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Über den Beginn eines Krieges gibt es immer mindestens zwei Versionen.
Nach den Worten des georgischen Präsidenten Saakaschwili begann der Krieg um Südossetien so: Am 6. oder 7. August habe er "etwas Übles gerochen", sagte er der "Rhein-Zeitung".
Er habe versucht, mit der russischen Seite zu reden, aber keine Antwort bekommen. Danach habe er sich an NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer (Bild) und an mehrere europäische Staatschefs gewandt.
Als er plötzlich die Information erhalten habe, dass russische Schützenpanzer durch den Roki-Tunnel unterwegs seien, der Süd- und Nordossetien verbindet, habe er nur eine Möglichkeit gesehen, den Konvoi zu stoppen, nämlich durch Artilleriefeuer.
Die russische Version ist einfacher: Sie reagierten auf den georgischen Beschuss. Rund 90 Prozent der Südosseten haben die russische Staatsbürgerschaft. "Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen", sagt Präsident Medwedew am 8. August.
Der Konflikt zwischen Georgien und Russland hatte sich bereits seit Wochen zugespitzt. Dabei ging es nicht nur um Südossetien, sondern auch um Abchasien. Beide Gebiete gehören völkerrechtlich zu Georgien, streben aber Autonomie an. Russland unterstützt sie darin.
Russland hat seit Anfang der neunziger Jahre Friedenstruppen in Südossetien und Abchasien (Bild). Beiden Friedensmissionen hat Georgien zugestimmt.
In Südossetien hat auch Georgien - ein enger Verbündeter der USA mit starken NATO-Ambitionen - Friedenssoldaten. Faktisch ist Südossetien damit zwischen Georgien und Russland geteilt; strittig ist allerdings der Verlauf der Grenze.
Ab 2004 kommt es in Südossetien vermehrt zu Spannungen. Ein Waffenstillstand wird ausgehandelt, der jedoch immer wieder gebrochen wird.
Auch der Konflikt zwischen Abchasien und Georgien bricht immer wieder auf. Hier ist lediglich das kleine Kodori-Tal an der nordöstlichen Grenze zu Georgien georgisch kontrolliert.
Anfang Mai 2008, als die Spannungen um den Status Abchasiens wieder einmal zunehmen, stockt Russland seine Truppen dort auf. Georgien protestiert.
Mitte Juni nimmt Georgien vier russische Soldaten nahe der Grenze zu Abchasien kurzzeitig fest. Die Regierung in Tiflis wirft ihnen vor, unterlaubterweise Lenkraketen transportiert zu haben. Russland spricht von einer "Medien-Provokation der georgischen Seite".
Georgien hofft auf die Hilfe des Westens. Es bleibe nicht mehr viel Zeit für "eine politische Maßnahme", mit der eine Annektierung Abchasiens und auch Südossetiens von Russland verhindert werden könne, sagt die georgische Außenministerin Tkeschelaschwili am 18. Juni in Brüssel.
Bei einem Besuch in Deutschland wirft Saakaschwili Russland vor, in Abchasien nach Öl bohren zu wollen. Dies sei inakzeptabel.
Am 29. und 30. Juni werden bei mehreren Bombenanschlägen in der abchasischen Hauptstadt Suchumi zwei Menschen verletzt. Abchasien macht Georgien für die Anschläge verantwortlich und schließt die Grenze zu Georgien.
Am 4. Juli werden bei Gefechten in Südossetien zwei Menschen getötet. Georgisches Militär habe Südossetien beschossen, erklärt die Führung in Zchinwali und beschließt die Mobilmachung seiner Truppen. (Bild: südossetische Freischärler)
Georgien erklärt, die eigenen Truppen seien zuerst beschossen worden. (Bild: georgische Soldaten)
In Abchasien sterben am 7. Juli vier Menschen bei einem Anschlag. Der abchasische Präsident Bagapsch (Bild) macht erneut Georgien verantwortlich. "Wir können nicht tatenlos zusehen, dass Georgien uns praktisch den Terrorkrieg erklärt hat", sagt Bagapsch.
Am 8. Juli schreiben russische Medien, Georgien und Südossetien bereiteten sich auf einen Militärkonflikt vor. Beide Seiten hätten begonnen, Kinder aus der Region in Sicherheit zu bringen. (Bild: georgischer Soldat)
"Westliche Experten in Moskau gingen bislang davon aus, dass Russland angesichts der 2014 in dem Schwarzmeerkurort Sotschi (Bild) geplanten Olympischen Spiele kein Interesse an einem Krieg in der Region habe", schreibt die Deutsche Presse-Agentur.
Am 10. Juli teilt ein russischer Militärsprecher mit, russische Einheiten trainierten im Nordkaukasus, im Ernstfall die Bevölkerung in Abchasien und Georgien zu schützen.
Am selben Tag dringen russische Kampfflugzeuge in den georgischen Luftraum ein (Bild vom 8. August). Das russische Außenministerium erklärt, man habe einen Angriff der georgischen Armee auf die abtrünnige Provinz Südossetien befürchtet.
Am 15. Juli beginnen rund 1000 US-Soldaten ein Manöver in Georgien. Die Übung "Immediate Response 2008" sei seit Monaten geplant gewesen, sagen US-Vertreter. Ein Zusammenhang mit den jüngsten russisch-georgischen Spannungen bestehe nicht.
Am 17. Juli reist Bundesaußenminister Steinmeier nach Georgien. Er ruft Abchasien und Georgien zum Dialog auf. Saakaschwili sagt, Steinmeiers Besuch zeige, "dass die Unterstützung Georgiens durch den Westen deutlich zunimmt".
Steinmeier besucht auch Abchasien. Die dortige Führung weist seinen Drei-Stufen-Plan brüsk zurück. Erst später erklärt Abchasien sich zu Gesprächen bereit, besteht allerdings auf einem "eigenen Zeitplan".
Am 1. August erklärt die südossetische Regierung, georgische Soldaten hätten drei südossetische Milizionäre und drei Zivilisten getötet und den Süden Zchinwalis angegriffen. Georgien erklärt, man habe das Feuer nur erwidert.
Am 3. August warnt das russische Außenministerium, die "Bedrohung militärischer Aktionen in großem Ausmaß zwischen Georgien und Südossetien wird immer realer". Georgien habe am Vortag und in der Nacht Militärmanöver nahe Zchinwali abgehalten.
Hunderte Südosseten fliehen nach Russland. Zudem bringen die südossetischen Behörden nach eigenen Angaben 2000 Kinder nach Russland. Die georgische Regierung bezeichnet diese Berichte als Propaganda.
Am 5. August vereinbaren Vertreter Georgiens und Südossetiens einer georgischen Regierungssprecherin zufolge erstmals seit Monaten direkte Gespräche. Das Treffen soll am 7. August in Zchinwali stattfinden.
Am 6. August erklärt Russland, georgische Militärflugzeuge seien in der Nacht über Südossetien geflogen. Dies stelle eine grobe Verletzung bestehender Vereinbarungen dar. Georgien erklärt, dies sei "eine weitere Lüge von vielen".
Südossetien wirft Georgien den Dauerbeschuss seiner Siedlungen vor, Georgien seinerseits erklärt, Südossetien habe auf georgische Dörfer geschossen (Das Bild zeigt angebliche Folgen südossetischen Feuers). Südossetien erklärt, es werde keine Gespräche mit Georgien geben.
Am 7. August werden erneut schwere Feuergefechte aus Südossetien gemeldet. Zwei georgische Soldaten werden getötet. Südossetien zufolge gibt es Aktivitäten georgischer Truppen an seiner Grenze. (Bild: Südossetiens Präsident Kokojty)
Saakaschwili befiehlt seinen Truppen den Waffenstillstand. Es falle ihm schwer, aber er habe entsprechende Order erlassen, sagt der georgische Präsident in einer Fernsehansprache. "Keiner sollte uns als Aggressor hinstellen", sagt er.
Der Chef der russischen Friedenstruppen bestätigt die Feuerpause. Kurz danach bestreitet der Chef des georgischen Sicherheitsrates, Lomaia, dass es einen Waffenstillstand gibt. Man habe "leider gar keinen Kontakt mit den Abtrünnigen", sagt Lomaia.
Wenige Stunden später kommt es erneut zu heftigen Gefechten. Die Separatisten (Bild) hätten in der Nacht zum 8. August die Bombardierung georgischer Dörfer fortgesetzt, sagt ein ranghoher georgischer Offizier laut Interfax.
Daher sehe sich Georgien gezwungen, die "verfassungsrechtliche Ordnung wiederherzustellen". In derselben Nacht startet Georgien eine Offensive gegen Südossetien.
Georgische Truppen hätten Zchinwali umstellt, sagt der georgische Minister für Wiedereingliederung, Jakobaschwili. Der Konflikt hat die Ausmaße eines Krieges angenommen. (Alle Bilder: AP, rts, dpa)
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