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Machen Schluss mit HalliGalli: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf.
Machen Schluss mit HalliGalli: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf.(Foto: ProSieben)

Der "Circus HalliGalli" schließt: Alles halb so wild

Von Kai Butterweck

Jubelschreie versus trauernde Gesichter - das bevorstehende "HalliGalli"-Ende schlägt in Fernseh-Deutschland hohe Wellen. Nur Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf stehen dem Drama gelassen gegenüber. Und das völlig zu Recht.

Als die beiden TV-Anarchos Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf am 13. Februar via Twitter ihren "Circus HalliGalli"-Abschied verkünden, geht ein Raunen des Entsetzens durch die Fernsehnation. Sicher, vereinzelt klatscht man auch begeistert in die Hände. Zwischen Kiel und München kann nicht jeder nachvollziehen, warum die beiden Pro7-Zugpferde mit ihrem Thrash-Humor Preise und Awards im gefühlten Wochentakt absahnen.

"Zwei Clowns weniger", oder "Kein Verlust" sind noch die nettesten Twitter-Abschiedsgrüße aus den Reihen der Anti-Joko-und-Klaas-Gemeinde. Der Großteil der Comedy-Fans hierzulande aber reagiert bestürzt, enttäuscht und auch wütend. Nach dem überraschenden "Tschüss!" von Stefan Raab im Dezember 2015 ziehen nun auch Joko und Klaas die Reißleine. Hallo? Geht's noch? Tausende virale Mittelfinger vereinigten sich zu einer schallenden Ohrfeige in Richtung der Sender-Verantwortlichen. Doch zu Unrecht. Denn Fakt ist: Joko und Klaas haben selbst entschieden. Und das - auch wenn es viele nicht hören wollen - auch aus gutem Grund.

Was soll noch kommen?

Joko und Klaas sind Profis. Das Duo, das sich seit fast einem Jahrzehnt High- und Lowlights teilt wie ein altes Ehepaar, weiß mittlerweile genau, wann es an der Zeit ist, loszulassen. Nämlich genau dann, wenn das selbst gesteckte Ziel erreicht ist. Und genau diesen Punkt haben die beiden TV-Weirdos nun erreicht.

Sag zum Abschied leise Servus ...
Sag zum Abschied leise Servus ...(Foto: ProSieben / Claudius Pflug)

Was soll denn auch bitte noch kommen? In der "HalliGalli"-Manege stolperten bereits Stars wie Pharrell Williams, Jennifer Lawrence, Justin Bieber, 50 Cent, Quentin Tarantino, Ben Stiller, Owen Wilson, Denzel Washington, Robbie Williams und Justin Timberlake über hausgemachte Gag-Hürden. Auf der Bühne luden Bands und Künstler wie Metallica, Die Toten Hosen, Ed Sheeran, Placebo, Alicia Keys, Biffy Clyro und Tokio Hotel wahlweise zum Headbangen, Hüftkreisen oder Mitklatschen ein. Die Gag- und Performance-Superlativen gaben sich seit Beginn der Show im Februar 2013 nur so die Klinke in die Hand.

Der Drops ist gelutscht

Nun ist - nach Ansicht der beiden Veranwortlichen - der Drops gelutscht. "Uns war von Anfang an klar, dass wir eine Show wie 'Circus HalliGalli' nicht bis in alle Ewigkeit machen werden", gab Joko Winterscheidt im Februar zu Protokoll. Die (berechtigte) Angst vor aufkommender "Routine" war stärker als die Gier nach mehr. Applaus! So und nicht anders sollte man die Segel streichen, auch wenn der TV-Ozean mit weiteren spannenden Wellengängen und vermeintlich unerforschten Territorien lockt.

Die, die jetzt am lautesten poltern und die meisten Tränen vergießen, werden letztlich die sein, die in ein oder zwei Jahren die größten "Danke!"-Karten an Joko und Klaas verschicken werden. Warum? Ganz einfach: In der "HalliGalli"-freien Zeit werden Joko und Klaas genau dasselbe machen wie alle anderen Menschen, die sich von einem glänzenden Puzzleteil ihres Lebens verabschieden. Sie werden sich intensiv auf die Suche nach einem geeigneten "Ersatzteil" machen, damit das momentan vielleicht etwas in Schieflage geratene Gesamtbild schnell wieder in gewohntem Glanz erstrahlt.

Joko und Klaas haben mit dem "HalliGalli"-Ende eine Tür zugemacht. In anderen Stockwerken gehen dafür andere Türen auf, hinter denen neue Abenteuer locken. Von einem gänzlichen Rückzug aus der Branche war nie die Rede. Auch das Paar "Joko und Klaas" wird es weiterhin geben. Nur eben nicht mehr unter dem "Circus HalliGalli"-Banner. Ergo: Kein Grund zum Austicken. Befürworter des Format-Abschieds sollten nicht allzu viele Korken knallen lassen und Fans der beiden TV-Querköpfe keinen Taschentuch-Notstand provozieren. Joko und Klaas sind und bleiben am Start, wenn auch in Zukunft nicht mehr ganz so allgegenwärtig. Alles halb so wild.

Quelle: n-tv.de

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