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Mehr als 300 Tote: Krieg im Gazastreifen

 
Die israelische Luftwaffe hat ihre Angriffe im Gazastreifen auch am Dienstag fortgesetzt. Das Land weist alle Appelle für einen Waffenstillstand zurück.

Die israelische Luftwaffe hat ihre Angriffe im Gazastreifen auch am Dienstag fortgesetzt. Das Land weist alle Appelle für einen Waffenstillstand zurück.

Seit Beginn der "Operation Gegossenes Blei" am Samstag sind nach palästinensischen Angaben mehr als 370 Menschen getötet und mehr als 1700 verletzt worden.

Israel will mit der Operation den ständigen Raketenbeschuss seiner Grenzorte aus dem Gazastreifen unterbinden.

Militante Palästinenser setzten ihre Raketenangriffe auf Israel fort. Die Hamas zeigt keine Signale eines Einlenkens.

Damit deutet immer mehr auf eine israelische Bodenoffensive hin, um den Raketenbeschuss zu minimieren.

In einer israelischen Siedlung im Westjordanland wurden beim Anschlag eines Palästinensers insgesamt vier Menschen mit einem Messer verletzt. Eine Armeesprecherin teilte mit, der Angreifer selbst sei durch Schüsse schwer verletzt und festgenommen worden.

Die Raketen aus dem Gazastreifen, die von den militanten Palästinensern auf Israel abgefeuert werden, haben mit mehr als 30 Kilometern eine größere Reichweite als die bisher in den Palästinensergebieten selbst gebauten primitiven Kassam-Geschosse.

Die so genannten Grad-Raketen bedrohen nach israelischen Angaben 120.000 Menschen im Grenzbereich zum Gazastreifen. Nach Angaben aus israelischen Militärkreisen haben militante Palästinenser die Grad-Raketen aus Ägypten in den Gaza-Streifen geschmuggelt.

Wo die Grad-Raketen hergestellt werden, ist unklar: Berichten zufolge kommen sie aus dem Iran. Allerdings haben die Armeen von mehr als 50 Staaten das Artillerie-System mit Grad-Raketen in ihren Arsenalen.

Ägypten, China, Irak, Iran und weitere Länder bauen Werfer und Raketen des sowjetischen Typs in Lizenz.

Das Raketenwerfersystem "BM-21 Grad" wurde in den 1960er Jahren in der Sowjetunion entwickelt. Die Abkürzung "BM" steht für "Kampffahrzeug", "Grad" ist das russische Wort für Hagel.

Die israelische Luftwaffe nahm am vierten Tag der Kämpfe weitere Gebäude der Hamas unter Beschuss.

Zudem wurde bereits ein Laborgebäude der Islamischen Universität in Gaza zerstört. Die als Hamas-Hochburg geltende Universität liegt im Zentrum von Gaza-Stadt.

Augenzeugen berichteten, es habe keine Verletzten gegeben. Auf das Universitätsgelände seien fünf Raketen abgefeuert worden, die hauptsächlich das Gebäude mit dem Universitätslabor zum Ziel gehabt hätten.

Ein israelischer Armeesprecher sagte, das Universitätsgelände sei zur Entwicklung von Raketen, Sprengstoff und elektronischem Gerät für militante Kämpfer benutzt worden. Es sei ein Treffpunkt für Hamas-Aktivisten und diene zudem als Waffenversteck.

Am späten Sonntagabend wurden bei einem Luftangriff auf das Flüchtlingslager Dschabalija nördlich von Gaza vier Menschen getötet, unter ihnen ein vier Jahre altes Mädchen.

Nach Angaben des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge, UNRWA, wurden bei den israelischen Luftangriffen im Gazastreifen bislang mindestens 51 Zivilisten getötet.

Dies sei eine eher konservative Schätzung, sagte ein UNRWA-Sprecher. Die Zahlen basierten auf Besuchen seiner Behörde in Krankenhäusern und Versorgungszentren im Gazastreifen.

Am Sonntag hatte die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben 30 Angriffe geflogen.

Dabei seien mehr als 70 Ziele bombardiert worden, mehr als die Hälfte davon seien Schmugglertunnel unter der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten gewesen.

Auch das Hauptquartier der Hamas-Regierung in der Stadt Gaza wurde schwer beschädigt. Dabei konnten offenbar zahlreiche Gefangene entkommen.

Israel hatte die Offensive am Samstag mit Angriffen auf Standorte der Hamas im Gazastreifen begonnen. Die Hamas hatte vor anderthalb Jahren die Macht im Gazastreifen gewaltsam übernommen.

Obwohl der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert (links im Bild) die Bevölkerung auf eine längere Auseinandersetzung einstimmte, gehen Experten davon aus, dass der Krieg nur noch wenige Tage dauern dürfte.

Allerdings hat die israelische Armee erstmals seit dem Libanonkrieg vom Sommer 2006 rund 6500 Reservisten einberufen. Israel droht im Falle einer Fortsetzung des Raketenbeschusses mit einer Bodenoffensive im Gazastreifen.

"Wenn es notwendig ist, Truppen aufmarschieren zu lassen, um unsere Bürger zu schützen, werden wir das tun", sagte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak. (Bilder: AP, rts)

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