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Die Hoffnung starb zuletzt: Die Dax-Prognosen 2008

 
Der Blick in die Zukunft beschäftigt die Menschheit seit Anbeginn.

Der Blick in die Zukunft beschäftigt die Menschheit seit Anbeginn.

Wäre es manchmal nicht herrlich, zu wissen, was die Zukunft bringt?

Sagen wir: welche Lottozahlen am Samstag gezogen werden?

Ein Blick in die Karten oder die Glaskugel und schwupp ?

? finden wir uns umgeben von Reichtümern wieder.

Prognosen sind vor allem dort beliebt, wo ein gewisser Wissensvorsprung bare Münze bringt. Zum Beispiel an der Börse.

Wobei die Börsen-Experten hier natürlich kein Voodoo betreiben, ?

? sondern ihre Aussagen auf fundamentale oder charttechnische Analysen, also hochwissenschaftliche Werkzeuge, stützen.

Aber die Welt der Wirtschaft ist widerspenstig und will sich manchmal einfach nicht in die Modelle pressen lassen.

Das bekamen die Analysten besonders in diesem Jahr zu spüren, als sich die Dax-Prognosen eine nach der anderen in Rauch auflösten.

Häme liegt uns natürlich fern, wir trauern mit um die verpassten Möglichkeiten und zeigen hier noch mal die schönsten Prognosen.

Wie war die Börsen-Welt schön zum Jahreswechsel 2007/ 2008. Der Dax stand bei 8.067 Punkten und alles schien möglich.

Die Pessimisten und Spielverderber unter den Analysten (besonders Morgan Stanley) sahen unser Börsenbarometer nur bei 7.700 Zählern zum Jahresende 2008.

Die Optimisten rechneten mit bis zu 10.250 Punkten (WGZ Bank).

Die kleinen, dunklen Wolken am Börsenhimmel wurden durchaus gesehen und benannt: schwächeres Wirtschaftswachstum in den USA, ...

... die dortigen Probleme auf dem Häusermarkt, der hohe Ölpreis.

Aber die Zinssenkungen der US-Notenbank und die robuste Weltwirtschaft würden dies wieder ausgleichen, beruhigte etwa die Deutsche Bank.

"Die Weltwirtschaft ist besser denn je gegen einen Finanzmarktschock gewappnet", erklärte auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank.

Ende Januar 2008 gerieten die ersten Prognosen ins Rutschen. Die Angst vor einer US-Rezession und deren Folgen drückten den Dax in Rekordzeit um mehr als 20 Prozent auf rund 6.500 Punkte.

Aber auch wenn vom US-Hypothekenmarkt beinahe täglich neue Hiobsbotschaften eintrudelten, bewahrten die Analysten Ruhe.

"Dass die Stimmung so schlecht ist, heißt nur, dass es nun nicht mehr viele gibt, die verkaufen können", sagte Postbank-Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein am 23. Januar gegenüber dem "Spiegel". Er tippte weiterhin auf einen Dax-Stand von 9.000 Punkten zum Jahresende.

Mitte März, nachdem die US-Investmentbank Bear Stearns mit Liquiditätsspritzen gerettet werden musste und bevor die desolate Lage bei Lehman Bros bekannt wurde, setzte eine Bank nach der anderen den Rotstift bei ihren Dax-Prognosen an.

Die Deutsche Bank senkte ihr Kursziel für das Jahresende von 9.000 auf 8.300 Punkte, die DZ-Bank traute dem Index nur noch 7.600 Punkte zum Jahresschluss zu.

Eine Trendwende wollte jedoch noch niemand ausrufen: Mittelfristig gebe es durchaus Grund zur Zuversicht, versicherten sich die Analysten gegenseitig. Denn immerhin seien die deutschen Aktien günstig bewertet.

Mitte Juli fiel der Dax dann unter die Marke von 6.000 Zählern. Ein kurzfristiges Abtauchen, erklärten die Experten.

"Es könnte bis auf 5.500 Punkte runtergehen", sagte Jörg Rahn, Volkswirt von M.M. Warburg der "Süddeutschen Zeitung". "Wir halten aber an der Prognose fest, dass der Dax zum Jahresende bei 6.500 Punkten notieren wird."

Im Oktober schließlich kassierte die Analystengemeinde fast komplett ihre Prognosen. Genaue Indexstände traute sich kaum noch einer zu nennen, auch wenn das Rettungspaket der Bundesregierung hier und da Hoffnung aufglimmen ließ.

"Der Dax wird zum Jahresende höher stehen als im Moment, eine Punktprognose möchte ich im aktuellen Umfeld aber nicht abgeben", sagte Christoph Berger, Portfoliomanager bei Cominvest, der "FTD".

Im November schließlich wurden die Hoffnungen auf eine Jahresendrally den Bedingungen angepasst. "Offiziell sieht die Landesbank Baden-Württemberg den Dax am Jahresende ...

... bei 5.000 Punkten", erklärte LBBW-Analyst Steffen Neumann gegenüber Telebörse.de. Wenn man so wolle, sei dies doch auch eine kleine Rally, so der Analyst. Und tippte auf eine Wende im ersten Quartal 2009.

Das tröstet doch, wenn man sich den Dax-Chart des Jahres noch mal anschaut - im nächsten Jahr wird alles besser.

Daher unken wir jetzt nicht herum, dass auch diese Prognose daneben liegen könnte, sondern schließen auf Wunsch einer Kollegin ?

? mit einem Zitat von Herbert Grönemeyer: Der Mensch heißt Mensch - Weil er vergisst, weil er verdrängt - Und weil er schwärmt und glaubt - sich anlehnt und vertraut.

In diesem Sinne: Frohes neues Börsenjahr! (Text: Samira Lazarovic, Bilder: Reuters, dpa)

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