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Dienstag, 09. November 2010

Die Helden aus der zweiten Reihe: Der MDax schlägt den Dax

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(Text: Daniela Pegna, rts / Martin Morcinek; Stand der Performance-Angaben: 9. November 2010; Charts zeigen die Kursentwicklung über zwölf Monate) (Foto: dpa)

(Text: Daniela Pegna, rts / Martin Morcinek; Stand der Performance-Angaben: 9. November 2010; Charts zeigen die Kursentwicklung über zwölf Monate)

Wer als Anleger am deutschen Aktienmarkt auf die zweite Börsenliga setzt, scheint in diesem Jahr alles richtig zu machen.

Mit einem Plus von gut 26,5 Prozent bis Anfang November steuert der Nebenwerteindex MDax mit Volldampf auf den Abschluss eines seiner besten Börsenjahre zu.

Der Dax sieht dagegen alt aus. Der deutsche Leitindex schafft von Januar bis November nur ein vergleichsweise mageres Plus von rund 13 Prozent.

"Die Entwicklung des MDax ist schon eine stramme Leistung", sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Commerzbank.

"Wir haben unsere Prognose für den MDax im Laufe des Jahres bereits auf 9300 angehoben und jetzt ist er auch da drüber."

Zum Ende der ersten Novemberwoche markierte der Nebenwerteindex mit seinen 50 mittelgroßen Unternehmen bei 9500,56 Punkten ein neues Jahreshoch.

Im Chart sieht das in der Betrachtung über zwölf Monate so aus: MDax (ISIN DE0008467416)

Den Grund für das bessere Abschneiden der Nebenwerte sieht Christian Kahler von der DZ Bank vor allem in der Branchenzusammensetzung.

Der MDax spiegele deutlich besser die gute Entwicklung der deutschen Konjunktur wider, heißt es.

Im MDax sind zahlreiche Maschinenbauer, Autozulieferer und Chemiefirmen versammelt. Der Index profitiert von der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft.

"Gerade die hohe Nachfrage der Schwellenländer hat ihnen deutlich Auftrieb beschert", sagt DZ-Bank-Experte Kahler.

Die Export-Ausrichtung hatte ihren Preis: Auf den Absturz der Finanzmärkte und die weltweiten Konjunktureinbrüche im Jahr 2008 folgte ein tiefer Fall der Nebenwerte.

In jenem Schreckensjahr verbuchte der MDax mit 43,2 Prozent sein bislang größtes Minus - eher ungewohnt für den Nebenwerte-Index. Zuvor hatte der MDax seit seiner Gründung 1996 überhaupt erst zwei Mal ein Jahr nicht mit Zuwächsen abgeschlossen.

Der Dax kommt 2008 auf einen Abschlag von 40,4 Prozent.

Dax (ISIN DE0008469008)

Richtig an der Reißleine zerren die Anleger allerdings im ersten Quartal des Krisenjahres 2009: ...

Der MDax rutscht 21 Prozent ab - der Dax gibt innerhalb der ersten drei Monaten des Jahres 15,1 Prozent nach.

Nach solchen Erfahrungen hätte ein weiterer Abstieg im laufenden Jahr manchen Börisaner nicht verwundert.

Im Frühjahr 2010 gehen viele Anleger angesichts der Schuldenkrise in Europa und der Angst vor einem Rückfall in die Rezession auf Nummer sicher.

Am Markt stellen sich die Beobachter darauf ein, dass die Masse der Investoren lieber wie bisher auf die hochkapitalisierten und breit aufgestellten Standardwerte setzt.

Doch es kommt alles ganz anders. Die Stimmung im Kreis der Standardwerte erweist sich als wechselhaft. In der zweiten Reihe sieht es dagegen viel besser aus.

Weil die Konjunktur brummt, sei die Gewinnentwicklung im MDax einfach besser, erklärt Frank Hansen, Leiter des europäischen Mid-/Small Cap Teams bei Allianz Global Investors (AGI).

Mit zu den gefragtesten Werten im MDax zählen die Titel des Chemiekonzerns Lanxess, die sich seit Jahresbeginn um rund 93 Prozent verteuerten.

Lanxess (ISIN DE0005470405)

Wegen des kräftigen Aufschwungs in der Automobilbranche können auch die Aktien von Continental, Leoni und Elringklinger punkten.

Wer zu Jahresbeginn eingestiegen ist, kann sich bei diesen drei bis November über Kursgewinne zwischen 45 und 63 Prozent freuen.

Continental (ISIN DE0005439004)

ElringKlinger (ISIN DE0007856023)

Leoni (ISIN DE0005408884)

Profitiert hat der MDax in diesem Jahr allerdings nicht nur von seiner eigenen Stärke, sondern auch von der mageren Entwicklung einiger Dax-Schwergewichte.

"Allein die Verluste von RWE und Eon haben den Dax ordentlich nach unten gezogen", sagt ICF-Chefanalyst Klaus Stabel.

Eon (ISIN DE000ENAG999)

RWE (ISIN DE0007037129)

Auf den Kursen der Energieversorger lastet den Experten zufolge die Debatte über die Verlängerung der Laufzeiten ihrer Kernkraftwerke und der Streit um die Brennelementesteuer.

Hinzu kommt aus Sicht von AGI-Fondsmanager Hansen auch ein psychologischer Faktor: "Viele Anleger haben größeres Vertrauen in MDax-Unternehmen wie Fielmann, Fuchs Petrolub oder Axel Springer, die zum Teil noch in Familienhand sind und deren Streubesitz-Anteil geringer ist."

Axel Springer (ISIN DE0005501357)

Fielmann (ISIN De0005772206)

Fuchs Petrolub (ISIN DE0005790430)

Aus Sicht der Investoren sei Familienbindung oft ein Garant für stabile Erträge, meint auch DZ-Bank-Analyst Kahler.

Für den Bundesverband der Deutschen Industrie und die Analysten der Deutschen Bank liegen die Gründe auf der Hand. In einer gemeinsamen Studie kommen sie zu dem Ergebnis: ...

... Es ist vor allem die hohe Eigenkapitalquote, die genügend Spielraum für den Aufschwung bietet. Sie macht deutsche Familienunternehmen zu den Gewinnern des Wirtschaftsbooms.

Uneinig sind sich die Experten allerdings darüber, wie viel Luft dem MDax nach oben bleibt.

Während Fondsmanager Hansen schon allein wegen der starken Autokonjunktur in den kommenden sechs Monaten noch ein Aufwärtspotenzial von zehn bis 15 Prozent sieht, ist Commerzbank-Analyst Hürkamp zumindest kurzfristig deutlich skeptischer.

"Der MDax könnte in den nächsten zwei Quartalen etwas schwächer laufen, da die Aktien zu teuer geworden sind", schätzt Coba-Analyst Hürkamp.

Mittelfristig sagt aber auch Hürkamp dem MDax ein weiteres Wachstum voraus. Ein Ende des Exportbooms in Deutschland sei schließlich vorerst nicht in Sicht.

Neben den sieben bereits genannten Namen gibt es in der bunten Welt des MDax noch viel mehr Anlageperlen zu entdecken. 43 Titel warten auf ihren großen Auftritt.

Da wäre zum Beispiel das breit gefächerte Feld der Maschinen- und Anlagenbauer. Weil ihre Erzeugnisse weltweit einen hervorragenden Ruf genießen, bekommen sie die steigende Nachfrage aus dem Ausland nach der Krise mit als Erste zu spüren.

Um schwere Lasten kümmern sich im MDax zum Beispiel die Kräne von Demag Cranes.

Demag Cranes (ISIN DE000DCAG010)

Spezialmaschinen und Prozesstechnik steuert Gea Group bei.

Gea Group (ISIN DE0006602006)

Präzision und Export sind das tägliche Brot der Mitarbeiter bei Gildemeister: Das Unternehmen rechnet im kommenden Jahr mit hoher Nachfrage nach Werkzeugmaschinen.

Gildemeister (ISIN DE0005878003)

Druckmaschinen von Heidelberger Druck verwandeln Papier, Ideen und Farbpigmente in Kataloge, Zeitungen und Bücher. Der Aktienkurs wandelt allerdings mit minus 34,4 Prozent durch die rot gefärbte Zone.

Heidelberger Druck (ISIN DE0007314007)

Getränkeabfüllanlagen und der gesamte Materialfluss in Brauereien, Brausemischbetrieben und Sprudelfabrikationen sind das Reich von Krones, dem Spezialanlagenbauer aus Neutraubling in der Oberpfalz.

Krones (ISIN DE0006335003)

Die gestiegene Nachfrage nach Dieselantrieben und Systemen zur Energieerzeugung bescheren dem Motorenhersteller Tognum im dritten Quartal überraschend gute Ergebnisse.

Tognum (ISIN DE000A0N4P43)

Heißluftdämpfer und andere Geräte für Küchenprofis sind das Metier von Rational. Die Performance seit Jahresbeginn kann sich sehen lassen: Satte 44,7 Prozent.

Rational (ISIN DE0007010803)

Eine Spitzenposition, zumindest in alphabetischen Aufzählungen, hält die Aareal Bank inne: Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer stellt auch für das vierte Quartal "solide schwarze Zahlen" in Aussicht. Das Kursplus: 52,3 Prozent.

Aareal Bank (ISIN DE0005408116)

Mit der Deutschen Postbank taucht ein zweiter Vertreter aus der Bankenbranche auf. Die Deutsche Bank will bis zum Jahresende die Mehrheit an der einstigen Post-Tochter übernehmen.

Deutsche Postbank (ISIN DE0008001009)

Hannover Rück hält im MDax die Fahne der Versicherer hoch: Der Rückversicherer plant, zwischen 35 und 40 Prozent seines Jahresgewinns an die Aktionäre auszuschütten. Kursplus: 12,2 Prozent.

Hannover Rück (ISIN DE0008402215)

Nach den harten Zeiten der Krise erkennt der Büroimmobilienkonzern IVG wieder positive Trends am Vermietungsmarkt (plus 13,9 Prozent).

IVG Immobilien (ISIN DE0006205701)

Im Schatten der Büromärkte gewinnt das Geschäft mit Mietwohnungen an Anziehungskraft. Im Oktober zumindest sprachen Analysten mit Blick auf die Gagfah-Aktie von "Nachholpotenzial". Das Papier liegt in der Year-to-Date-Betrachtung 1,9 Prozent im Minus.

Gagfah (ISIN LU0269583422)

Neben IVG und Gagfah hält der MDax einen dritten Immobilientitel bereit: Einen Spezialisten für Einkaufszentren mit Namen Deutsche Euroshop (plus 13 Prozent).

Deutsche Euroshop (ISIN DE0007480204)

Europas größter Kupferhersteller folgt - dank des neuen Namens - in Rangfolgen oft dicht hinter der Aareal Bank: Aurubis (vormals Norddeutsche Affinerie) will künftig mehr im Ausland investieren. Da ist der Strom günstiger. Die Aktie liegt 32,6 Prozent im Plus.

Aurubis (ISIN DE0006766504)

Stahl hat wieder Konjunktur. Das verbessert die Aussichten von Salzgitter ebenso wie die von Klöckner & Co.

Salzgitter (ISIN DE0006202005)

Klöckner & Co (ISIN DE000KC01000)

Der Agrar- und Baustoffhändler Baywa wendet sich im Herbst mit einem Schuldscheindarlehen an den Kapitalmarkt: Das frisch eingesammelte Geld soll in Zukäufe auf den Gebieten Agrar und Energie fließen.

Baywa (ISIN DE0005194005)

Diese MDax-Personalie sorgt für Aufsehen: Der frühere Ministerpräsident Hessens wechselt aus der Politik in die Privatwirtschaft. Roland Koch lenkt künftig die Geschicke des zweitgrößten deutschen Baukonzerns Bilfinger Berger.

Bilfinger Berger (ISIN DE0005909006)

Beim größten deutschen Baukonzern stehen die Zeichen auf Sturm: Das Unternehmen bereitet sich in der Übernahmeschlacht mit Großaktionär ACS auf die entscheidende Phase vor.

Hochtief (ISIN DE0006070006)

"Die Chemie hat einen rasanten Aufholprozess hinter sich. Das Vorkrisenniveau liegt in greifbarer Nähe", heißt es Anfang November beim Verband der Chemischen Industrie (VCI). Im MDax sind drei Chemiker vertreten.

Wacker Chemie (ISIN DE000WCH8881)

SGL Carbon (ISIN DE0007235301)

Beim Chemikalienhändler Brenntag wächst der Streubesitz: Die Beteiligungsgesellschaft BC Partners trennt sich Anfang Oktober von einem 21,4-prozentigen Brenntag-Anteil.

Brenntag (ISIN DE000A1DAHH0)

Je mehr geordert, produziert und verkauft wird, desto mehr muss transportiert werden - zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Die Bereiche Luftfracht, Geschäftsreisen und Tourismus deckt im MDax nicht nur der Flughafenbetreiber Fraport ab.

Fraport (ISIN DE0005773303)

Für flug- und reisebegeisterte Anleger gibt es da noch die Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, ...

EADS (ISIN NL0000235190)

... die Papiere des Triebwerksherstellers MTU Aero Engines und ...

MTU Aero Engines (ISIN DE000A0D9PT0)

... und die Titel des Urlaubskonzerns Tui.

Tui (ISIN DE000TUAG000)

Stellvertretend für Transport über die Weltmeere und den Umschlag in den deutschen Seehäfen: Die Aktien des Hafenbetreibers HHLA.

HHLA (ISIN DE000A0S8488)

Experten für schienengebundene Verkehrstechnik finden sich in Werdohl bei Vossloh.

Vossloh (ISIN DE0007667107)

Reiche Erträge versprachen sich die Anleger von jenen deutschen Nebenwerte, die näher am Menschen und seinem persönlichen Befinden arbeiten.

Bei Gerresheimer werden sie nicht enttäuscht: Die Aktien des Spezialglas- und Kunststoffspezialisten haben sich seit Jahresbeginn um knapp 20 Prozent verteuert.

Gerresheimer (ISIN DE000A0LD6E6)

Für den Arzneimittelhersteller Stada dagegen sieht die Lage nicht ganz so strahlend aus. Die Aktie läuft deutlich schlechter als der Gesamtmarkt. Seit Jahresbeginn geht es für Stada-Anleger rund 7 Prozent abwärts.

Stada (ISIN DE0007251803)

Die Aktien des Krankenhausbetreiber Rhön Klinikum geben im gleichen Zeitraum 6,8 Prozent nach.

Rhön-Klinikum (ISIN DE0007042301)

Beim Stuttgarter Pharmahändler Celesio rechnen Analysten damit, dass die drastischen Einsparungen im britischen Gesundheitssystem Spuren in der Bilanz hinterlassen werden.

Celesio (ISIN: DE000CLS1001)

Richtig bunt wird es in den Segmenten Einzelhandel, Unterhaltung und Konsumgüter. Hier liefen die bekannten Namen sehr unterschiedlich:

Die Aktie des Einzelhandelskonzerns Douglas steigt seit Jahresbeginn um 18 Prozent.

Douglas (ISIN DE0006099005)

Die Papiere des Münchener Modekonzern Hugo Boss haben ihren Kurs zwischen Neujahr und November nahezu verdoppelt.

Hugo Boss (ISIN DE0005245534)

Der Kurs von Kabel Deutschland zieht um 52,9 Prozent an.

Kabel Deutschland (ISIN DE000KD88880)

Bei der Baumarktkette Praktiker machen die Anteilseigner dagegen lange Gesichter. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 7 Prozent verloren.

Praktiker (ISIN DE000A0F6MD5)

Treue hat sich bei Prosiebensat1 belohnt: Die Aktie gewinnt seit Jahresbeginn 166,8 Prozent.

ProSiebenSat.1 (ISIN DE0007771172)

Der schärfste Konkurrent des im Leitindex notierten Sportartikelherstellers Adidas läuft dem Markt hinterher: Die Puma-Aktie trabt immerhin 8,2 Prozent ins Plus.

Puma (ISIN DE0006969603)

Deutlich größer fällt die Enttäuschung beim Bezahlsender Sky Deutschland aus. Die Aktie liegt 51 Prozent unter ihrem Niveau vom Jahresstart.

Sky Deutschland (ISIN DE000SKYD000)

Das Thema Agrarrohstoffe besetzt im MDax Südzucker. Die Aktien des größten Zuckerhersteller Europas schieben sich seit Anfang Januar um 16,1 Prozent vor.

Südzucker (ISIN DE0007297004)

Symrise versorgt Luxuskonzerne und die Nahrungsmittelhersteller mit Düfte, Aromen und andere Zusatzstoffen. Das Plus seit Jahresbeginn: 41,5 Prozent.

Symrise (ISIN DE000SYM9999)

Mit dem Verkauf von Kassensystem, Geldautomaten und anderer IT-Technik zählt Wincor Nixdorf zu den stillen Größen. Anleger freuen sich über ein Kursplus von 19,5 Prozent.

Wincor Nixdorf (ISIN DE000A0CAYB2)

Ob der MDax seinen Vorsprung halten kann? Bis zum Jahresende ist es noch ein langer Weg.

(Text: Daniela Pegna, rts / Martin Morcinek; Stand der Performance-Angaben: 9. November 2010; Charts zeigen die Kursentwicklung über zwölf Monate)

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