"Wetten, dass..." es nicht endgültig ist?Der gute alte Thommy sagt Servus

Es war nicht die ganz große Show, die Thomas Gottschalk bei seiner letzten regulären Ausgabe von "Wetten, dass..." lieferte. Aber sie war schön, unterhaltsam, teilweise sogar spektakulär. Ein würdiger Anfang seiner Abschieds-Tournee, die eigentlich gar keine ist.
Er schafft es einfach nicht ohne einen hässlichen Fummel am Leib. Eigentlich sah Thomas Gottschalk in seiner offiziell letzten "Wetten, dass...?"-Show zunächst ganz adrett aus: beige Kurzarm-Robe, weißes Leinenhemd, eine Mischung aus alternativem Aussteiger und Mallorca-Pensionär. Aber dann walzte Überraschungsgast Cindy aus Marzahn in die Stierkampfarena von Palma de Mallorca. Wenig später hatte sie Gottschalk ein glitzerndes Discounter-Jackett übergeworfen - und da war wirklich wieder alles beim Alten.
Die letzte offizielle Ausgabe von "Wetten, dass...?" mit Thomas Gottschalk war nicht der ganz große Wurf, eher solide Routine mit den üblichen Einsprengseln spontaner Lustigkeit. Wer einen bewegenden Abschied erwartet hatte, wurde enttäuscht. Trotzdem wird man die letzte Ausgabe unter Gottschalks Leitung als eine der besseren "Wetten, dass...?"-Sendungen in Erinnerung behalten: Das Publikum tobte, die Kulisse war großartig und die Gäste teilweise ein echter Gewinn. Es wurde klar, warum die Show so lange so gut mit dem blonden Gummibärchen-Mann funktioniert hat - und warum sie jetzt dringend einer Überholung bedarf.
Cameron, Kevin, Cindy und die anderen
Die "heißeste Gästeliste" des Sommers", die zu Beginn der Sendung versprochen wurde, war vielleicht etwas übertrieben. Schauspielerin Cameron Diaz und Komiker Kevin James (aus "King of Queens") waren vor allem da, um Werbung für ihre neuen Filme zu machen. Diaz sagte wenig, diente aber auch hauptsächlich als hübscher Blickfang, während James wenigstens einen grandiosen Auftritt hinlegte, als er die Kutsche, mit der er eigentlich einfahren sollte, einfach selber in die Arena zog. Auch die Chemie zwischen ihm und Überraschungsgast Cindy aus Marzahn stimmte: Sie presste dem nicht gerade schmalen James bei der Begrüßung die Luft aus dem Körper und der musste sein Entsetzen darüber nicht einmal spielen.
Vettel rettet Gottschalk
Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel brauste gleich zu Beginn auf einem Kart herein, wirbelte Staub auf und brachte mit überraschend viel Witz ordentlich Schwung aufs Sofa. Erst parierte Vettel Gottschalks eher müde Fragen ("Kannst du denn auch normal Auto fahren?"), dann bewies er bei der ersten Wette auch noch ein Auge fürs Detail. "Habt ihr nicht normalerweise mehr Luft in den Reifen?", wollte Vettel von Wettkandidat Martin Direske wissen, der auf dem Hinterrad seines Spezial-Mountainbikes einen Stangen-Parcours abhüpfen wollte. Die Wette klappte dann leider nicht, was aber nicht am Reifendruck lag, sondern an der deutlich sichtbaren Nervosität des jungen Trick-Bikers.
Vettel war es dann auch, der Gottschalk bei Sängerin Jennifer Lopez rettend zur Seite sprang. Die wusste nämlich weder, wer Vettel ist, noch kannte sie die Band "Status Quo", die erst wenige Sekunden zuvor als erster Musikgast aufgetreten war und seit den 60er Jahren im Rock-Geschäft ist. Gottschalk verzweifelte, aber Vettel half: "Do you know Bratwurst?" Da nickte die Pop-Diva heftig, natürlich kenne sie "German sausage". Die Ehre der Heimat war wieder hergestellt. Vom anschließenden Interview mit Lopez bleibt nur der Moment in Erinnerung, als ihr Kleid etwas verrutschte. Die Fotografen freuten sich über tiefe Einblicke ins Dekolletee und Deutschlands größte Klatsch-Zeitung hatte ein erstes Highlight zu vermelden.
Bohlen kann reiten
Den Dieter Bohlen aber kannte die "JLo", und der kam dann auch prompt auf einen Pferd in die Arena geritten. Bohlen prollte ein wenig in Sachen "Deutschland sucht den Superstar", schließlich saß mit Lopez die Moderatorin des US-amerikanischen Vorbilds "American Idol" neben ihm. Sein aktueller Gewinner, Pietro Lombardi, sei so toll, dass er seit Wochen auf Platz 1 in den Charts stehe, frotzelte Bohlen. Beim späteren Auftritt von "Superstar" Lombardi mit seiner DSDS-Liebe Sarah Engels griffen die Macher der Show dann doch lieber auf Playback zurück. Lopez selbst sang später selbstverständlich live - ganz Superstar eben.
Die Show hatte sich schnell auf den üblichen Rhythmus eingependelt. Gottschalk moderierte sich souverän, aber unvorbereitet von einem improvisierten Gag zum nächsten, während Michelle Hunziker die Arbeit übernahm. Gerade das ist wohl der eigentliche Wermutstropfen an Gottschalks Abschied: Die beiden passen einfach zusammen. Die schöne Schweizerin hält die Show am Laufen, geht auf die Gäste ein, spielt den idealen Sidekick, während Gottschalk mit Spontanität brilliert. Zum Beispiel, als die unvermeidliche Heidi Klum auf Mega-Stilettos die Arena stöckelte, gekleidet in ein hautenges Ganzkörperkleid, das Gottschalk zu Recht für aufgemalt hielt. Später lobte der den "Klum(p)-Fuß", küsste galant Hunzikers verletztes Bein und animierte die Menge zum "Rocky Horror Show"-Tanz.
Hommage an Elstner
Seine Idee, Frank Elstner die letzte Wette moderieren zu lassen, war gleich doppelt genial. Zunächst war es eine schöne Brücke in die Vergangenheit der Show, eine Hommage an seinen Vor-Vorgänger. Andererseits zeigte es auch, wie viel besser "Wetten, dass...?" durch Gottschalk wurde.
Aber da war eben auch der Effekt, den Gottschalk selbst noch am Tag vor der Ausstrahlung in einem Interview beklagte: Die Sendung ist berechenbar geworden. Ändern könne das nur ein neues Gesicht und ein neues Konzept: "Die Sendung muss jünger werden."
Tränen des Abschieds werden wohl erst in den kommenden drei Spezialsendungen fließen, wenn der 61-Jährige endgültig Lebewohl sagt. Wobei "endgültig" ja gar nicht stimmt: Gottschalk macht weiter. Angebote von ARD und ZDF liegen vor, es wird also weitergehen. Auf Mallorca zeigte "der Thommy", warum das gar nicht so schlecht sein muss.