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Der Wahlsieg war historisch: Barack Obama ist der erste Schwarze im Weißen Haus,
... sein Wahlkampf mobilisierte fast eine ganze Generation.
Als der Sieg feststand, brachen seine Anhänger in Jubel ...
... und Tränen aus.
Historisch sind auch die Erwartungen an ihn: Er soll die größte Wirtschaftskrise seit 80 Jahren beenden, ...
... für Frieden in Afghanistan und im Irak sorgen ...
... und den Klimawandel stoppen - ...
... und das sind nur die wichtigsten Aufgaben.
Alle Probleme wird Obama natürlich nicht lösen können. Eines hat er schon getan:
Er hat die USA von der Last von acht Jahren George W. Bush und Richard Cheney befreit.
Er steht für die Vision eines "besseren Amerika".
Schon in seiner Autobiografie "Dreams From My Father" schreibt Obama, dass er vielen Menschen als "Projektionsfläche" für eigene politische Träume diene.
Kein Wunder: Sein Leben wirkt wie ein amerikanisches Märchen.
1961 kommt Obama in Honolulu zur Welt, seine Eltern hatten sich am East-West-Center der Universität von Hawaii kennengelernt, ...
... wo sowohl sein aus Kenia stammender Vater als auch seine amerikanische Mutter studierten.
Obama ist stolz auf seine afrikanischen Wurzeln. Natürlich reist Großmutter Sarah Obama zur Amtseinführung nach Washington.
Die Ehe der Eltern ist nicht von Dauer.
Der Vater verlässt die Familie. Sie sehen sich nur noch einmal wieder, als Obama zehn Jahre alt ist. Obama senior stirbt 1982 bei einem Autounfall in Kenia.
Nach der Scheidung 1963 geht die Mutter mit Barack nach Jakarta. Sie hat inzwischen einen Indonesier geheiratet.
Vier Jahre lang geht Obama hier zur Schule - unter anderem auf eine islamische Schule, was im US-Wahlkampf für Aufregung sorgen wird.
Ab 1971 lebt Obama wieder auf Hawaii, ...
... wo er bei den Eltern seiner Mutter aufwächst.
Seine Großmutter stirbt nur wenige Tage vor der Wahl. Obama unterbricht seinen Wahlkampf, um an ihr Krankenbett zu eilen.
Nach dem High-School-Abschluss 1979, ...
... den er mit Auszeichnung ablegt, ...
... studiert Obama Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt internationale Beziehungen. 1983 macht er seinen Abschluss.
Zunächst geht er den Weg eines aufstrebenden Jung-Akademikers und arbeitet für ein Wirtschaftsberatungsunternehmen, ...
... dann aber wechselt er zu einer gemeinnützigen Organisation in Chicago, die Einwohnern armer Viertel hilft.
Doch es zieht ihn zurück an die Uni.
1988 studiert er wieder, diesmal Jura an der Elite-Uni Harvard.
1990 wird er als erster Schwarzer zum Präsidenten der renommierten Fachzeitschrift "Harvard Law Review" gewählt - ein perfektes Sprungbrett für eine Karriere als Anwalt. Doch Obama geht einen anderen Weg.
Er schreibt sein erstes Buch (das zunächst mäßig erfolgreich ist) und kehrt 1992 nach Chicago zurück, wo er bis zum Einzug ins Weiße Haus lebt. Ab 1993 arbeitet er in einer auf Bürgerrechte spezialisierten Anwaltskanzlei.
Außerdem lehrt er bis zu seiner Wahl in den US-Senat 2004 Verfassungsrecht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der University of Chicago.
Anfang der 90er Jahre beginnt auch seine politische Aktivität; er organisiert eine Kampagne, um schwarze Wähler zu registrieren und zu mobilisieren.
1996 wird er selbst in den Senat des Staates Illinois gewählt.
Im Jahr 2000 unternimmt er einen Versuch, ins US-Repräsentantenhaus gewählt zu werden, scheitert jedoch - rückblickend ein Glück, ...
... denn 2004 kann er so in Illinois für den US-Senat kandidieren.
All diese Schritte mögen nur politischen Insidern aufgefallen sein, doch im Juli 2004 tritt Obama erstmals ins nationale Rampenlicht. Er steht gerade im Wahlkampf um den Senatorenposten ...
... und hält als vielversprechendes Talent auf dem Kongress der Demokraten vor der Präsidentschaftswahl die Grundsatzrede.
Er erinnert daran, wie seine eigene Familie dem amerikanischen Traum gefolgt ist und er kritisiert den Krieg im Irak, den er schon ablehnte, als andere Demokraten noch dafür waren.
Mit seinem Aufruf, "Hoffnung zu wagen", reißt er das Parteivolk mit. Sein Slogan beschwört die Einheit: "Es gibt kein liberales Amerika und kein konservatives Amerika. Es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika."
Den Sprung aus dem Senat in Springfield - der Hauptstadt von Illinois - in den Senat von Washington gelingt ihm mit 70 Prozent der Stimmen. Er ist der einzige Afroamerikaner in der kleineren Kongresskammer und erst der fünfte schwarze US-Senator in der Geschichte der USA.
Bereits in den Jahren 2005 und 2006 initiiert Senator Obama zahlreiche Entwürfe und Beschlüsse.
In seinem ersten eigenen Gesetzentwurf geht es um mehr Geld für einkommensschwache Collegestudenten - das Gesetz kommt nicht zu Stande. Zudem legt er einen Plan für einen phasenweisen Abzug aus dem Irak vor.
Am 10. Februar 2007 verkündet er am selben Ort, an dem Abraham Lincoln seine berühmte "House Divided"-Rede gegen die Sklaverei gehalten hatte ("A house divided against itself cannot stand"), in Springfield, seine Präsidentschaftskandidatur.
Einen solchen Schritt hatte der Professor für Rechtswissenschaft lange mit Verweis auf seine begrenzte politische Erfahrung ausgeschlossen.
Der zweifache Vater fürchtete auch eine zu große Belastung für seine Familie.
Doch nun steht der Senator aus Illinois für den ersehnten Wechsel in der Politik und für ein neues Amerika, dass die Agonie und Ablehnung der Bush-Jahre hinter sich lässt.
Obama entscheidet zunächst den innerparteilichen Kampf gegen Hillary Clinton für sich und startet dann seinen beispiellosen Marsch ins Weiße Haus.
Zu Zehntausenden kommen die Menschen in Hallen und Stadien zusammen, um seine Botschaften zu hören: "Change" und "Yes We Can."
Obama ist ein eindrucksvoller Mann. Sein Biograf Christoph von Marschall im Januar 2008 bei n-tv.de: "Er sieht gut aus, hochgewachsen, schlank, sportlich, er hat ein anziehendes Lächeln, er kann gut Kontakt zu Menschen aufbauen, er ist ein guter Redner. ...
... Viele haben regelrecht einen Glanz in den Augen, wenn sie ihn erlebt haben, es hat fast etwas Religiöses."
Immer wieder wird er mit dem von 1961 bis 1963 amtierenden Präsidenten John F. Kennedy verglichen, als der "schwarze Kennedy" oder "JFK in Schwarz" wird er zu Beginn seiner Kandidatur bezeichnet, ....
... doch selbst dieser Ritterschlag ist irgendwann nicht mehr genug. Er vereine "Jacks vorausweisende ironische Coolness" mit "Bobbys ernstem, inspirierenden Eifer", schreibt der "New Yorker".
Schon im Vorwahlkampf sagt Ted Kennedy Obama seine Unterstützung zu.
Er sehe in Obama einen "Hoffnungsträger und Visionär", genau das, was das Land brauche. Obama mache die Hoffnung für alle lebendig, "die noch an den amerikanischen Traum glauben".
Die Superlative reichen Obamas Anhängern kaum aus, um auszudrücken, was sie in ihm sehen und von ihm erhoffen.
Aus dem "frischen Gesicht", dem "schimmernden Stern am demokratischen Himmel" wird ein "politischer Rockstar", der den Amerikanern den Glauben an sich selbst zurückgibt ...
... und selbst im fernen Berlin die Massen begeistert.
Im Wahlkampf hat er vor allem mit zwei Problemen zu kämpfen: mit seiner Hautfarbe und seiner Unerfahrenheit.
Den Vorwurf der Unerfahrenheit kontert er mit dem Verweis auf den Irak-Krieg, den er schon abgelehnt hatte, als Hillary Clinton noch dafür stimmte. Wichtiger als Erfahrung sei Urteilskraft, so Obamas Botschaft.
Die Reise nach Berlin zeigt, wie Obama mit Defiziten umgeht: offensiv. International ist er ein unbeschriebenes Blatt. Dieser Kritik tritt er mit einer siebentägigen Tour durch acht Staaten entgegen, ...
... die ihn unter anderem nach Afghanistan, in den Irak (Bild) und eben nach Deutschland führt.
Mit der Ernennung von Joe Biden zu seinem "running mate", seinem Vizepräsidentschaftskandidaten, holt er zudem einen außenpolitisch erfahrenen Politfuchs an seine Seite.
Weniger leicht zu steuern ist das Problem der Hautfarbe. Zunächst ist er den Weißen zu schwarz, ...
... dann den Schwarzen zu weiß, ...
... am Ende ist selbst George W. Bush stolz darauf, dass ein African American ins Weiße Haus einzieht.
Kein Problem sind die Finanzen. Seine Wahlkampfspenden brechen alle Rekorde. Mehr als 650 Millionen Dollar gehen auf Obamas Konten ein.
Nicht zuletzt um die Beschränkungen für Spenden zu umgehen, verzichtet Obama schließlich vollständig auf öffentliche Gelder. Ob Groß- oder Klein-Spender, am Ende überzeugt Obama alle.
Hollywoods Reiche und Wichtige lieben Obama von Anfang an, zu seinen Unterstützern zählen George Clooney, Cindy Crawford, Robert de Niro, Sydney Poitier, Stevie Wonder ...
... und nicht zuletzt Oprah Winfrey.
Der Musiker will.i.am macht aus einer Rede, die Obama nach seiner Niederlage bei der Vorwahl in New Hampshire hielt, ein Video, das zu einer Art Hymne der Obama-Anhänger wurde.
Auch seine kenianische Familie wird zunehmend wahlkampftauglich: Oma Obama liefert von Kenia aus charmante Beiträge über ihren berühmten Enkel, ...
... eine Schule ist dort nach ihm benannt.
Seine Frau Michelle, einst während eines Praktikums seine Vorgesetzte, ...
... schafft den Spagat zwischen einer modernen berufstätigen klugen Frau ...
... und der Frau an seiner Seite und Mutter seiner Kinder.
Auch die Töchter Malia und Sasha treten gelegentlich mit im Wahlkampf auf, ihre Zukunft und damit die Aussichten für eine ganze Generation sind immer wieder Thema in Obamas Reden.
Bei aller Obama-Euphorie zügeln die Demokraten allzu offene Siegesgewissheit. John McCain hat zwar einen schwachen Start, erweist sich aber als gefährlicher Gegner.
Unmittelbar vor dem Nominierungsparteitag der Demokraten holt McCain in den Umfragen auf. Dabei hilft ihm wohl auch der Krieg in Georgien.
McCains Strategen versuchen, Obamas Stärken in Schwächen umzudeuten: McCain porträtiert Obama als Leichtgewicht mit Starallüren und macht sich über dessen Rhetoriktalent und die Begeisterung der Obama-Fans lustig.
Doch in keinem der Rededuelle kann McCain dem charismatischen Obama ernsthaft Paroli bieten.
Und mit jedem Tag, den die USA tiefer in die Immobilien- und Finanzkrise rutschen, wächst der Wunsch der Menschen nach einer neuen Politik.
Anders als McCain fordert Obama eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte und ein Konjunkturpaket für die US-Wirtschaft.
Und er kündigt Steuererleichterungen für Familien an. Ihm trauen die Amerikaner mehr Wirtschaftskompetenz zu als seinem republikanischen Konkurrenten.
Schwierig ist es für Obama, die enttäuschten Clinton-Anhänger auf seine Seite zu ziehen. Hier erweist sich die frühere Kontrahentin als loyale Unterstützerin.
"Ich bin zum Symbol für die Möglichkeit geworden, dass Amerika zu seinen besten Traditionen zurückfindet", sagt Obama selbstbewusst.
In nur acht Jahren hat Barack Obama den Weg vom Lokalpolitiker in Illinois zum ersten schwarzen Präsidenten der Weltmacht USA zurückgelegt.
Jetzt muss er zeigen, wie viele Hoffnungen er erfüllen kann. (Text: Solveig Bach und Hubertus Volmer)
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