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Bilderserie: Die Flüchtlingskatastrophe von Darfur

 
Zum Weltflüchtlingstag schlägt das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge Alarm.

Zum Weltflüchtlingstag schlägt das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge Alarm.

Fast zehn Millionen Menschen waren im Jahr 2006 auf der Flucht - rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nicht eingerechnet sind hier die so genannten Binnenvertriebenen - Flüchtlinge im eigenen Land.

Allein in Afrika gibt es davon rund 13 Millionen. Besonders katastrophal ist die Lage in der westsudanesischen Region Darfur.

Rund zweieinhalb Millionen Menschen sind hier auf der Flucht, ...

... mehr als 200.000 wurden in den vergangenen drei Jahren ermordet.

Seit 2003 vertreiben zumeist arabischstämmige Reitermilizen ethnische Gruppen afrikanischer Herkunft in Darfur.

Die sogenannten Dschandschawid fallen über die Dörfer her, zünden Häuser an, ...

... morden und vergewaltigen.

Unterstützung erhalten sie dabei von der zumeist arabisch-stämmigen Zentralregierung in Khartum.

Seit dem Frühjahr 2006 hat sich die Lage in Darfur weiter drastisch verschlechtert, ...

... und der Konflikt greift zunehmend auch auf das Nachbarland Tschad über.

Immer wieder greifen hier die Reitermilizen Dörfer an.

Die Regierung im Tschad rief bereits den Notstand aus.

Der UN-Hilfskoordinator Jan Egeland spricht von einer erschreckenden Eskalation der Gewalt.

"Übergriffe sind an der Tagesordnung", so Egeland.

Immer mehr bewaffnete Milizen seien in den Flüchtlingslagern präsent, ...

... Kinder würden zum Waffendienst missbraucht.

"Es gibt einfach keinen Schutz für unschuldige Zivilisten, ...

.... die immer und immer wieder gewalttätig angegriffen wurden", stellt Egeland nach einer Reise durch die Krisenregion fest.

Auch die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" zeichnet ein düsteres Bild der Lage in Darfur.

"Die zwei Millionen Vertriebenen sind völlig von externer Hilfe abhängig.

Die Camps, in denen sie hausen, können bis zu 100.000 Personen fassen ...

... und sind regelrechte Gefängnisse unter offenem Himmel", so der Projektleiter von "Ärzte ohne Grenzen" in West-Darfur, Jean-Sebastien Matte.

"Für Frauen ist das Verlassen des Lagerbereichs, etwa um Brennholz zum Kochen zu suchen, immer noch extrem gefährlich....

... Auch die Männer getrauen sich kaum hinaus, ...

... nicht einmal, um sich in ein Regierungskrankenhaus zu begeben, denn sie haben Angst, für Anhänger der einen oder anderen Rebellengruppe gehalten und verhaftet zu werden...

... Die Vertriebenen in Darfur befinden sich in einer unerträglichen Lage."

Mehr noch: Seitdem die sudanesische Regierung mit einer Fraktion einer Rebellengruppe, der Sudanesischen Befreiungsarmee unter Minni Arcua Minnawi im Frühling 2006 ein Friedensabkommen unterzeichnet hat, ....

... ist es zu verstärkten Unruhen gekommen.

Die Gruppen, die nicht unterzeichnet haben, bekämpfen sich nun untereinander - ....

... mit katastrophalen Folgen für die Bevölkerung und die Helfer.

"Wir werden immer mehr zum Ziel von Gewalttaten, ...

... sei es durch Tätlichkeiten, Diebstahl oder Überfälle", so Matte von "Ärzte ohne Grenzen".

Innerhalb weniger Monate wurden zwölf Mitarbeiter humanitärer Organisationen ermordet, ...

.... mehr als in den vorangegangenen zwei Jahren.

In manche Gegenden kommen die Hilfsorganisationen gar nicht mehr.

Die Regierung und Rebellengruppen verweigern ihnen den Zutritt.

Besonders betroffen ist die Zivilbevölkerung. Wegen der anhaltenden Kämpfe erhielten im Herbst 2006 auch rund eine viertel Millionen Menschen keine Lebensmittelhilfen der Vereinten Nationen.

Seit 2003 wurden Tausende sudanesischer Frauen und Mädchen vergewaltigt - ...

... mit traumatischen Folgen für sich und ihre Kinder.

Eine UN-Untersuchungskommission nannte die Misshandlungen in einem Bericht 2005 "Kriegsverbrechen" ...

... und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Auch die Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofes ergaben eine hohe Zahl von Massenvergewaltigungen und anderer Formen schwerwiegender geschlechtsspezifischer Gewalt.

Dennoch weigern sich die sudanesischen Behörden bis heute, ...

... Verdächtige zu verhaften und zu überstellen und Untersuchungen des Strafgerichtshofes in Darfur zu ermöglichen.

Vielmehr richtete Khartum einen nationalen Gerichtshof zur Aufklärung kriegsbedingter Verbrechen ein.

Das Rechtssystem im Sudan macht es allerdings Opfern sexueller Gewalt fast unmöglich, Gerechtigkeit zu erlangen:

So müssen Frauen, die Anzeige wegen Vergewaltigung stellen, ...

... ihre Aussage von vier männlichen Zeugen bestätigen lassen.

Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch, Amnesty International und die Gesellschaft für bedrohte Völker schlagen immer wieder Alarm.

Der sudanesischen Regierung werden systematische Massaker gegen die Bevölkerung im Westen vorgeworfen.

Human Rights Watch spricht sogar von systematischer Vernichtung im Sudan.

Am 30. Juli 2004 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1556.

Sie sieht den Einsatz militärischer Beobachter der Afrikanischen Union im Rahmen der African Union Mission in Sudan vor ...

... und fordert die UN-Mitgliedsländer zur Unterstützung der Mission auf.

Die Soldaten der AU sind jedoch schlecht ausgestattet, ...

... so dass sie viele der Gräueltaten nicht verhindern können.

Da das Mandat der AU-Truppen ursprünglich Ende September 2006 enden sollte und angesichts der wachsenden Gewalt verabschiedete der UN-Sicherheitsrat im August 2006 die Resolution 1706.

Diese sieht eine Entsendung von rund 20.000 UN-Soldaten und Polizei-Soldaten nach Darfur vor, falls der Sudan zustimmt.

Der Sudan machte jedoch schon im Vorfeld der Abstimmung klar, dass er einer Entsendung von UN-Truppen nicht zustimmen werde.

Auch nach der Abstimmung kam es zu Protesten.

Sudans Präsident Omar Hassan al Baschir nannte die Resolution "eine typische Kopie der (von den USA geführten) Koalitionstruppen im Irak."

Laut Baschir steckt hinter dem Plan, zehntausende UN-Soldaten in der Region zu stationieren, niemand anders als Amerika, der wahren Macht der Vereinten Nationen. Im Bild US-Präsident Georg W. Bush mit dem Rebellenführer Minni Minnawi.

"Und wenn sie erst Darfur unter Kontrolle haben, rücken sie weiter nach Khartum vor", so Baschir.

Sudan sei ein reiches Land und solle geplündert werden, ...

... ebenso wie zuvor Angola und der Kongo.

Der UN-Hilfskoordinator Egeland sieht dies anders. Eindringlich fordert er die Vereinten Nation auf, Maßnahmen gegen das Gemetzel zu ergreifen:

"Das ist die Stunde der Wahrheit für die internationale Staatengemeinschaft", so Egeland. "Die Zeit wird knapp".

Die Situation sei "katastrophal und kann noch sehr, sehr viel schlimmer werden."

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