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Bilderserie: Vergessene Kriege und Krisen

 
Jeder erinnert sich an den Tsunami. Auch über das Erdbeben in Pakistan wurde ausführlich berichtet. Andere Krisenregionen schaffen es nur selten in die Nachrichten.

Jeder erinnert sich an den Tsunami. Auch über das Erdbeben in Pakistan wurde ausführlich berichtet. Andere Krisenregionen schaffen es nur selten in die Nachrichten.

Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" erinnert nun an 10 vergessene Krisenherde des Jahres 2005.

Trotz einer intensiven Berichterstattung über die vielen Naturkatastrophen des Jahres 2005 seien viele humanitäre Themen in den Medien unberücksichtigt geblieben, so "Ärzte ohne Grenzen".

Eine Untersuchung zeigt, dass die drei großen US-Sender im vergangenen Jahr nur acht Minuten von insgesamt mehr als 14.500 Nachrichtenminuten über die in der Liste aufgeführten Krisen berichtet haben.

Die Situation in der Demokratischen Republik Kongo erhielt gerade einmal sechs Minuten, die Lage in Tschetschenien sogar nur zwei Minuten der Sendezeit. Über die acht anderen Themen wurde überhaupt nicht berichtet.

Über den Kongo schreiben "Ärzte ohne Grenzen", die Lage dort habe sich trotz der Friedensbemühungen in letzter Zeit noch verschärft. Im Südosten des Landes flammten Mitte November 2005 erneut Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee und den Mai-Mai-Rebellen auf.

Zehntausende Menschen wurden seither aus dem Gebiet vertrieben. Kämpfe gab es auch in anderen Teilen des Landes.

Doch selbst jene Gegenden der Demokratischen Republik Kongo, die weitgehend friedlich sind, zählen zu den Krisenregionen. Nur wenige Menschen haben Zugang zu medizinischer Versorgung. "Das liegt unter anderem daran, ?

? dass die Menschen die Gebühren für die Behandlung nicht bezahlen können", heißt es im Bericht der "Ärzte ohne Grenzen". Die Organisation führt in Kongo ihren derzeit größten Nothilfeeinsatz durch.

Eine weitere "vergessene Krise" verortet "Ärzte ohne Grenzen" in Tschetschenien. "Noch immer ist die Zivilbevölkerung Tschetscheniens der brutalen Gewalt der Streitkräfte der Russischen Föderation und tschetschenischer bewaffneter Gruppen ausgesetzt."

Offiziellen Äußerungen zufolge habe sich die Lage im Land "normalisiert", ?

? "doch Säuberungsaktionen zur Aushebung mutmaßlicher Rebellen, das Verschwinden von Menschen und die Gewalt durch lokale Milizen sind weiter an der Tagesordnung."

Nur wenige Hilfsorganisationen sind in Tschetschenien aktiv. In Flüchtlingslagern in Inguschetien grassieren Tuberkulose und Lungenentzündung. Tausende Flüchtlinge wurden gezwungen, nach Tschetschenien zurückzukehren.

"Da ihre Häuser zerstört oder ihre Städte zu unsicher sind, müssen sie auch in ihrem eigenen Land in Lagern leben."

Auch die Situation in Haiti gehört zu den "vergessenen Krisen". Die Gewalt hat sich von den Slums auf die gesamte Hauptstadt Port-au-Prince ausgeweitet. Wie auch die Demokratische Republik Kongo gilt Haiti mittlerweile als Land faktisch ohne Regierung.

Zwar ist die UNO mit 10.000 Blauhelmen im Einsatz, doch sind Raubüberfälle und Schießereien an der Tagesordnung.

"Jeden Tag sagen uns die Leute in der ganzen Stadt, sie hätten noch nie ein solches Ausmaß an Gewalt erlebt", sagt der Projektleiter von "Ärzte ohne Grenzen" in Haiti.

In Anarchie versunken ist auch Somalia in Ostafrika. Das Land hat bereits seit Anfang der 1990er Jahre keine anerkannte Regierung mehr. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, viele Krankenhäuser wurden geplündert oder zerstört.

"Die Situation ist katastrophal", schreibt "Ärzte ohne Grenzen". "Unterernährung, extreme Armut und Dürre sind nur einige der vielen Bürden, mit denen die Somalier zu kämpfen haben."

Zudem erlebte das Land 2005 eine der schlimmsten Dürren seit zwölf Jahren.

Die "HIV/Aids-Pandemie" gilt als weitere "vergessene Krise". Zwar werde regelmäßig über die Krankheit berichtet. Kaum beachtet werde jedoch die besondere Situation der Entwicklungsländer.

"Um beispielsweise eine HIV-Infektion bei einem Kind zu diagnostizieren, ist heutzutage eine sehr aufwändige und teure Technologie nötig. Da diese in ärmeren Ländern fehlt, können dort nur wenige HIV-positive Kinder richtig getestet und entsprechend behandelt werden."

Die Hälfte dieser Kinder stirbt vor dem zweiten Geburtstag.

"Ärzte ohne Grenzen" fordert, Forschung und Entwicklung an die Bedürfnisse der Entwicklungsländer anzupassen. Ansonsten werde sich die Katastrophe noch ausweiten.

In Indien führt ethnisch motivierte Gewalt zu der dortigen "vergessenen Krise". "Ärzte ohne Grenzen" nennt die nordöstlichen Bundesstaaten Assam und Manipur.

Dort verließen in den vergangenen fünf Jahren mehr als 150.000 Menschen aufgrund der anhaltenden Gewalt ihr Zuhause. Sie leben zumeist in Lagern, "in denen die schlechten Lebensbedingungen zum Ausbruch von Masern- und Durchfallepidemien und anderen Erkrankungen führen".

"Ärzte ohne Grenzen" wirft der indischen Regierung Desinteresse am Schicksal dieser Menschen vor.

Sudan: Der Friedensvertrag zwischen der Regierung des Sudan und der SPLA vom Januar 2005 hat das Schicksal des Menschen im Süden des Landes nicht verbessert.

"Krankheiten wie Masern, die durch Impfkampagnen verhindert werden könnten, und behandelbare Erkrankungen wie Malaria und Tuberkulose sind weit verbreitet."

Die meisten der sechs Millionen Südsudanesen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. "Für 2006 wird erwartet, dass hunderttausende Menschen in die Region zurückkehren. Dies kann zu einer weiteren Verschlechterung der Lage führen."

Die Krise in Kolumbien dauert seit mittlerweile mehreren Jahrzehnte an. Regierungstruppen, rechte und linke Paramilitärs kämpfen gegeneinander und terrorisieren die Bevölkerung.

"Gewalt ist weiterhin die häufigste Todesursache im Land; mehr als drei Millionen Menschen sind aus ihren Heimatorten geflohen." Nach dem Sudan und dem Demokratischen Republik Kongo hat das Land die dritthöchste Zahl an Vertriebenen.

Die Vertreibung von Zivilisten wird als Kriegsstrategie eingesetzt.

Der Konflikt im Norden Ugandas ist 20 Jahre alt. Mehr als 1,6 Millionen Menschen leben in Lagern, "die nur vermeintlich Sicherheit und kaum Hilfe bieten", so "Ärzte ohne Grenzen".

Auch in Uganda sterben viele Menschen an behandelbaren Krankheiten, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Die meisten Vertriebenen "überleben unter erbärmlichen Bedingungen ?

? und verfügen kaum über Nahrungsmittel und sauberes Trinkwasser". Ende 2005 wurden zudem Zivilisten und humanitäre Helfer Ziel von Angriffen.

Seit 2002 tobt in der Elfenbeinküste ein Bürgerkrieg. Die Folgen sind dieselben wie in den anderen "vergessenen Krisen": Flucht von Zivilisten, Zusammenbruch der medizinischen Versorgung, Hunger.

Heute wird der Norden der Republik Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) von Rebellen, der Süden von Regierungstruppen kontrolliert. Der Waffenstillstand hält nicht.

Millionen Menschen kämpfen weltweit ums Überleben, sagen "Ärzte ohne Grenzen". Doch die wenigsten Konflikte produzieren Schlagzeilen, die das Interesse der Öffentlichkeit fesseln.

Natürlich geht es um Geld, um Spenden. "Manchmal weiß ich wirklich nicht, was ich machen soll, um Aufmerksamkeit zu erregen", sagt UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres.

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