| SA | 9° / 23° |
| SO | 11° / 23° |
Die größte Synagoge Deutschlands lädt wieder zum Gebet und zum Besuch.
Sie steht in der Rykestraße im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Nur die Davidsterne an den gusseisernen Eingangsportalen, die Absperrungen auf dem Gehweg und der stets präsente Polizeiwachdienst ...
... weisen darauf hin, was sich hinter der Häuserzeile aus der Gründerzeit verbirgt. Erst im Hof bekommt man einen Eindruck von der Dimension des 1904 errichteten Backsteingebäudes, das 46 Meter lang, 27 Meter breit und bis zu 17 Meter hoch ist.
Der Innenraum der Synagoge mit seinen prachtvollen Wand- und Deckengemälden, in dem 1.200 Menschen Platz finden, wurde für fünf Millionen Euro weitgehend originalgetreu wiederhergestellt.
Die Renovierung des Gebäudes dauerte mehr als drei Jahre. Die Berliner Synagoge zählt zu den wenigen jüdischen Sakralbauten, die die Nazi-Zeit weitgehend unbeschadet überstanden haben.
In der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde der Backsteinbau zwar in Brand gesteckt, das Feuer aber schnell wieder gelöscht, um die umliegenden "arischen" Wohnhäuser nicht zu gefährden.
Doch der Synagogenraum wurde demoliert, Thorarollen geschändet und Rabbiner sowie Gemeindemitglieder verhaftet und in Konzentrationslager gebracht.
Nach dem letzten Gottesdienst im April 1940 wurde das Gebäude für die Heeresstandortverwaltung enteignet.
Wie die Synagoge in den letzten Kriegsjahren genutzt wurde, ist bis heute umstritten. Einige Zeitzeugen berichten, dass die Heeresverwaltung sie als Pferdestall nutzte, in anderen Quellen ist von einem Möbel- oder Textillager die Rede.
Von größeren Bombenschäden blieb das Gebäude jedenfalls weitgehend verschont.
Nach 1945 wurden in dem Haus überlebende Juden aus Osteuropa untergebracht. 1953 wurde der Bau wieder ein Gotteshaus. In der DDR war die Berliner Synagoge die einzige, in der zu jedem Sabbat ein Gottesdienst stattfand.
Nach Sturmschäden wurde das Gebäude von 1967 bis 1978 in mehreren Etappen renoviert. Mit heute mehr als 12.000 Mitgliedern hat Berlin die größte jüdische Gemeinde Deutschlands.
"Hier zu sein, ist ein Wunder", sagte der liberale Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin, Chaim Rozwaski. Die Präsenz von Juden in der Stadt, von der aus Adolf Hitler die Ermordung von sechs Millionen Juden organisiert hat, sei ein Zeugnis für die Existenz Gottes.
Berlins SPD-Innensenator Ehrhart Körting (r) versprach der Jüdischen Gemeinde, antisemitische Bedrohungen würden in Berlin nicht geduldet. "Wir sind dankbar, dass sich Juden in Berlin wieder heimisch fühlen", betonte er.
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch (hier mit CDU-Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble), sagte, der Blick auf den kunstvollen Sakralraum der Synagoge sei erhebend, ...
... wenn man noch die Bilder der Pogromnacht vor Augen habe. Große farbige Glasfenster und prachtvolle Verzierungen prägen den im neoromanischen Stil entworfenen Raum. Hier werden nicht nur Gebete, sondern auch Konzerte jüdischer Künstler stattfinden.
An der Eröffnungszeremonie nahmen rund 1.000 Gäste teil. "Ich beglückwünsche alle Berliner zu diesem Juwel", sagte Charlotte Knobloch.
Bei der Sanierung legten die Architekten Ruth Golan und Kay Zareh großen Wert auf eine möglichst originalgetreue Gestaltung.
Dabei orientierten sie sich in mühevoller Kleinarbeit an Fotografien aus einer mehr als hundert Jahre alten Festschrift zur Einweihung der Synagoge.
Nur einige wenige Schwarz-Weiß-Fotos erinnerten noch an den ursprünglichen Glanz. Nun soll unter einer mit einem blauen Sternenhimmel ausgemalten Kuppel künftig wieder eine Orgel stehen.
"Diese wunderbare, schöne Synagoge ist eine lebende Erinnerung an unsere Vergangenheit", betonte Rabbiner Chaim Rozwaski, der in seiner Predigt an Gemeindemitglieder erinnerte, die den Holocaust nicht überlebten.
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.
Entdecken Sie bei Experteer.de tausende Jobs von Headhuntern und knüpfen Sie Kontakte zu den besten Personalberatungen Deutschlands.