und gewinnt an Profil.Bild 11 von 70 Die schwierigste Herausforderung bislang: der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah.Bild 12 von 70 Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU): Schäuble hat erwartungsgemäß keine Schwierigkeiten bei der Einarbeitung in sein Amt, schließlich leitete er das Ressort bereits von 1989 bis 1991 unter Kanzler Kohl.Bild 13 von 70 Reibungslos setzt er Themen, arbeitet Probleme wie die lang umstrittene Anti-Terror-Datei ab, verfolgt alte Lieblingsideen wie den Einsatz der Bundeswehr im Inneren und leistet sich keine auffälligen Fehler.Bild 14 von 70 Er wirkt milder als früher - und weniger herrisch als sein Vorgänger Otto Schily.Bild 15 von 70 Das jedenfalls sagen seine Mitarbeiter im Ministerium.Bild 16 von 70 Und Schäuble profitiert in der öffentlichen Wahrnehmung auch von der Fußball-Weltmeisterschaft, die Millionen Ausländern (und Deutschen) ein völlig neues Deutschland-Bild verschafft.Bild 17 von 70 Finanzminister Peer Steinbrück (SPD): Mit ihm hat sich die Koalition für den zentralen Bereich der Finanz- und Steuerpolitik einen Mann mit Durchsetzungskraft und pragmatischer Grundhaltung geholt. Von seiner Bilanz hängt wesentlich der Erfolg der Regierung ab.Bild 18 von 70 Der sturmerprobte Norddeutsche hält allen Orkanen stand, die wegen der zunächst angekündigten Rekord-Neuverschuldung über ihn hinweg fegen.Bild 19 von 70 Dank der günstigen Konjunktur strömt dann aber mehr Geld in seine Kassen, so dass der Konsolidierungskurs besser ausfällt als erwartet.Bild 20 von 70 Und mit der Unternehmenssteuerreform, die er gemeinsam mit Roland Koch zu Papier bringt, kann er eines der nächsten Reformprojekte der Koalition Richtung Vollendung bringen.Bild 21 von 70 Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU): Er legt den holperigsten Start im Merkel-Kabinett hin; auch, weil er nach der Absage von Edmund Stoiber überraschend ins Amt kommt.Bild 22 von 70 Als Mann ohne große Verwaltungserfahrung übernimmt er ein Ressort, das als extrem schwierig und in den Kompetenzen als bescheiden gilt. In den großen Wirtschaftsverbänden werden ihm zwar Fortschritte attestiert, überzeugt von großer Kompetenz sind jedoch nur wenige.Bild 23 von 70 Aufsehen erregt er zunächst nur als der Unionsminister, der am beharrlichsten für eine Revision des Atomausstiegs eintritt.Bild 24 von 70 Auch beim Thema weitere Reformen bezieht Glos immer wieder Positionen, die in der Koalition kaum konsensfähig sind.Bild 25 von 70 Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD): Er profiliert sich zunächst als Verteidiger des Atomausstiegs und somit als Gegenpart zu Wirtschaftsminister Glos. Im Kampf gegen hohe Strompreise liefern sich die beiden inzwischen scharfe Duelle.Bild 26 von 70 Ein Instrument dabei ist der Emissionshandel, den Gabriel forciert.Bild 27 von 70 Der SPD-Mann versucht, die Umweltpolitik stärker ins Gespräch zu bringen, orientiert sich dabei an typisch grüner Politik.Bild 28 von 70 Dabei betont er die Bedeutung der Ökostrom-Branche in Deutschland und für den Export.Bild 29 von 70 Um sie zu stärken, bringt er sogar ein "grünes Wirtschaftskabinett" ins Gespräch, das sich um die Exportförderung kümmern soll. Hierbei allerdings wird er vom Kanzleramt zurückgepfiffen.Bild 30 von 70 Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD): Obwohl sie als rheinische Frohnatur gilt, vergeht ihr das Lachen während der Diskussion um die Gesundheitsreform recht oft.Bild 31 von 70 Als Ressortchefin muss sie zwischen den beiden extrem unterschiedlichen Ausgangsmodellen von SPD und Union vermitteln. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, der hinter ihren eigenen Forderungen weit zurück bleibt.Bild 32 von 70 Zwischenzeitlich sieht es sogar so aus, als müsse Schmidt als Bauernopfer herhalten, damit überhaupt eine Einigung gelingt.Bild 33 von 70 Die Union wirft ihr vor, die ausgehandelten Eckpunkte nicht angemessen umgesetzt zu haben. Und die SPD moniert, sie habe Leitlinien der Partei zu schnell aufgegeben.Bild 34 von 70 Am Ende geht sie aber trotz des extrem mageren Ergebnisses wohl gestärkt aus der Debatte um die Gesundheitsreform.Bild 35 von 70 Und: Ihr wird ein gutes Verhältnis zur Kanzlerin nachgesagt.Bild 36 von 70 Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU): Jung muss neben Wirtschaftsminister Glos die meiste Kritik für sein teilweise unglückliches Auftreten in der Öffentlichkeit einstecken.Bild 37 von 70 Im Kabinett muss er jedoch auch ein großes Arbeitspensum bewältigen. Neu im Amt, muss er den Kongo-Einsatz der Bundeswehr stemmen. Und nur wenige Wochen später steht der bewaffnete Einsatz der Bundeswehr im Libanon vor der Tür.Bild 38 von 70 Dazu kommen das Weißbuch, die Totenschädel-Affäre und immer wieder verbale Querschläger seines Vorgängers Peter Struck.Bild 39 von 70 Zu Gute gehalten werden ihm die schwierigen Startbedingungen und sein Fleiß.Bild 40 von 70 Jung gilt als Vertreter des einstigen Merkel-Widersachers Koch im Kabinett - und damit als so gut wie unkündbar.Bild 41 von 70 Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU): Die siebenfache Mutter steht für die Einführung des Elterngeldes zum Jahreswechsel. Aus Sicht der Kanzlerin eine der wichtigsten Weichenstellungen, die der Koalition gelungen ist.Bild 42 von 70 Tatsächlich wird das Elterngeld die Legislaturperiode überdauern. Von der Leyen hat in der Debatte um die neue einkommensabhängige Förderung vor allem mit Widerstand aus der CSU zu kämpfen.Bild 43 von 70 Die mit dem Elterngeld beabsichtigte stärkere Einbeziehung der Väter in die Kinderbetreuung ist vielen Unionspolitikern ein Dorn im Auge.Bild 44 von 70 Die enge Vertraute der Kanzlerin sorgt aber schließlich dafür, dass hier in der Union ein Umdenken einsetzt.Bild 45 von 70 Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD): Leipzigs ehemaliger Bürgermeister hat mit dem Bahn-Börsengang ein besonders kompliziertes Vorhaben der Koalition umzusetzen. Obwohl das Projekt schon kurz vor dem Scheitern steht, erreicht Tiefensee mit Kanzleramt und Fraktionen einen Kompromiss.Bild 46 von 70 Als Erfolg kann er das milliardenschwere Gebäudesanierungsprogramm verbuchen, das nochmal aufgestockt wird.Bild 47 von 70 Es schafft Arbeitsplätze - gerade in der mittelständischen Baubranche.Bild 48 von 70 Und so unterstützt Tiefensee auch Ostdeutschland, für das der Minister im Kabinett ebenfalls zuständig ist.Bild 49 von 70 Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU): Im ersten Jahr muss er sich vor allem als Krisenmanager bewähren. Auf den Gammelfleisch-Skandal und die Vogelgrippe reagiert er mit schärferen Gesetzen, Kontrollen und Auskunftsrechten.Bild 50 von 70 Im Kampf gegen die Vogelgrippe verhängt Seehofer zudem eine bundesweite Stallpflicht, was ihm nicht nur Lob einbringt.Bild 51 von 70 Als Agrarminister lehnt er - anders als seine Vorgängerin Künast von den Grünen - eine Vorrangstellung der Biolandwirtschaft gegenüber dem konventionellen Anbau ab.Bild 52 von 70 Der SPD gibt Seehofer oft Anlass für Reibereien - etwa beim Verbraucherinformationsgesetz, das inzwischen viele Experten für halbherzig halten.Bild 53 von 70 Aus der Gesundheits- und Rentenpolitik hält sich Seehofer trotz seiner Vergangenheit als Sozialexperte bis auf wenige Ausnahmen heraus. Allerdings gilt er als Favorit, sollte das Gesundheitsministerium neu besetzt werden.Bild 54 von 70 Bildungsministerin Annette Schavan (CDU): Obwohl Kanzlerin Merkel die Bereiche Forschung, Entwicklung und Bildung zu einem Schwerpunkt ihrer Amtszeit erklärt und ihre enge Vertraute Schavan damit betraut, bleibt die Ressortchefin bisher im Hintergrund.Bild 55 von 70 Die High-Tech-Strategie zur Förderung von Innovationen mit einem Volumen von 15 Milliarden Euro bringt sie nahezu geräuschlos auf den Weg.Bild 56 von 70 Und die Gefahr, im persönlichkeitsstarken Merkel-Kabinett zu verblassen, steigt weiter für Schavan.Bild 57 von 70 Im Zuge der Föderalismus-Reform werden ihre Kompetenzen nämlich massiv zu Gunsten der Bundesländer eingeschränkt.Bild 58 von 70 Justizministerin Brigitte Zypries (SPD): Zypries zeichnet sich im Kabinett selten durch laute Töne aus. Sie arbeitet lieber im Hintergrund und zieht von dort ihre Fäden.Bild 59 von 70 Eine der wenigen Ausnahmen ist das Antidiskriminierungsgesetz, das die Justizministerin führend verhandelt und das nach langem Ringen in entschärfter Form verabschiedet wird.Bild 60 von 70 Große Projekte der Rechtspflege werden ihr darüber hinaus nicht zugeschrieben.Bild 61 von 70 Ihren "Pragmatismus im Alltäglichen", wie unlängst eine Zeitung über sie titelt, stellt sie jedoch durch kleinere Gesetzesvorhaben unter Beweis. Das reicht vom Gesetz gegen das Stalking bis hin zum modernisierten Unterhaltsrecht.Bild 62 von 70 Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SDP): Sie soll für Kontinuität bei einem Herzensthema der Sozialdemokraten sorgen, deren linken Flügel sie vertritt.Bild 63 von 70 Mit einer traditionell pazifistisch-linken Position über den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah gerät sie im Sommer in die Schlagzeilen, als sie entgegen der Koalitionslinie von Israel ein bedingungsloses Ende der Angriffe fordert.Bild 64 von 70 Diese Position und die Kritik am Einsatz von Streubomben bringen ihr heftige Reaktionen ein.Bild 65 von 70 Unter anderem fordert der Zentralrat der Juden ihren Rücktritt. Diese Krise jedoch scheint ausgestanden.Bild 66 von 70 Chef des Bundeskanzleramtes und Minister für besondere Aufgaben Thomas de Maizière (CDU): Traditionell zieht der "Kanzleramtsminister" die Fäden im Hintergrund - bisher ohne große Reibungsverluste. De Maizière gilt als loyal gegenüber Merkel, ein wichtiges Merkmal des Amtes.Bild 67 von 70 De Maizière koordiniert übergreifend die Arbeit der Ministerien. Er sei eine Mischung aus Erstem Offizier, Chef des Stabes, Lotse, Mediator, Sanitäter, Blitzableiter und Protokollchef, so der ehemalige sächsische Justiz- und Innenminister.Bild 68 von 70 Gleichzeitig ist de Maizière der Bundesnachrichtendienst unterstellt. In diesem Zusammenhang koordiniert er auch die Zusammenarbeit der drei Nachrichtendienste des Bundes.Bild 69 von 70 Und: Bei de Maizière liegt die Politik in der Familie. Sein Cousin Lothar war der letzte Ministerpräsident der DDR.Bild 70 von 70