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Bilderserie: Auf den Spuren eines Phänomens: 104 Jahre Johannes Heesters

 
Johannes Heesters fühlt sich nach wie vor "in Form". Von Ruhestand oder gar Müdigkeit will er nichts wissen, im Gegenteil.

Johannes Heesters fühlt sich nach wie vor "in Form". Von Ruhestand oder gar Müdigkeit will er nichts wissen, im Gegenteil.

"Am 5. Dezember bin ich nun 104 Jahre alt. Ich fühle mich aber nur wie 100 und ich hoffe, es kommen noch ein paar Jahre dazu, vielleicht werde ich 110 Jahre jung", meint er schmunzelnd.

Jetzt wird aber erst einmal gefeiert, wenn der älteste aktive Schauspieler der Welt, dessen Paraderolle der Graf Danilo aus der «Lustigen Witwe» («meine Lebensgefährtin») wurde, am 5. Dezember in sein 105. Lebensjahr eintritt.

An seinem Geburtstag steht der Unermüdliche natürlich wieder auf der Bühne: ...

... Im Berliner Admiralspalast, der Stätte seiner großen Operettenerfolge der Vorkriegszeit, wird an diesem Abend sicher nicht nur "Happy Birthday!" gesungen.

Bereits vor zwei Jahren haben wir "Jopi" ja ein Denkmal gesetzt, zu seinem 102. Geburtstag.

Johannes Heesters steht noch immer auf der Bühne. Mit 102 Jahren bekommt er seine erste eigene Ausstellung, zu sehen in der Berliner Akademie der Künste. Vom 24. August bis 22. Oktober sind die Besucher "auf den Spuren eines Phänomens".

Geboren wurde der Künstler 1903 in den Niederlanden. Er begann seine Schauspielkarriere noch im Stummfilm und wurde gefeierter Operettentenor und Filmstar.

1997 wird er mit dem "Bambi" für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Sechs Jahre später folgt die "Goldene Kamera", 2003 der "Ehren-Bambi".

Bis heute singt er seine Evergreens wie "Man müsste Klavier spielen können" oder "Heut geh ich ins Maxim", die ihn in Deutschland in den 1930er Jahren berühmt gemacht haben.

Sie sind Zeugnis aus der wohl erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Zeit des Schauspielers.

Seine Karriere führte ihn von den Anfängen in den Niederlanden über Wien bis ins nationalsozialistische Deutschland.

Seinen kometenhaften Aufstieg verdankt er nicht zuletzt der Tatsache - ähnlich wie übrigens der NS-Bildhauer Arno Breker - dass jüdische Künstler 1935 mit einem Auftrittsverbot belegt und verfolgt wurden.

Ein großer Erfolg war 1936 der Film "Der Bettelstudent" an der Seite von Carola Höhn (l.).

Obwohl Heesters sich mit Sympathiebekundungen für das Regime zurückhielt, hat er sich während des Dritten Reichs nicht explizit vom Nationalsozialismus distanziert wie etwa Schauspielkollege Hans Albers.

Deutscher Staatsbürger und Mitglied der NSDAP wurde der Schauspieler, der 1939 mit Marika Rökk in "Hallo Janine!" zu sehen war, aber nicht.

Mit seiner Rolle als "Danilo" in Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe" - aus dem auch der Schlager "Heut' geh ich ins Maxim" stammt - avancierte er zu einem der Lieblingsschauspieler Hitlers.

Eigenen Angaben des Schauspielers zufolge konnte er sich nach den "Danilo"-Vorstellungen kaum dem Wunsch des Führers entziehen, ihn zu sehen.

Nicht nur sein Mitwirken in der nationalsozialistischen Unterhaltungskultur, die von Krieg und Zerstörung ablenken sollte, wie der Film mit Gabi Reismüller "Frech und verliebt", brachte Heesters nach dem Krieg heftige Kritik ein.

Äußerst umstritten ist auch sein Besuch auf Bitten der SS 1941 mit dem Gärtnerplatzensemble im KZ Dachau. Bis heute lässt sich nicht eindeutig klären, ob er SS-Angehörige dort unterhalten hat.

Besonders in den Niederlanden steht man dem deutschen Publikumsliebling distanziert gegenüber. Man betrachtet ihn als einen Kollaborateur, der während der Besatzungszeit in deutschen Diensten stand.

Als er 1964 in Richard Rodgers "The Sound of Music" am Carré-Theater in Amsterdam auftrat, wurde er in der Öffentlichkeit wegen seiner Karriere im Nazi-Deutschland scharf angegriffen. Das Stück wurde nach der Premiere abgesetzt. Es war Heesters letzter Auftritt in seinem geliebten Heimatland.

Die Ausstellung der Akademie der Künste zu Leben und Werk Johannes Heesters beschäftigt sich ausdrücklich mit dem Verhältnis Heesters zu Hitlerdeutschland.

Akademie-Leiter Klaus Staeck, der jüngst noch heftig gegen die Breker-Schau in Schwerin protestiert hat, betont, dass anders als Breker, der sich gegenüber der Kunst und einem humanen Menschenbild schuldig gemacht habe, ...

... Heesters' Rollenbild als eleganter Bonvivant und Frauenheld "das genaue Gegenteil des wehrhaft-deutschen Mannes der nationalsozialistischen Ideologie" darstellt. Er habe nie an Propaganda-Filmen teilgenommen.

Unangefochten bleibt aber, dass Heesters' Wirken Teil der nationalsozialistischen Unterhaltungskultur war.

In diesem Kontext muss wohl auch Heesters' eigene Aussage betrachtet werden, dass er sich zweifellos in Gefahr gebracht hätte, wenn er nicht freundlich Smalltalk betrieben hätte.

Dennoch sind die Grenzen zwischen persönlicher Distanzierung und Anbiederung an dieses Regime nicht klar zu erkennen. Heesters steht jedoch nicht allein da: Auch andere Künstler hatten und haben mit dem Thema ihre Probleme.

Mit Spannung wurde seine Ausstellung erwartet, die an die aktuelle Diskussion zur Rolle des Künstlers in der NS- und Nachkriegszeit anknüpft. Das meiste Material stammt aus Heesters Privatarchiv, das er 2004 zusammen mit seiner Frau Simone Rethel der Akademie übergeben hatte.

Jetzt wird Heesters aber wieder gefeiert: Zu seinem 104. die herzlichstenGlückwünsche und wie er es mit seinen eigenen Worten sagt: "Manchmal denkt man schon, na, man hat doch was erreicht im Leben." (Foto. ap/ dpa)

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