Frank MeyerLektionen gelernt
Die Amerikaner sparen inzwischen wieder 6,9 Prozent des ihnen zur Verfügung stehenden Einkommens. "Holla", ruft Telebörse-Moderator Frank Meyer. Für den Konsum, die Stütze des US-Wirtschaft, bleibt da wenig übrig.
Eine Billion Dollar haben die US-Bürger inzwischen in die Hand genommen, um Schulden abzuzahlen oder das Sparschwein zu füttern. Yes, they can! Und das sind die wirklich schlechten Nachrichten aus den USA für alle, die glauben, dass die Krise ganz schnell vorbei geht. Für den Konsum bleibt weniger übrig. Und das in einem Land, das zu knapp 72 Prozent davon abhängig geworden ist.
Von 236 Millionen Amerikanern sind offiziellen Angaben zufolge 139 Millionen beschäftigt. Anders gerechnet, stehen 58,8 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung in Lohn und Brot. 35,8 Millionen Amerikaner erhielten im Juli im Rahmen des sogenannten SNAP-Programms der Regierung Lebensmittelkarten in Höhe von je 133,31 US-Dollar. Dem nicht genug. Die Unternehmen sitzen gerade an ihren wegen der Produktivität so oft angeratenen Hausaufgaben und schicken die Leute nach Hause. Es wird enger in den Taschen. Auf Jahressicht sind die Löhne um Es muss deshalb mehr dahinter stecken, als eine Modewelle, wenn man Sparen entdeckt. Vielleicht ist es sogar die Einsicht, dass die fetten Jahre vorbei sind und man sich darauf einrichten sollte.
Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 3,5 Prozent. Angesichts der staatlichen Milliardenhilfen scheint das etwas mager zu sein. Was passiert, wenn der Stimulus ausbleibt oder sich als nicht ausreichend erweist? Und was ist, wenn der Konsument nicht nur seine Lektionen lernt sondern sogar auch noch umsetzt, indem er auf unnützen Krempel verzichtet?
Durchgerüttelt, ausgeschüttelt
Auch hierzulande scheint das Geld nicht mehr so locker zu sitzen, erfahren wir aus den Einzelhandelsumsätzen im Oktober. Mit einem Minus von 4,8 Prozent auf Jahressicht inklusive der Abwrackprämie stellt sich die Frage, welcher Herkunft die ständig literweise verspritzte gute Stimmung sein könnte. Hoffnung? Dummheit? Blindheit? Zweckoptimismus? Ein Mix aus allem? Tatsache ist, dass wirtschaftliche Aufschwünge in den letzten Jahren immer weniger Bürger erreichen, auch wenn die Politik das anders sieht.
Die Siebe sind auch hierzulande grobmaschiger als früher geworden. Schnell rutscht es sich durch die neuen Maschen. Deshalb ist es auch hierzulande nicht verwunderlich, dass Leute ihr Geld eben nicht mehr primär in Kauftempel schleppen, sondern es sparen, teils sogar unter dem Kopfkissen, wofür sie belächelt werden. 18 Prozent der Sparer verstauen die Scheine zu Hause, verrät eine Studie der GfK. Sie haben das Prinzip verstanden. Wenn sie sich dann noch fragen, wie sicher aus Baumwolle gefertigte Geldscheine sind, werden sie einen Teil ihre Ersparnisse in etwas nicht so schnell "Brennbares" tauschen. Ja, es gibt sie tatsächlich - die Lernkurve.
Zu spät
Wie geht es weiter mit den überschuldeten Nationen und ihren Bürgern? Werden sie bankrott gehen? Ich weiß es nicht, doch es wäre logisch. Es würde lange Zeit dauern, bis die Schulden abgezahlt sind und man mit den Hausaufgaben durch ist. Sicher ist, dass die Notenbanken nicht nur zuschauen werden, sondern ihre Fehler fortsetzen und wiederholen wollen. Null-Zinsen, staatliche Alimentierung von Wirtschaft und Bürger zeigen auch heute wieder den Weg, der, wenn er verlassen würde, zum Chaos führen würde.
1929 hat es ein paar Jahre gedauert, bis es wieder aufwärts ging. Wie lange dauert es aber heute in einem Meer an Schulden, gesättigter Märkte und einem Zuviel an Blasen? Wir brauchen jetzt eine größere Blase, sagte Professor Paul Krugmann, der berühmte Nobelpreisträger der Wirtschaft. Nun ja, der Nobelpreis ist bekanntlich auch nicht mehr das, was er früher mal war.