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Gordon Gekko is back.
Gordon Gekko is back.(Foto: picture alliance / dpa)

Gordon Gekko und die Gier: Stones "Wall Street - Geld schläft nicht"

von Thomas Badtke

"Gier ist gut." Dieser Satz macht Michael Douglas zur Ikone der Wall-Street-Banker und Oliver Stones Film "Wall Street" 1987 zum Kinohit. Nun ist Gordon Gekko auf DVD zurück: gierig, rachsüchtig - und sympathisch wie eh und je.

Was ist in den vergangenen Jahren über die Gier an der Wall Street alles geschrieben worden. Es ging um Milliarden-Boni, Bankenpleiten, geprellte Anleger, moralisches Risiko, die Sozialisierung von Verlusten. Ja, sogar der Kapitalismus wurde, wenn auch nicht unbedingt zu Grabe getragen, doch aber in Frage gestellt. Und das alles wegen der Gier. Der Gier nach mehr und immer mehr und das von allem. Und dabei hieß es doch jahrelang: "Gier ist gut."

Das hatte uns ein gewisser Gordon Gekko Ende der 1980er Jahre als Mantra in den Kopf gehämmert. Gordon Gekko, das Vorbild einer ganzen Generation von Wall-Street-Bankern. Gordon Gekko, ein Bösewicht, so charmant, dass ihm die Sympathien nur so zuflogen. Gordon Gekko, für dessen Verkörperung Michael Douglas den Oscar erhielt. Gordon Gekko, die Filmfigur in Oliver Stones "Wall Street". Jahrzehntelang war es ruhig um den nur Limousine fahrenden, Maßanzüge und Hosenträger tragenden Börsenhai geworden. 2010 kehrte er zurück auf die Leinwände. Nun ist "Wall Street - Geld schläft nicht" auch für das Heimkinovergnügen zu haben. Aber ist es auch wirklich ein Vergnügen? Es scheint da ja die goldene Hollywood-Regel zu geben: Ein zweiter Teil ist nie besser als der erste …

Gier, Rache, Vater-Tochter-Konflikt

Die Story von "Wall Street 2" ist recht  schnell erzählt: Es geht um Gordon Gekko (Michael Douglas) und die Gier, eingepackt in ein bisschen Familiendrama, den Konflikt Vater-Tochter, denn Gekkos Tochter Winnie (Carey Mulligan) will von ihm nichts mehr wissen. Ihrer Meinung nach hat er die Familie zerstört und ist für den Selbstmord ihres Bruders verantwortlich. Mit dabei ist auch wieder ein junger, aufstrebender Wall-Street-Banker auf der Suche nach einer Vaterfigur, einem Mentor: Jake Moore (Shia LaBeouf). Und natürlich geht es am Ende wieder um Rache, am besten eiskalt und süffisant serviert.

Michael Douglas (r.) und Shia LaBeouf: "Kaufe Anacott Steel!"
Michael Douglas (r.) und Shia LaBeouf: "Kaufe Anacott Steel!"(Foto: REUTERS)

Das Ganze erinnert damit stark an den ersten "Wall Street"-Film. Ein Plagiat ist es aber nicht. Eine gut gemachte Kopie? Vielleicht. Denn plötzlich fragt Gekko sich und die Welt: "Ist Gier gut?" Jawohl! Und sie ist zudem legal. Und los geht's mit der Finanzkrisen-Analyse des Regisseurs Oliver Stone: Gekko spricht über gelangweilte Banker, die Hebelzertifikate von 40:1 oder gar 50:1 entwickeln, kaufen und verkaufen, aber doch keine Ahnung davon haben. Und wieso das Ganze? Weil sie es ganz einfach können. Auf gut deutsch: "Brechstangen-Banking", wie Gekko es süffisant lächelnd nennt. Er spricht von der "Ninja-Generation" (no income, no job, no assets), von erfundenen Namen für Billionen von Kreditleistungen, allesamt "Massenvernichtungswaffen". "Hey, sind da draußen denn alle verrückt?" Es scheint so.

"Geld ist eine Hure"

Die Wurzel allen Übels für Gekko ist die Spekulation: "Fremdfinanzierung. Unterm Strich heißt das: Überschuldung ohne Ende. Systemisch bösartig und global - wie Krebs. Es ist eine Krankheit und wir müssen sie bekämpfen. Aber wie?", fragt er sich und die Zuhörer seines Vortrags. Eine Antwort darauf liefert der Film nicht. Aber hat das denn jemand erwartet? Nicht wirklich.

Doch Regisseur Oliver Stone und Michael Douglas als Gordon Gekko sorgen dafür, dass die Suche nach der Antwort hoch unterhaltsam verläuft. Gekko ist der Fiesling, wie er im Buche steht, geblieben. Denn welcher normale Vater würde seine eigene Tochter bestehlen? Gekko ist noch immer purer, ätzender Sarkasmus, egal ob Berufsleben ("Wie lautet die Definition von Wahnsinn? Immer und immer wieder Dasselbe zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten.") oder Privatleben ("Beziehungen sind genau wie Spekulationsblasen: sehr zerbrechlich.") betreffend. Er liefert Lebensweisheiten rund um die Wall Street, rund um die Uhr, denn "Geld ist eine Hure, die nie schläft und sie ist immer eifersüchtig".

Douglas überstrahlt den Rest

Gegen Douglas als Gekko verblasst selbst Josh Brolin, der Gekkos großen Gegenpart Bretton James spielt. Und das will etwas heißen. Dass Jungstar LaBeouf als Gekkos neuer Ziehsohn und "Sportsfreund" Jake Moore nicht an den Zigarre rauchenden Bud Fox (Charlie Sheen) aus "Wall Street" heranreicht, überrascht dagegen nicht. Dass Susan Sarandon - die Moores Mutter mimt, die es vom Krankenhaus, wo sie einst als Krankenschwester den Menschen geholfen hat, dank der Gier ins Immobiliengeschäft verschlagen hat - eher blass bleibt, überrascht ebenfalls.

Und auch Mulligan als Winnie kann nicht überzeugen. Lediglich Frank Langella, der im Film den Investmentbanker alter Schule und Mentor Jakes gibt, kann an Douglas schauspielerische Klasse heranreichen. Douglas aber ist im Film omnipräsent. Er schafft es erneut, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen, obwohl der doch weiß, dass Gekko ein hintertriebener Bösewicht ist, der - wie in den guten alten "Wall Street"-Zeiten - aus Rache so manchen kalt stellt.

"The Good, The Bad and The Ugly"

Was "Wall Street - Geld schläft nicht" zu einem "guten" Film macht, sind neben den Dialogen (Moore zu James: "Jeder hat einen Preis vor Augen, bei dem er aussteigt, um nur noch zu leben. Wie lautet ihrer?" James: "Mehr!") Stones Hang zur Symbolik, seine Liebe zu kleinen Details und seine Gesellschaftskritik. Da wäre beispielsweise Gekkos altes, klobiges Mobiltelefon, das Relikt aus einer längst vergangenen Zeit - wie Gekko selbst. Da blitzen auf einem Wohltätigkeitsball edelsteinbesetzte Ohrringe auf, in Form des $-Zeichens. Oder Moores Klingelton: die Titelmelodie von Ennio Morricone aus Sergio Leones Westernklassiker "Zwei glorreiche Halunken". Oder auch das Glockengeläut der New Yorker Börse als Türklingel.

Kult: "Wall Street" von 1987.
Kult: "Wall Street" von 1987.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Das sind Details, die erst beim zweiten oder dritten Anschauen des Films hängen bleiben. Ebenso wie ein altes Schwarz-Weiß-Bild von Kirk Douglas, versteckt an der Wand eines Schneiderladens, in dem sich Gekko einen Maßanzug anfertigen lässt und als Hommage sowohl eines Sohnes an seinen Vater als auch von liebenswertem Bösewicht zu liebenswertem Bösewicht verstanden werden kann.

Buffet, Roubini, Sheen und ein wenig Kritik

"Wall Street - Geld schläft nicht" ist aber auch voller Gastauftritte: Die Anlegerlegende Warren Buffet tritt im Fernsehen auf, orakelt von einem "wirtschaftlichen Pearl Harbor". Nouriel Roubini ist zu sehen, oder Charlie Sheen, der als Bud Fox mit zwei Frauen im Arm sich selbst und sein Bild in der Öffentlichkeit karikiert. Der Film nimmt sich selbst auf die Schippe: Gekko, früher nur mit der Limo unterwegs, fährt plötzlich U-Bahn. Oder: Bud Fox fragt Gekko: "Liebt blaues Hufeisen noch immer Anacott Steel?"

Stone  kritisiert das Finanzsystem, den Kapitalismus an sich und dessen nicht vorhandene Moral - und auch die Medien, die mit "Angst und Panik handeln". Die das Ende wollen, "weil es sich verkauft. Es gibt einfach keine Grenzen mehr", wie im Film Zangella als Lou Zabel sagt. Dessen Investmentbank Keller Zabel Investments, 15.000 Mitarbeiter stark und eine Institution, irgendwie an Lehman Brothers oder Bear Stearns erinnert. "Gehen wir unter? Das ist die falsche Frage. Die richtige ist: Wer nicht?" Zabel begeht Selbstmord. "Eine ehrenwerte Tat", heißt es im Film, zu der während dieser Krise, keiner den Mumm gehabt habe. Bumm. Das sitzt.

All das, dazu noch die herrlichen Panoramaaufnahmen der Skyline von New York und die pointiert gesetzte Musik von David Byrne und Brian Eno (wie bei "Wall Street") hinterlassen am Ende ein positives Bild von "Wall Street - Geld schläft nicht". Wer bereits "Wall Street" im DVD-Regal stehen hat, für den ist auch "Wall Street - Geld schläft nicht" ein Pflichtkauf, auch wenn er nur fast so gut ist wie Teil 1.

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Quelle: n-tv.de