13.02.2012 22:45 Uhr Frankfurt 21:45 Uhr London 16:45 Uhr New York 06:45 Uhr Tokio
Suche
Alter BS-Ordner (neue Heimat suchen)

Bilderserie: ... und täglich grüßt die Konjunktur

 
Zur Berechnung des Index werden 2000 Personen dazu befragt, wie sich ihrer Meinung nach Einkommen und Konsum auf Sicht des kommenden Jahres entwickeln.

Mit der Konjunkturlokomotive ist das so eine Sache: Trotz aller Rauchzeichen und Signale weiß man immer erst am Zielbahnhof, wie kräftig die Lok gezogen hat.

Schlaue Leute haben sich deshalb den Kopf zerbrochen, um der Zeit ein Schnippchen zu schlagen.

Die Frage aller Fragen lautet: Wie weiß man schon heute, wie sich die Wirtschaft morgen entwickelt?

Besonders beliebt sind Indikatoren. Getreu dem Motto "Mut zur Lücke" legen sie die Lupe auf einzelne Aspekte komplexer Systeme, etwa den Stellschrauben des Wirtschaftswachstums.

Allein betrachtet sagt ein Indikator in aller Regel wenig aus. Gewicht gewinnt er erst dann, wenn er richtig gelesen und interpretiert wird.

Temperatur oder Luftdruck verraten an sich noch nichts über Regen oder Sonnenschein der kommenden Tage Mit der Brille und dem Handwerkszeug eines Meteorologen verraten die Indikatoren jedoch sehr wohl etwas über das künftige Wetter.

Einer der bekanntesten Wirtschaftsindikatoren ist der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts von Prof. Werner Sinn. Rund 7000 Unternehmer beurteilen dabei jeden Monat ihre augenblickliche und künftige Geschäftslage.

Die Unternehmen geben dabei an, ob sie ihre Lage als gut, befriedigend oder schlecht einstufen. Ausserdem sollen sie angeben, ob ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate günstiger, gleich bleibend oder ungünstiger ausfallen.

Aus den Prozentanteilen der Antworten berechnen die Ökonomen am Ifo-Institut den Index, der als Frühindikator der deutschen Konjunktur an der Börse große Beachtung findet.

Ganz ähnlich funktioniert der ZEW-Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Hier werden jedoch keine Unternehmen, sondern rund 400 Analysten und institutionelle Anleger befragt.

Von dieser Finanzmarktsicht verspricht sich das ZEW einen zeitlichen Vorsprung gegenüber dem realwirtschaftlich geprägten Ifo-Index.

Dritter im Bunde ist die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die einmal monatlich den Konsumklimaindex veröffentlicht.

Zur Berechnung des Index werden 2000 Personen dazu befragt, wie sich ihrer Meinung nach Einkommen und Konsum auf Sicht des kommenden Jahres entwickeln.

Besonders interessant ist der Teilindex zur so genannten Anschaffungsneigung. Er gibt an, ob die Verbraucher augenblicklich einen günstigen Zeitpunkt für größere Käufe sehen.

In Sachen Konjunkturindikatoren stellen die USA den deutschen Markt jedoch in den Schatten. Fast täglich werden hier frische Impulse in den Markt gegeben.

Wer hier keine Prioritäten setzt, verliert schnell den Überblick.

Einer der wichtigsten Termine im Kalender der Börsianer ist der erste Freitag im Monat. Dann wird der Bericht zum US-Arbeitsmarkt veröffentlicht.

Sein kleiner Bruder, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, werden wöchentlich veröffentlicht. Anders als der Monatsbericht unterliegen die wöchentlichen Erstanträge starken Schwankungen und sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Die Lage am Arbeitsmarkt ist für die US-Konjunktur entscheidend, da rund zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung auf den privaten Konsum zurückzuführen sind.

Neben der aktuellen Stellenlage informiert der Bericht auch über die Entwicklung der Stundenlöhne. Steigen die zu stark, birgt das Inflationsgefahren.

So hart diese Fakten auch sind, informieren sie Anleger doch erst recht spät über Wohl und Wehe der Konjunktur. Wer früher wissen will, wie der Hase läuft, muss die Uhren ein Stück zurückzudrehen und in die Seele von Konsumenten und Produzenten horchen.

Der bekannteste Vorbote ist das Verbrauchervertrauen vom Conference Board. Monatlich werden dafür 5000 US-Haushalte zu derzeitigen und künftig erwarteten Beschäftigungs- und Einkommensverhältnissen befragt.

Das Ergebnis ist eine Kennziffer, der die Entwicklung der Einschätzungen abbildet. Dieser Indikator besteht zu 60 Prozent aus der Einschätzung der künftigen Entwicklung und zu 40 Prozent aus der Beurteilung der augenblicklichen Lage.

Ein weiterer wichtiger Wachstumsfaktor sind die Verbraucherpreise. Sie entscheiden darüber, wieviel sich die Konsumenten für ihr Einkommen leisten können.

Wie auch in Deutschland gibt die Entwicklung des Verbraucherpreisindex die Teuerung eines haushaltstypischen Warenkorbes an. Steigen die Preise stark an, kann das über höhere Lohnforderungen eine Inflationsspirale in Gang setzen.

Ein wichtiger Frühindikator der Industrie ist etwa der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management. Dafür werden Einkaufsmanager von 350 Unternehmen aus 20 repräsentativen Industriebereichen befragt.

Ähnlich wie beim deutschen Ifo-Index beurteilen sie ihre derzeitige und künftige wirtschaftliche Lage. Alle Sektoren, die ein Stimmungsplus verzeichnen konnten, und die Hälfte der stagnierenden Größen werden zusammengezählt und um Saisoneinflüsse bereinigt.

Daraus berechnet das ISM einen Indexwert. Liegt dieser über 50, deutet das auf eine Expansion im verarbeitenden Gewerbe hin. Unter 50 Punkten signalisiert der ISM-Index einen Rückgang, unter 40 eine längere Rezession.

Auch einige regionale Indizes stehen unter starker Beobachtung. Der Empire-State-Index misst die Geschäftstätigkeit im produzierenden Gewerbe des Staates New York, gilt aber als guter Vorlaufindikator für den Philadelphia-Fed-Index.

Der wiederum erfasst die Geschäftsaktivitäten im Großraum Philadelphia. Wie auch beim Empire-State-Index deutet ein Indexstand über 0 auf ein Wachstum im produzierenden Gewerbe. Der Philly-Fed-Index gilt als Gradmesser für die gesamte US-Wirtschaft.

Am Ende dieser Kette stehen die monatlichen harten Zahlen zur Industrieproduktion des Federal Reserve Board. Ähnlich wie beim Arbeitsmarktbericht ist aus Prognosesicht hier das Rennen jedoch quasi schon gelaufen. (Text: Nikolas Neuhaus / Bilder: dpa, AP, rts)

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.