Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 11° / 23°
Alter BS-Ordner (neue Heimat suchen)

Rot gegen Gelb: Thailand in der Krise

 
Rot ?

Rot ?

? gegen Gelb.

Seit fast drei Jahren ist Thailand Schauplatz eines erbitterten Machtkampfs zwischen zwei politischen Gruppierungen.

Mit dem erzwungenen Abbruch des Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN im thailändischen Badeort Pattaya ...

... und den gewalttätigen Protesten in Bangkok erreichen die Auseinandersetzungen einen neuen Höhepunkt.

"Rote" Demonstranten, die die Absetzung des seit Dezember amtierenden Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva von der Demokratischen Partei fordern, ?

? stürmen trotz starker Sicherheitsvorkehrungen ...

... das Tagungsgelände und beenden damit den Gipfel - die Staats- und Regierungschefs müssen teilweise überhastet ausgeflogen werden.

Angeblich soll die Polizei mit den Demonstranten sympathisieren und die Proteste zugelassen haben.

Dabei war der Gipfel Ende 2008 bereits einmal verschoben worden - weil "gelbe" Demonstranten die Absetzung von Abhisits Vorgänger Somchai Wongsawat, der von den "Roten" unterstützt wird, forderten.

Sie besetzten das Regierungsviertel und den internationalen Flughafen von Bangkok ...

? und sorgten dafür, dass bis zu 300.000 Touristen nicht abreisen konnten.

Die Proteste hatten Erfolg: Die regierende Partei PPP des ehemaligen Premiers Thaksin Shinawatra wurde wegen Wahlbetrugs vom Verfassungsgericht verboten, ...

... Somchai musste als Ministerpräsident zurücktreten, ...

? und der Oppositionelle Abhisits (m.) kam kurz darauf ins Amt.

Die Armee, die nicht gegen die Proteste vorgegangen war, soll den neuen Regierungschef unterstützt haben.

Gegen die neue Regierung und für Thaksin gehen nun die "Rothemden" auf die Straße - und sie beschränken sich nicht auf den ASEAN-Gipfel.

In der Hauptstadt Bangkok bringen sie den Verkehr zum Erliegen.

Das Innenministerium wird besetzt.

Ein Auto, in dem Abhisit vermutet wird, greifen die Demonstranten an.

Sie hätten "nicht verfassungskonforme Taten" begangen, sagt der Regierungschef in einer Fernsehansprache ...

? und ruft den Notstand in Bangkok aus.

Die Armee marschiert mit tausenden Soldaten und Panzern auf, verhaftet Anführer der Proteste, ?

? besetzt wichtige Straßen und Plätze und versucht, die Regierungsgegner aus dem Regierungsviertel zu vertreiben, ...

... mit Tränengas ...

... und Wasserwerfern.

Doch die Demonstranten bleiben und errichten Straßenblockaden.

Die Auseinandersetzungen eskalieren.

Bei den schweren Zusammenstößen sterben mehrere Menschen, mehr als 100 werden verletzt.

Ein gepanzertes Fahrzeug wird von den Demonstranten gestürmt.

Sie schleudern Molotow-Cocktails ...

... gegen die Armee ...

... und versuchen, einen brennenden Bus in die Soldaten zu steuern.

Die Armee feuert daraufhin Warnschüsse ab und wird wiederum von Demonstranten beschossen.

Alle Verhandlungen scheitern - die Demonstranten propagieren einen Volksaufstand gegen die nach ihrer Ansicht "brutale Regierung".

Dann jedoch rücken gepanzerte Fahrzeuge auf den Regierungssitz vor.

Die Protestanführer beraten sich und entscheiden, die Demonstrationen gegen Abhisist "eine Zeit lang" aufzulösen, so Protestanführerin Prateep Ungsongtham Hata.

Damit wollten sie "eine Katastrophe verhindern", bei der weitere Menschen ums Leben kämen.

Dies bedeute aber nicht, dass sie sich geschlagen gäben.

Nach und nach ziehen die Demonstranten ab.

Die Behörden stellen 60 Busse zur Verfügung, um tausende Menschen zu den Busbahnhöfen zu fahren.

Zu den Protesten angestachelt werden die Roten immer wieder von regelmäßigen Videobotschaften des ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, der einen "Kampf bis zum Ende" fordert.

Er ist auch Ursprung der jüngsten Auseinandersetzungen und der tiefen Spaltung in dem Land, das seit 1932 insgesamt 18 Staatsstreiche erlebt hat.

Auf der einen Seite stehen die "roten" Anhänger des Multimillionärs Thaksin, die seine populistische Politik mit Krankenversorgung und Mikrokrediten für Arme unterstützen.

Ihnen stehen die "Gelben" (es ist die Farbe des Königs) gegenüber, hinter denen mehrere einflussreiche Bangkoker Familien stehen, die ihre angestammte Machtposition in Gefahr sehen.

Beiden Seiten gemein ist: Sie fordern demokratische Verhältnisse, die sie nur mit der eigenen Gruppierung gewährleistet sehen.

Über allen steht König Bhumibol Adulyadej, der in Thailand sehr verehrt wird, sich aber kaum in die Politik einmischt.

Im September 2006 wird der gewählte Premier Thaksin durch einen Militärputsch (unterstützt von der Volksallianz für die Demokratie (PAD)) gestürzt. Kabinett und Senat werden aufgelöst.

Die Verfassung wird außer Kraft gesetzt und eine Übergangsregierung aus Offizieren gebildet. (Links im Bild der König, der die Regierung empfängt.)

Thaksins Führungsstil war von der Opposition als zunehmend autokratisch und antidemokratisch kritisiert worden.

Zudem steht er unter Korruptionsverdacht. Er wird 2008 wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt - und geht ins Ausland (hier in London), um einer Verhaftung zu entgehen.

Thaksins Anhänger gründen eine neue Partei - die PPP -, gewinnen im Dezember 2007 die Parlamentswahlen und übernehmen wieder die Macht.

Die "Gelben" sehen in der neuen Regierung nur eine Marionette Thaksins - die PAD ruft im August 2008 zu Massenprotesten auf. Nach Straßenschlachten wird in Bangkok der Ausnahmezustand verhängt.

Anlass ist eine geplante Verfassungsänderung - die Opposition befürchtet, dass Thaksin damit um eine Verurteilung herumkommen könnte.

Mitten in dieser Krise muss Samak Sundaravej von der PPP wegen einer Korruptionsaffäre als Ministerpräsident zurücktreten - er hatte seinen Nebenjob als Fernsehkoch verschwiegen.

Nachfolger wird Somchai - ein Schwager Thaksins. Die Opposition wirft ihm vor, nur dessen Marionette zu sein.

Am 7. Oktober kommt es in Bangkok zu schweren Zusammenstößen ...

... zwischen Polizei und "gelben" Demonstranten.

Es sind die schwersten Auseinandersetzungen seit Jahren.

Zwei Menschen sterben, ...

... 500 werden verletzt.

Die "Gelben" gehen dabei auch brutal gegen vermeintliche Thaksin-Anhänger vor.

Tausende Demonstranten besetzen im November das Regierungsviertel und den Bangkoker Flughafen. Bei mehreren Bombenanschlägen auf Demonstranten sterben zwei Menschen, Dutzende werden verletzt.

Eine weitere Eskalation folgt im Dezember: Das Verfassungsgericht des Landes (Gebäude im Hintergrund) verbietet die PPP wegen Wahlbetrugs, und Somchai muss zurücktreten.

Das Urteil führt zu scharfen Protesten der "roten" Regierungsanhänger.

Somchais Nachfolger Abhisit von der bisherigen Opposition kommt ins Amt - nicht durch Neuwahlen, sondern weil mehrere kleine Parteien das Lager wechseln.

Nach den "Gelben" formieren sich nun die "Roten" und protestieren gegen die neue Regierung - sie fordern demokratische Neuwahlen.

Die Proteste spitzen sich zu. Mit der Stürmung des Gipfels haben die "Rothemden" ein international beachtetes Zeichen gesetzt.

So dürften die zunehmend gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen "Rot" und "Gelb" weitergehen, ...

... eine Lösung des Machtkampfs ist zumindest vorerst in weite Ferne gerückt.

Inzwischen hat sich sogar eine dritte Farbe dazugesellt: Blauhemden. Sie sind Regierungsanhänger, die den ASEAN-Gipfel retten wollten. (Text: Markus Lippold mit dpa und AFP, Bilder: dpa, Reuters)

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.