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Wo ist das ganze Geld geblieben?: Eine Spurensuche

 
Finanzinstitute haben Milliardenbeträge VERBRANNT. Über 600 Mrd. Euro an Abschreibungen seit Beginn der Finanzkrise Mitte 2007, schätzt der IWF. Dieses Geld haben die Banken tatsächlich nicht mehr.

Finanzinstitute haben Milliardenbeträge VERBRANNT. Über 600 Mrd. Euro an Abschreibungen seit Beginn der Finanzkrise Mitte 2007, schätzt der IWF. Dieses Geld haben die Banken tatsächlich nicht mehr.

Und wer noch welches hat, der sitzt lieber drauf. Sicher ist sicher. Aber haben die Banken tatsächlich das gemacht, was regelmäßig suggeriert wird, nämlich Geld verbrannt, versenkt, vernichtet? Natürlich nicht.

Börsianer sagen: Das Geld ist nicht weg. Es hat nur jemand anderes. Denn jedem Gewinn eines Teilnehmers steht ein Verlust gegenüber. Wo ist das ganze Geld also geblieben? Wir gehen auf die Suche.

Fest steht, der Geldmarkt ist AUSGETROCKNET. Hier fließt das Geld nicht mehr, jedenfalls nicht mehr in dem Maße wie noch vor einem Jahr. Das leuchtet ein. Denn durch die Hitze des Feuers - um im Bild zu bleiben - ist viel verdampft, ist kondensiert ?

... und hat sich woanders niedergeschlagen. Die Banken? Die sind tatsächlich klamm. Schuld sind wilde Finanzprodukte auf Immobilienkredite. Die Banken haben sich auf gut deutsch VERZOCKT.

An den Finanzmärkten wird mit ILLUSION gearbeitet, auch mit virtuellem Geld und nicht nur mit REELLEM. Ein wesentlicher Aspekt an einer Bank ist, dass sie bei weitem nicht so viel Geld besitzt wie sie verleiht.

Der größte Teil des Geldes, mit dem eine Bank täglich zu tun hat, ist GEBORGT. Und zwar vom Sparer und seinem Sparkonto oder von einer anderen Bank oder der Zentralbank.

Auch die Handelspreise von Aktien an der Börse spiegeln kaum einen realistischen Wert wider. Werthaltigkeit wird vorgegaukelt.

Wenn eine BLASE platzt und Kurse um die Hälfte fallen, dann ist eigentlich kein Geld WEG. Im Sinne eines tatsächlichen WERTES war es nie da. Experten sprechen hier auch von GELDVERLUST-ILLUSION.

Gleichzeitig sind aber nach der Häuserkrise auch 500 Mrd. Dollar an Kapitalerhöhungen und gekürzten Dividenden wieder in die KASSEN geflossen. Also, auf dem Trockenen sitzt man dort noch nicht. Das will man auch nicht riskieren. Und hier liegt schon das eigentliche Problem.

Die Banken sind das Herz einer Marktwirtschaft. Pumpt es nicht genügend Blut, kommt der ganze Organismus zu Schaden. Das Herz droht stehen zu bleiben. Die Versorgung der Finanzwirtschaft mit Geld ist dem Stillstand nahe, weil die Banken sich misstrauen.

Keiner weiß, welche Bank morgen pleite ist. Um das Feuer zu löschen, haben sich die Staaten und ihre Notenbanken dazu durchgerungen, den Bankrott von Millionen Menschen und vielleicht den von ganzen Staaten dadurch zu verhindern, dass sie dem Markt ...

... LIQUIDITÄT in teils virtueller, teils realer Weise zukommen lassen. Alle sollen wieder FLÜSSIG sein. Die Märkte werden mit Geld GEFLUTET.

Ein Tsunami von Geld? Das könnte man meinen, wenn man von den Milliarden-Hilfspaketen für die Finanzmärkte liest. Richtige Care-Pakete. Alles umsonst? Mitnichten. Richtig ist, viele Staaten stellen den Not leidenden Banken Geld in Aussicht, wenn gar nichts mehr geht.

Für Deutschland bedeutet das, es stehen 400 Mrd. Euro an BÜRGSCHAFTEN für die Banken bereit, um Vertrauen am Markt zu schaffen und alle aus der so genannten KREDITKLEMME zu befreien.

Vorstellen darf man sich das wie eine SUPPENKÜCHE. Wer nichts mehr zu futtern hat, darf, gegen einen kleinen Obolus, Schlange stehen und bekommt seine tägliche Essensration zum Überleben. Wenn der Masterplan funktioniert, werden diese 400 Mrd. Euro ...

... gar nicht abgerufen und der ewige Kreislauf des Geldes springt auch so wieder an. Die Banken leihen sich untereinander wieder Geld. Der Unternehmer bekommt die für seine Investitionen wichtigen Kredite gewährt. Es läuft einfach wieder.

Wasser auf die ausgetrockneten Mühlen sozusagen. Sollten die Banken auf die Staatsgarantien angewiesen sein, wird eine Gebühr fällig, die sich nach dem Risiko richtet. Die Untergrenze soll bei zwei Prozent liegen.

Geht die Rechnung auf, hätte die Regierung erfolgreich so getan, als HÄTTE sie viel Geld. Denn ehrlicherweise muss man auf die Frage, ob der Staat überhaupt über diese Summe verfügt, antworten: NEIN!

Fast eine halbe Billion zur Stützung des Finanzmarktes? Der Staat hat dieses Geld nicht. Das Volumen des Paketes ÜBERSTEIGT den gesamten Bundeshaushalt 2008 um 217 Mrd. Euro.

Die Summe, die bei dem Deal tatsächlich EINGEPREIST ist, beläuft sich auf "lediglich" maximal 100 Mrd. Euro. 20 Mrd. Euro zur Vorsorge für erwartete Ausfälle. Und 80 Mrd. Euro als Eigenkapital für die Banken.

Die, wollen die Finanzinstitute tatsächlich darauf zugreifen, mit großen Zugeständnissen verbunden sind. Die ersten Institute haben bereits dankend abgewunken.

Der Bund will verständlicherweise in die Entscheidungen seiner Schuldner einbezogen werden. KONTROLLE - VERSTAATLICHUNG. Den Anhängern der freien Marktwirtschaft sträuben sich die Nackenhaare. Was für ein PREIS!

Geschenkt ist das Geld aus dem STABILISIERUNGSFONDS nicht. Das Geld soll durch die Ausgabe von SCHULDVERSCHREIBUNGEN aufgebracht werden. Der STAAT BORGT sich das Geld am Kapitalmarkt.

Die USA gehen übrigens einen anderen Weg. Sie kaufen die FAULEN Bankenkredite auf. Zu Preisen, die sich am Markt orientieren. Womit wir wieder im VIRTUELLEN Kapitalmarkt wären, denn realistische Preise gibt es im Moment ja nicht.

Aber wir wollten wissen, wo das ganze richtige Geld geblieben ist. Bisher haben wir nur festgestellt: die Banken haben das Geld verzockt. Und die Staaten tun nur so, als hätten sie unbegrenzte Möglichkeiten. Zwei ausgemachte Verlierer der Krise.

Wer weiß, was der Staat noch verlieren wird. Das erste, was fällig ist, ist der versprochene ausgeglichene Haushalt. Anderen Staaten ergeht es zugegebenermaßen schlechter. Island hat bereits den Staatsbankrott in Betracht gezogen.

Wer soll jetzt die ZECHE bezahlen? Der STEUERZAHLER. Der ist auch in der größten Krise greifbar, der kann gemolken werden bis zum Umfallen. Erst dann ist ein Staat wirklich bankrott. Damit hätten wir den dritten Verlierer im Bunde ausgemacht.

Die Banken sind aus dem siebten Himmel gefallen, die Staaten lehnen sich zumindest weit zum Fenster hinaus und der einfache Bürger geht zu Boden? Das gilt es zu verhindern. Denn der Steuerzahler wird ja noch gebraucht.

Mit etwas Glück zahlt er mehr Steuern und füllt damit das klamme Staatssäckl. Überrollt die Finanzkrise aber die REALWIRTSCHAFT und der fleißige Arbeiter und gute Bürger verliert seinen Job, dann hat es sich auch mit den höheren Steuern erledigt.

Drei Verlierer hat das Land: die Banken, den Staat und den Steuerzahler, die im Moment nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander können. Um wieder Schwung in den Markt zu bringen, ...

... haben die NOTENBANKEN ihre Leitzinsen gesenkt. Die Idee dahinter: zu günstigen Konditionen wird auch wieder Geld in die Hand genommen und in den Kreislauf GEPUMPT.

Obendrein kündigen die Notenbanken an, weltweit Dollar-Liquidität nahezu in unbegrenzter Höhe in die Märkte zu SCHLEUSEN.

Aber Vorsicht: der Geldfluss geht nicht nur in EINE Richtung. Auch hier handelt es sich um eine LEIHGABE, und zwar für einen Tag. Am nächsten Tag bereits fließt dieses Interbanken-Geld zurück.

Nichtsdestotrotz haben die Notenbanken die MACHT, Geld zu drucken, die GELDMENGE, die im Umlauf ist, zu erhöhen. Von einer FLUT frisch gedruckten Geldes kann man wohl aber nicht sprechen.

Trotzdem raunen die ersten Stimmen, es werde zu einer Inflation kommen. Das Geld, was in den Markt hineingepumpt wird, muss also auch wieder abgepumpt werden, sonst droht neues Ungemach.

Nur allzu menschlich ist die Frage, wer eigentlich an der ganzen Misere Schuld ist. "Diese Krise kennt nur VERLIERER, von einigen Strolchen vielleicht abgesehen, die an der Finanzkatastrophe verdient haben", schreibt ein Leitartikler einer Berliner Tageszeitung.

Das Feindbild sind die INVESTMENTBANKER, die Zocker in Nadelstreifen, die das Geld eingesammelt wo andere es verloren haben.

Gerechterweise muss man aber sagen, sie haben nur dann PROFITIERT, wenn sie die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt und ihr Geld in Sicherheit gebracht haben.

Kreditvermittler und Investmentbanker, die die Kredite zu immer neuen Wertpapieren verschnürten, waren einmal in einer privilegierten Position. Sie konnten Millionen an Provision kassieren.

Das VERLORENE Geld ist damit zum Teil schon vor Jahren zu Bankgewinnen geworden, die zum Teil auch in Form hoher Boni an die Mitarbeiter ausgezahlt wurden. Heute sieht es anders aus.

Viele haben auch ihre Jobs verloren. Auch Lehman-Mitarbeiter sind nicht mit heiler Haut aus der Krise herausgekommen. Die Mitarbeiter wurden zum größten Teil in Aktien bezahlt. In Papieren, die heute nichts mehr wert sind. Das fette Geschäft haben aber nicht ...

... die Banker, sondern die IMMOBILIENBANKEN, die die Wertpapierpakete gebündelt und weiterverkauft haben, gemacht. Sie haben richtig satte Provisionen eingestrichen. Wo das ganze schöne Geld letztendlich im Kreislauf geblieben ist, darüber darf spekuliert werden.

"Der frühe Vogel fängt den Wurm." Auch HAUSBESITZER hatten einmal ihre Chance abzusahnen. Aber nur die, die im Markt jahrelang ansteigender Immobilienpreise unterwegs waren und ihre Häuser rechtzeitig verkauft haben, bevor der Markt kollabierte.

Das gleiche gilt für MAKLER. Vorausgesetzt sie machen noch Umsätze, verdienen noch heute. Vielleicht stehen ihnen noch richtig gute Zeiten ins Haus. Denn langsam ist der Preis heiß, sagen Experten. Die ersten Schnäppchenjäger sind gesichtet worden.

Bei einigen HEDGEFONDS ist Geld hängen geblieben. Und zwar bei jenen, die darauf gewettet haben, dass der Immobilien-Aufschwung nur eine Blase ist, die eines Tages platzt.

Hedgefonds-Manager John Paulson hat es vorgemacht. Er hat Wertpapiere gekauft, die nur einen Gewinn bringen, wenn Hypothekenkredite nicht zurückgezahlt werden. Paulson soll allein im vergangenen Jahr 2,7 Mrd. Dollar Gewinn gemacht haben.

Eigentlich sind diese Wertpapiere dazu gedacht, die Kreditgeber gegen Zahlungsausfälle zu schützen. Paulson hat aber nur die Papiere und nicht die Kredite gekauft.

Die sogenannten GEIERFONDS könnten profitieren. Sie kaufen Kreditpakete zu aktuellen Niedrigpreisen von den klammen Banken. Erfahrungsgemäß sind die Ausfallraten bei den Krediten am Ende nicht so hoch wie derzeit gehandelt wird.

Wer auch an der Krise verdient, sind die BÖRSEN. Mit jeder Transaktionen, Kauf oder Verkauf, streichen sie einen kleinen Betrag ein. Bäumchen wechsle dich.

STAATSFONDS im Nahen und Fernen Osten haben kein Geld in der Krise abgegriffen, auch kein Geld in den Markt "gepumpt". Sie haben Geld umgeschichtet, indem sie sich nach dem Kurssturz bei den großen US-Banken eingekauft haben. GIC, die eng mit der Regierung ...

... in Singapur verwoben sind, deckten sich mit Aktien der Schweizer UBS ein. Bei der Citigroup kauften sich Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Chinesische Staatsfonds kauften Anleihen der Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fanny Mae.

Bei ihrem Timing waren die Staatsfonds aber nicht glücklich. Sie haben alle hohe BUCHVERLUSTE zu beklagen. Als strategische Investments machen die Beteiligungen langfristig vielleicht Sinn, finanziell war das Geschäft aber NICHT lukrativ. Alle sind zu FRÜH EINGESTIEGEN.

Fazit ist: Das Geld ist nie weg, versenkt oder verbrannt. Es ist immer irgendwo. Manchmal kommt es wieder (darauf hoffen jetzt viele), manchmal bleibt es aber auch auf anderen Konten (leider sehr häufig). Manchmal ist es vielleicht auch nie da gewesen.

Auf jeden Fall taucht es da auf, wo das große Spiel gespielt wird. Dort, wo Insider große Hebel bewegen und naive Akteure ihr Geld verlieren. (Fotos: ap, dpa, pixelio, rts; Text: Diana Dittmer)

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