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Bilderserie: Wie bitte??? Das kann er doch nicht machen?!

 
Klinsmann wirft die Brocken hin. Wie bitte?

Klinsmann wirft die Brocken hin. Wie bitte?

Jürgen Klinsmann? Der die Nationalmannschaft aus einem Tal der Tränen, durch ein Tal der Tränen, zu einer fantastischen und (relativ) erfolgreichen WM geführt hat?

Der dafür gesorgt hat, dass die Nationalmannschaft wieder ansehnlichen und engagierten Fußball spielt?

Klar, Weltmeister sind wir nicht geworden.

Aber immerhin musste man sich nicht mehr für die Spielweise der deutschen Mannschaft schämen.

Ganz im Gegenteil.

Und das ist wohl der größte Erfolg von Jürgen Klinsmann.

Neben der berühmten Fitness.

Denn ohne Fitness läuft bekanntlich nichts, jedenfalls nicht 90 Minuten.

Oder gar 120.

Wie auch immer, Klinsmann wirft die Brocken hin.

Es hatte sich angedeutet. In den letzten Tagen sah Klinsmann gar nicht lustig aus, wenn er nach seiner Zukunft gefragt wurde.

Eher gequält.

Die einen sagen jetzt, Klinsmann stiehlt sich aus der Verantwortung. So kann man das sehen: Zwei Jahre sind schließlich keine sehr lange Zeit, schon gar nicht für den viel beschworenen Neuanfang.

Zu Recht wird immer wieder betont, dass die Mannschaft noch sehr jung sei, noch am Anfang stehe, ?

? dass die neue "Philosophie" stark an der Person Klinsmann hänge.

Und klar, Joachim Löw war sehr viel mehr als der Mann mit den Hütchen. Aber auch er war Teil des Systems Klinsmann, das jetzt auf einmal nicht mehr existiert.

Klinsmann sagt, er habe die "schwere Entscheidung" treffen müssen, weil es sein "großer Wunsch" sei, künftig mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Man könnte einwenden: Offenbar hat Klinsmann es nie geschafft, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Offenbar war die Familie nicht bereit, nach Deutschland zu ziehen, ?

? und offenbar war Klinsmann nicht bereit, jene Flexibilität zu zeigen, die er von seinen Spielern immer eingefordert hat.

Schließlich: Klinsmann wollte Weltmeister werden. Das hat er nicht geschafft. Er hätte vier weitere Jahre gehabt, auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

Er hätte die Kompetenz gehabt, das Vertrauen der Spieler, der Fans und sogar das Vertrauen der "Offiziellen" im DFB.

Doch man kann es auch anders sehen. Klinsmann hat auch gesagt, er fühle sich "leer und ausgebrannt". Das ist kein Wunder.

Die Weltmeisterschaft war schließlich nur der Höhepunkt einer knochenharten Zeit, die am 29. Juli 2004 begann, als Klinsmann in der Frankfurter DFB-Zentrale als Bundestrainer präsentiert wurde.

"Ich will Weltmeister werden", sagt Klinsmann damals, und die Republik wunderte sich und belächelte den jungen Mann, der den Mund so voll nahm. Weltmeister? Mit dieser Gurkentruppe?

Fast jede Entscheidung des neuen Trainers wurde kontrovers diskutiert. Klinsmann holte sich Oliver Bierhoff als Team-Manager, ?

? und Joachim Löw als Assistenztrainer.

Mitte August 2004, an seinem ersten Arbeitstag mit der Nationalelf, setzte Klinsmann Oliver Kahn als Kapitän ab. Nachfolger wird Michael Ballack.

Funktionäre und Helfer dürfen nicht mehr im Mannschaftsbus mitfahren.

Anfang September fangen die berüchtigten Fitnesstrainer aus den USA an. Mark Verstegen und sein Team provozieren zahllose Lästereien. Bundesliga-Kollegen wundern sich über die "Übungen mit Gummibändern".

Im Oktober schmeißt Klinsmann Sepp Maier raus.

Neuer Torwarttrainer wird Andreas Köpke.

Im Dezember setzt Klinsmann durch, dass die Nationalmannschaft bei der WM (die zu diesem Zeitpunkt noch in weiter Ferne liegt) nicht in Leverkusen residieren wird, sondern in Berlin. Das Zähneknirschen beim DFB wird lauter.

Ein Sportpsychologe, Hans-Dieter Hermann, wird in den Betreuerstab der Nationalmannschaft aufgenommen.

Im Mai 2005 verliert Chefausbilder Erich Rutemöller (r.) seinen Job. Der Schweizer Urs Siegenthaler wird als Chefscout verpflichtet.

Im Juni dann der Confederations Cup, bei dem die Mannschaft spielerisch überzeugt und Platz drei erreicht.

"Wir sind in einem Jahr enorm gewachsen", bilanziert Klinsmann und erntet zur Abwechslung mal keinen Widerspruch.

Im August 2005 verliert Oliver Kahn seinen Status als "Nummer 1". Ein Aufschrei geht durchs Land: Der Titan ist entthront!

Für Streit sorgt auch Klinsmanns Wohnsitz. Höhepunkt ist ein Krisengipfel beim DFB, an dem auch Vertreter der Bundesligavereine teilnehmen. Diese Debatte sitzt der Trainer erfolgreich aus.

Nicht durchsetzen kann er sich im Machtkampf um den neuen Sportdirektor. Am 8. Februar 2006 entscheidet der DFB sich für Matthias Sammer ?

? und gegen Klinsmanns Kandidaten, den Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters.

Dennoch zeigt Klinsmann immer wieder, dass ihm die öffentliche Meinung schnurzegal ist. Ende Februar fliegt der Dortmunder Abwehrspieler Christian Wörns aus dem WM-Kader. Wörns hatte Klinsmann als "link" und "unehrlich" bezeichnet.

Als die Nationalmannschaft am 1. März 1:4 gegen Italien verliert, sinkt die Stimmung auf den Tiefpunkt. Selbst ein Trainerwechsel gerät in den Bereich des Vorstellbaren - drei Monate vor der WM!

Am 6. März 2006 flippt Franz Beckenbauer aus. Nachdem Klinsmann den Workshop der WM-Trainer geschwänzt hat, unterstellt Beckenbauer dem Trainer eine mangelhafte Kinderstube.

Einen Monat später fällt die lang erwartete Entscheidung. Und Klinsmann tut es wirklich: WM-Torwart wird nicht Oliver Kahn, sondern Jens Lehmann.

Mitte Mai noch ein Paukenschlag: Klinsmann verzichtet auf den Schalker Stürmer Kevin Kuranyi ?

? und nominiert stattdessen David Odonkor.

Nach den ersten Erfolgen bei der Weltmeisterschaft kippt die Stimmung radikal.

Beckenbauer sagt am 16. Juni (zwei Tage nach dem Polen-Spiel): "Klinsmann macht im Moment alles richtig." Hallo, Herr Beckenbauer? "Im Moment"???

Drei Wochen später zeigt der OK-Chef sich dann endgültig bekehrt: "Ich hoffe sehr, dass Jürgen weitermacht."

Doch Klinsmann wäre nicht Klinsmann, wenn er nicht noch eine Überraschung auf Lager hätte.

Alle wollen, dass Klinsmann bleibt - und er geht.

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