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Das Pferdchen soll wieder allein galoppieren - Staat zieht sich aus Bank zurück.
Das Pferdchen soll wieder allein galoppieren - Staat zieht sich aus Bank zurück.(Foto: REUTERS)

Milliardenschwere Aktienverkäufe: London zieht sich aus Lloyds zurück

Fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise beginnt die britische Regierung mit dem Verkauf ihrer Lloyds-Anteile. Dies sei ein entscheidender Schritt bei der Erholung von der Krise, heißt es. Dagegen kommen auf Barclays offenbar erhebliche Zahlungen aus Aktionen in jenen Tagen zu.

Die britische Regierung beginnt mit dem Verkauf ihres Anteils an der mit Staatshilfen geretteten Großbank Lloyds. Wie die nationale Beteiligungsgesellschaft UK Financial Investments (UKFI) ankündigte, will sie zunächst ein Aktienpaket von sechs Prozent veräußern. Dieses hat gemessen am Schlusskurs vom Montag einen Wert von 3,3 Milliarden Pfund (rund 3,9 Milliarden Euro). Mit dem Schritt würde sich die Beteiligung des Staates auf 32,7 Prozent reduzieren. Vor einem weiteren Anteilsverkauf will UKFI, die auch die Beteiligung an der ebenfalls mit öffentlichen Geldern gestützten Royal Bank of Scotland (RBS) verwaltet, mindestens 90 Tage warten.

Die Regierung hatte Lloyds 2008 in der Finanzkrise aufgefangen und insgesamt umgerechnet knapp 25 Milliarden Euro an Steuermitteln in das Geldhaus gepumpt. Für Lloyds und RBS zusammen beliefen sich die Rettungsgelder sogar auf 79 Milliarden Euro. Aus Regierungssicht ist die Trennung von den Bankenanteilen ein entscheidender Schritt, damit sich das Land von der Krise erholen kann. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, dabei sollten der größte Wert für die Steuerzahler erzielt sowie die Wirtschaft unterstützt werden.

Lloyds zurück in der Spur

Mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen sagten, die Lloyds-Papiere sollten noch vor Börsenbeginn am Dienstag bei Investoren untergebracht werden. Dies geschehe zu einem sehr geringen Abschlag auf den Schlusskurs vom Montag, der bei 77 Pence lag. Die Regierung hatte die Aktien zu einem Durchschnittskurs von 73,6 Pence gekauft. Früheren Insiderinformationen zufolge wird der Verkaufspreis über diesem Niveau liegen.

Lloyds-Chef Antonio Horta-Osorio hat das Institut seit seinem Amtsantritt 2011 zurück in die Spur gebracht. Es schreibt wieder Gewinne und kommt bei der Senkung der Kosten und der Stärkung der Kapitaldecke schneller voran als geplant. Investoren hoffen darauf, dass Lloyds ab kommendem Jahr wieder Dividenden zahlt.

Der Anteilsverkauf wird von den Instituten JPMorgan, Bank of America Merrill Lynch und UBS über die Bühne gebracht.

Anders als RBS und Lloyds konnte der heimische Rivale Barclays einen Einstieg des Staates vermeiden. Er sicherte sich in der Krise die Unterstützung des Golfstaates Katar, der umgerechnet 6,3 Milliarden Euro investierte und zum größten Barclays-Aktionär aufstieg.

Behörden beleuchtet Katar-Einstieg

Doch der Einstieg des Golfstaats Katar hat für die britische Großbank Barclays ein bitteres Nachspiel. Die heimischen Behörden stoßen sich daran, dass das Institut an Katar gezahlte Beratungsgebühren über umgerechnet 384 Millionen Euro nicht öffentlich gemacht hat. Wie aus einem Verkaufsprospekt für eine Kapitalerhöhung hervorgeht, will die Aufsichtsbehörde FCA deswegen gegen das Geldhaus eine Strafe von etwa 60 Millionen Euro verhängen. Die Behörde bestätigte lediglich das Resultat ihrer einjährigen Ermittlungen, wollte sich aber sonst nicht zu dem Fall äußern. Barclays will das Ergebnis anfechten.   

Die Beratungsgebühren basieren auf einer Vereinbarung mit der Staatsholding Katars von 2008. Wie hoch die Zahlungen waren, hat Barclays bislang nie genannt. Vor fünf Jahren kaufte sich der Golfstaat in das angeschlagene Geldhaus ein

Ärger droht dem in etliche Skandale in der Bankenbranche verwickelten Geldhaus zudem nach der Niederlage in einem Rechtsstreit mit einer Treuhandgesellschaft in Kanada, der sich um den Verkauf von Kreditausfallversicherungen drehte. Dies könnte die Bank nach deren Auskunft 363 Millionen Euro kosten.

Schwächen im operativen Geschäft

Probleme hat Barclays auch im operativen Geschäft. Wegen eines schwachen Investmentbankings sei das Ergebnis in den Monaten Juli und August um umgerechnet rund 596 Millionen Euro gesunken, hieß es in dem Prospekt. Der bereinigte Gewinn sei in den ersten acht Monaten des Jahres um fünf Prozent zurückgegangen.

An der Börse stand jedoch die aktuelle Kapitalerhöhung über gut sieben Milliarden Euro im Fokus. Börsianer rechneten mit einer starken Nachfrage, was den Barclays-Kurs um 1,3 Prozent in die Höhe trieb.

Quelle: n-tv.de