Hobby als BerufProfessor für Computerspiele
Was viele in ihrer Freizeit lieben, macht Maic Masuch beruflich: Er spielt Computerspiele. Am liebsten mag er Abenteuerspiele mit einer schönen Geschichte, aber auch mit Strategie- und Actionspielen kennt er sich aus.
Was viele in ihrer Freizeit lieben, macht Maic Masuch beruflich: Er spielt Computerspiele. Am liebsten mag er Abenteuerspiele "mit einer schönen Geschichte", aber auch mit Strategie- und Actionspielen kennt er sich aus.
Früher spielte der Professor für Computerspiele oft stundenlang. Doch heute kommt der 42-jährige aus Zeitmangel "meistens nur mitten in der Nacht" mal eine Stunde dazu. An der Fachhochschule (FH) Trier lehrt er, wie Computerspiele entworfen und entwickelt werden. "In Spielen kann man die ganze Informatik abbilden: Von der Software über Medientechnik bis hin zum interdisziplinären Arbeiten", sagt Masuch. Im Herbst startet der gebürtige Braunschweiger mit seinen Kollegen an der FH den Studiengang "Digitale Medien und Spiele" - den ersten seiner Art an einer öffentlichen Hochschule in Deutschland.
"Es gab und gibt nach wie vor wenige Experten auf diesem Gebiet", sagt Masuch. Dabei wachse in der Medien- und Computerspiel-Industrie der Bedarf an Spezialisten ungemein. "Meine Absolventen sind so gefragt, dass sie fast alle einen Job noch vor ihrem Abschluss haben", sagt Masuch, der als 36-Jähriger an der Universität Magdeburg die bundesweit erste Professur für Computerspiele bekam. Der weltweite Umsatz mit digitalen Spielen werde sich bis 2010 von rund 25 Milliarden Euro auf etwa 50 Milliarden Euro verdoppeln.
Computerspiele als "hohe Kunst"
Bereits heute sei das Spielen am Computer alltäglich geworden. "Leute, die Computerspiele nur als Zeitverschwendung und Gefahr sehen, werden über kurz oder lang aussterben", sagt Masuch. In 30 Jahren, ist sich der Informatik-Professor sicher, werde man über Computerspiele als "hohe Kunst" sprechen, vergleichbar mit dem Theater und dem Kino. Die Qualität werde immer höher, die Spiele immer perfekter. An einem "Topseller" arbeiteten schon heute 75 Experten für 10 bis 15 Millionen Euro zwei Jahre lang. "Das ist inzwischen vergleichbar mit einem Filmprojekt", sagt Masuch.
Zunehmend entdeckten Firmen jetzt auch Lernspiele. "Wenn das Lernen Spaß macht, ist es das A und O." Anders als im Frontalunterricht bekämen Kinder bei einem Computerspiel eine "direktes Feedback". Ein Pluspunkt jener Spiele sei auch, dass sie genau auf das Können des Spielers eingestellt werden könnten. "Sie treffen genau den Korridor zwischen Anforderung und Können." Noch sei der Lernspiele-Markt klein. Doch der Professor ist sich sicher, dass er künftig stark wachsen wird.
In einem Seminar an der FH Trier entwickeln die Studenten Prototypen von Spielen - von der Idee bis zum Produkt. Jedes Jahr entstehen zehn bis 12 Spielideen, von denen die Hälfte auch umgesetzt wird. "Die großen Titel werden natürlich in Eigenregie von den Studios entwickelt", sagt Masuch. Aber Spielideen mitgenommen haben Absolventen auch schon mal, als sie angeworben wurden. Derzeit in Arbeit sei "ein Adventure über das römische Trier", in dem ein Baumeister das Stadttor Porta Nigra neu bauen muss, weil er eine große Statue dagegen fallen ließ.
Die Nachfrage nach dem neuen Studiengang sei enorm. "Wir haben schon Anfragen aus ganz Deutschland." Das liege sicher auch daran, dass in der Informatik das Arbeiten mit digitalen Spielen einfach spannender sei als vielleicht Versicherungsmathematik. "Die Grundlagenforschung der 1980er Jahre ist weitgehend geklärt." Die Informatik wandele sich und verstehe sich zunehmend als "technischer Dienstleister" der Ingenieurwissenschaft. Masuch hofft, mit dem Studium - das auch Design beinhaltet - auch mehr junge Frauen in die Seminarräume zu holen. Denn während in anderen Ländern der Anteil der Damen bei angehenden Informatikern um die 30 bis 40 Prozent liege, stagniere er in Deutschland bei zehn Prozent.