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Dunkle Wolken hängen über der Autostadt Detroit. Die US-amerikanischen Konzerne kämpfen ums Überleben. Ohne Finanzspritzen vom Staat wären bei Chrysler und General Motors wohl schon vor Weihnachten die Tore geschlossen worden.
Der Grund ist die Absatzkrise auf dem US-Markt. Im vergangenen Jahr mussten die US-Hersteller zweistellige Rückgänge beim Verkauf hinnehmen. Ford verkaufte 21, GM 23 und Chrysler gar 31 Prozent weniger Autos.
Vorbei also die Zeit der großen Euphorie. Im letzten Jahr noch wurde zur Premiere des Dodge Ram eine ganze Rinderherde durch die Detroiter Innenstadt getrieben.
Zeichen einer verfehlten Modellpolitik, die sich bereits furchtbar rächt. GM-Chef Rick Wagoner musste mit den Bossen der anderen beiden großen Autobauern bereits zum Bittgang vor den US-Kongress.
Nach der Ablehung neuer Hilfsgelder in der ersten Runde half erst mal nur noch Beten. Kurz vor Weihnachten gab es dann doch noch eine "kleine" Geldspritze von 4,4 Milliarden US-Dollar. Doch Chrysler benötigt schon wieder neues Kapital.
Vor den Messehallen stehen denn auch die Arbeiter der Autokonzerne. Sie fürchten seit Wochen um ihre Jobs. Verständlicherweise hat sich da ein großer Frust aufgebaut. Sie können schließlich am wenigsten für die Krise, die ihre Bosse verursacht haben.
GM hat seine Belegschaft sogar eingeladen. Mit Plakaten fanden sich zum Auftakt rund 50 Arbeiter, teils bereits entlassene, vor den Hallen ein, bejubelten die GM-Modelle und protestierten gegen Lohnkürzungen und weiteren Stellenabbau.
GM-Chef Rick Wagoner spricht bei der Pressekonferenz des Konzerns den Mitarbeitern Mut zu. Gemeinsam mit ihnen will er um die Zukunft des einstmals größten Autobauers der Welt kämpfen.
Ein bisschen feiern ist aber doch noch. Der Ford F150 wurde zum "Truck of the Year" gekürt und darüber freuen sich Fords Vize-Präsident Mark Fields und Chef-Ingenieur Matt O'Leary.
Das Auto des Jahres kommt allerdings aus Korea. Der Hyundai Genesis hat die Trophäe gewonnen. Wohl auch ein Zeichen für das wachsende Preisbewusstsein in der Autobranche.
Ansonsten gibt man sich sehr elektrisch. Besonders bei GM. Nach dem Chevy Volt und dem Opel Hydrogen4 stellt GM-Vize Bob Lutz mit dem Cadillac Converj Concept eine weitere Studie eines Elektro-Autos vor.
Auch Kleinwagen mit günstigem Verbrauch sollen punkten. Die auserkorene Billigmarke Chevrolet bringt mit dem Kleinwagen Spark übernächstes Jahr einen Nachfolger für den Matiz auf den Markt.
Bei Ford hingegen läutet Chef Mulally gleich eine ganze Ära neuer Elektro-Fahrzeuge ein. Bereits in diesem Jahr sollen die Modelle Fusion und Milan mit Hybridantrieb auf den Markt kommen.
Und selbst bei Chrysler gibt es eine Elektrowelle, zumindest als Studie. Der Dodge Circuit wurde vom Lotus Exige abgeleitet und leistet an der Hinterachse 272 PS. Damit rennt er in weniger als fünf Sekunden von 0 auf 100 und fährt 200 km/h in der Spitze.
Aber es gibt auch noch Originale ohne Elektrofirlefanz an Bord. Einfach nur Power pur. Ford zeigt in Detroit den stärksten Mustang aller Zeiten. Der Shelby GT leistet 540 PS, hat 692 Newtonmeter Drehmoment und soll den Supersportler GT40 beerben.
Da lässt es sich mit dem Bentley Continental GTC Speed schon etwas gehobener brausen. Doch in Sachen Sportlichkeit muss er nicht zurückstehen. 610 PS kann der offene Brite vorweisen und fährt damit stolze 322 km/h.
Bei Jaguar stapelt man etwas tiefer und zeigt die Spitze des eigenen Motorenbaus in der sportlichen R-Reihe. Der XKR und der XFR feiern in Detroit Weltpremiere. Nichts weniger als die stärksten und effizientesten Triebwerke sollen die V8-Motoren sein.
Audi zeigt in den USA erstmals die Zehnzylinder-Version des R8. Der 5.2 FSI quattro will mit 525 PS und 316 km/h Spitze nichts weniger als die Pole Position unter den Sportwagen.
In dieser Klasse gibt es natürlich Konkurrenz, vor allem aus Italien. Lamborghini zeigt auf der Show seinen neuen Spyder. Der von Präsident Winkelmann vorgestellte Gallardo mit 560 PS spielt allerdings noch eine Klasse höher. Er zählt zu den Supersportwagen.
In dieser Liga spielt sicher auch der McLaren SLR Stirling Moss. Das Sondermodell zum Ende der McLaren-Baureihe ist ein Speedster in Reinkultur und wurde dem berühmten Rennfahrer aus den 50er Jahren gewidmet. Von dem Auto wird es nur 75 Exemplare geben.
Anders BMW. Der neue Z4 will kein Supersportwagen sein, sondern eher der bezahlbare blauweiße Traum. Mit versenkbarem Hardtop und einem hochdynamischen Drei-Liter-Benziner mit 265 PS soll er die Käufer begeistern. Der neue Z4 wird in Regensburg gebaut.
Begeisterung gibt es auch für das Mini Cabriolet. Schon die ersten Bilder stießen auf reges Interesse. Kein Wunder, denn der Mini ist durch seinen hippen Stil und die kleinen Abmessungen "in". Zudem fährt er auch seit kurzem elektrisch.
Auch er bekommt ein Stoffdach, das sich in 15 Sekunden hinter den beiden Rücksitzen versteckt. Bereits im März soll das Mini Cabrio zu den Händlern rollen.
Das wird bei diesem Volkswagen noch wesentlich länger dauern. Der Concept Bluesport soll eher zeigen, wie sich die Marke Sportlichkeit und offenes Fahren in Kombination mit Umweltfreundlichkeit vorstellt.
Wesentlich langweiliger, aber dafür sehr real ist der Buick LaCrosse. Die Luxuslimousine will mit modernem Design und Allradantrieb überzeugen. Mit zwei kräftigen V6-Motoren will man dem Renterimage davonfahren.
Oben offen und geländetauglich: Der Kia Soulster zeigt sich mit hohem Freizeitwert. Die Studie ist eine Mischung aus Roadster und Kompakt-SUV.
Einen Ausblick auf einen möglichen A7 gibt Audi mit dem Sportback Concept. Das viertürige Coupé zeichnet sich durch extravagante Linienführung aus und wird zunächst mit dem bekannten Drei-Liter-Turbodiesel angeboten.
Sie soll der künftige Umsatzträger werden: Vertriebschef Klaus Maier präsentiert die neue E-Klasse. Die Neuauflage des Modells für die automobile Oberklasse will mit zahlreichen Assistenzsystemen punkten und damit den Bogen zur S-Klasse spannen.
Gleich in drei Varianten fährt der Concept BlueZero vor. Mit der Studie will man bei Mercedes beweisen, dass der emissionsfreie Antrieb bereits alltagstauglich ist. Er wird in als reines Elektromobil, mit Brennstoffzelle und mit stromgenerierendem Verbrennungsmotor angeboten.
Mit dem Legacy Concept gibt Subaru einen Ausblick auf die künftige Generation des Mittelklasse-Modells aus Japan. Angetrieben wird das Auto von einem 3,6-Liter-Boxer-Motor, ganz in der Tradition der Japaner. Marktreif wird das Auto wohl im kommenden Jahr.
Ganz neu ist auch Toyota Prius. Das Öko-Flaggschiff ist mit dem Facelift etwas augenfälliger geworden. Im Innern werkeln ein 98 PS Benziner und ein Elektromotor. Damit soll ein Durchschnittsverbauch von 4,7 Litern drin sein.
Eher eine Kuriosität am Rande: Der Ein-Personen-Wagen von Myers wird voll elektrisch betrieben. Immerhin zeigt er, wo die Reise in der Autobranche hingeht: Kleiner, sparsamer und möglichst mit Strom.
Ähnliche Fähigkeiten wies auch schon das legendäre T-Modell von Ford auf, dass die Massenproduktion von Automobilen weltweit einläutete. Solch glorreiche Zeiten dürften in Detroit so schnell nicht wieder kommen. Doch davon träumen darf man in "Motor City" schon.
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