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Er liebte die Frauen - und die Frauen liebten ihn: Hugh Hefner.
Er liebte die Frauen - und die Frauen liebten ihn: Hugh Hefner.(Foto: imago/E-PRESS PHOTO.com)
Donnerstag, 28. September 2017

Hefners Worte zum Abschied: "Alles richtig gemacht, Hugh!"

Anruf aus der Playboy-Villa. Hugh Hefner ist höchstpersönlich am Apparat. Man kennt ihn als Erotikmagazin-Pionier und Lebemann, der sich am liebsten umringt von leicht bekleideten Mädchen zeigt. Doch darum soll es in diesem Gespräch nicht gehen. Er will über seine Rolle als Vorkämpfer für Menschenrechte sprechen.

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Es ist ein Gespräch, das vor rund fünf Jahren geführt wurde. Eines der letzten Interviews, die der seinerzeit 86-Jährige gab. Ab und zu musste Hefner schon damals nachfragen, wenn ihn seine Ohren im Stich ließen - aber sein Geist und sein Humor hatten ihn nicht verlassen. Freimütig erzählte er von seinem Erfolgsrezept, seinen Fehlschlägen - und natürlich auch von den Frauen ...

n-tv.de: Mr. Hefner, Sie sind Playboy, Aktivist und Rebell. Was davon ist die wichtigste Rolle in Ihrem Leben?

Hugh Hefner: Nun, eigentlich meinen der Rebell und der Aktivist das Gleiche. Es sind die Früchte meiner Arbeit, die mich mit dem größten Stolz erfüllen.

Wobei Sie von der breiten Öffentlichkeit allerdings eher als Playboy wahrgenommen werden.

Das ist richtig, die Seite des Aktivisten und Rebellen ist nicht so bekannt. Denn für die meisten bin ich der Lebemann mit den Häschen. Aber das ist nun mal nicht alles.

Haben Frauenrechtsgruppen mittlerweile ihren Frieden mit Ihnen geschlossen?

Das hängt von der jeweiligen Frauenrechtsgruppe ab! Ich habe mich über mehrere Dekaden für Frauenrechte engagiert, zum Beispiel für ihr Recht auf selbstbestimmte Abtreibung. Wir haben sogar mal ein Mädchen aus dem Gefängnis geholt, die der illegalen Abtreibung bezichtigt wurde. Ich war genau genommen schon ein Feminist, bevor es das Wort überhaupt gab! Das habe ich nicht nur in meinem Magazin reflektiert. Ab Mitte der Sechziger kam ja auch noch die Playboy-Stiftung dazu, die zum Arm des Aktivisten wurde. Wir haben buchstäblich Geld rangeschafft, um die Gesetze im Land zu ändern. Denn vor "Playboy" waren bestimmte sexuelle Handlungen strafbar.

Was mögen Sie an Frauen, wenn man mal das Körperliche außen vor lässt?

Was er an Frauen mochte? Alles!
Was er an Frauen mochte? Alles!(Foto: imago/ZUMA Press)

Nahezu alles! Deshalb begebe ich mich vorsätzlich in ihre Mitte. Ich genieße weibliche Gesellschaft – auch für die guten Gespräche. Und ich muss mir eingestehen, dass ich mehr mit Frauen gemeinsam habe als mit Männern.

Aber müssen die Damen denn immer so jung sein, Herr Hefner?

Ach, das ist nur so, weil ich glaube, dass der Umgang mit jungen Leuten mich jung hält!

Überraschend ist, dass Sie sich auch recht früh für Schwule im "Playboy" eingesetzt haben!

Das stimmt. Wir haben 1955 eine Geschichte im Magazin abgedruckt, die der "Esquire" zuvor abgelehnt hatte. Die hieß "The Crooked Man" und handelte von einem heterosexuellen Mann, der in einer Welt, in der Homosexualität die Norm ist, verfolgt wird. Das waren damals absolut konservative Zeiten! Das hat für Aufruhr bei den Lesern gesorgt, wir bekamen viele Hassbriefe.

Haben Sie jemals Morddrohungen erhalten?

Oh ja, die gab es. Mehrfach! Aber zum Glück nicht in der jüngsten Zeit. (lacht)

Hat Ihnen das nie Angst gemacht?

Im Gegenteil! Als das Magazin immer populärer wurde und die Millionengrenze an Lesern überschritten hatte, fühlte ich mich ermutigt. Ich wurde immer tollkühner, auch was meine Position als Blattmacher betraf. Das Magazin befasste sich intensiv mit gesellschaftlichen Themen, stand für bestimmte gesellschaftliche und sexuelle Werte. Das ist die andere Säule des "Playboy", die mir immer wichtig war.

Haben die Kontroversen, die Sie damit hervorriefen, auch Ihr Ego gefüttert?

Hefner auf einem Foto von 1966 - er selbst sah sich auch als Rebell.
Hefner auf einem Foto von 1966 - er selbst sah sich auch als Rebell.(Foto: imago/Cinema Publishers Collection)

Nein, vermutlich eher meine Brieftasche! (lacht) Mich hat nicht die Vorstellung motiviert, dass das, was ich tun würde, populär sein würde. Ich war motiviert durch meine Überzeugung. Darum ging es beim "Playboy" von Anfang an. Natürlich habe ich Notiz von dem kontroversen Aspekt meiner Arbeit genommen. Kontroversität ist aber erforderlich, wenn du Veränderungen herbeiführen willst.

Sie waren sich also Ihrer Machtposition bewusst?

Das war ich! Ich denke, wenn du in einer Position bist, die einen Unterschied herbeiführen kann, sollte man das nutzen. In meinem Fall hatte ich das Gefühl, es war eine Möglichkeit und Verpflichtung, es zu tun.

Warum sind Sie eigentlich kein Politiker geworden?

Man hat mir das öfter nahe gelegt. Aber nein, Politik ist doch eine einzige Heuchelei! Da bin ich nicht sehr gut drin. Und ich habe einfach zu viel Spaß! (lacht)

Wenn Sie auf die heutige Gesellschaft blicken, gibt es da denn etwas, dass Ihnen besonders sauer aufstößt?

Oh ja, ohne Frage! Es sind immer noch dieselben Dinge. Ich denke, die Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung sind Ziele, die einer kontinuierlichen Stärkung bedürfen. Es geht immer zwei Schritte vorwärts und einen zurück. Da gibt es immer Rückschläge. Da ist immer etwas, das dagegen arbeitet. Das habe ich ziemlich früh gemerkt.

Aber eine konkrete Sache, die Sie wütend macht, gibt es nicht?

Hier in Amerika haben wir zwei bedeutende Parteien. Und ich finde, die eine davon, die konservativen Republikaner, sind vom Weg abgekommen und haben sich ziemlich verirrt. Das ist etwas, was mir Sorge bereitet.

In den Jahren 1959 bis 1961 haben Sie in Ihrer TV-Show "Playboy’s Penthouse" schwarze und weiße Künstler gemeinsam singen lassen, um rassistische Grenzen zu überwinden.

Hefner bei einer Gala 2012 - danach sah man ihn kaum noch in der Öffentlichkeit.
Hefner bei einer Gala 2012 - danach sah man ihn kaum noch in der Öffentlichkeit.(Foto: AP)

Die Sendung sollte sein wie eine Party in meiner Villa - ohne rassistische Grenzen. Aber der Süden von Amerika hat die Show nie gezeigt, weil dort Schwarze immer noch diskriminiert wurden. Für mein Magazin habe ich mal einen Schwarzen zum Interview mit einem Neonazi geschickt. So was hat mir Spaß gemacht!

Waren Sie glücklich, als Barack Obama Präsident wurde?

Absolut! Als er in sein Amt gewählt wurde, war ich vor allem überglücklich, lang genug gelebt zu haben, um einen schwarzen Mann ins Weiße Haus einziehen zu sehen. Ich würde mir wünschen, dass er weitere vier Jahre im Amt bleibt.

Wenn Sie heute etwas erfinden würden, was wäre das dann?

Sicher kein Magazin mehr. Es hätte vermutlich etwas mit dem Internet zu tun. Ich hatte immer eine Begeisterung für das Verlagswesen. Und so wie ich es verstehe, ist das Internet nun das neue Verlagswesen. Die andere Sache, die mich immer faszinierte, sind Filme. Filme hatten einen riesigen Einfluss auf mich. Wenn ich heute ein junger Mann wäre, würde ich mich wohl als Filmproduzent betätigen. Aber ich muss auch sagen, dass ich in romantischeren Zeiten aufwuchs als den heutigen. Da ist eine Menge verloren gegangen.

Was würde der 20-jährige Hefner zu dem 86-Jährigen sagen?

Nun, ich glaube, wir wissen sehr gut, was er sagen würde: "Alles richtig gemacht, Hugh!" Eines der bemerkenswerten Sachen ist doch, dass ich 86 Jahre alt bin und das Magazin in den USA im nächsten Jahr seinen 60. Geburtstag feiert. Junge Leute fühlen sich genauso angezogen vom "Playboy" und seiner Mystik wie die ältere Generation. Das Ding wird mich noch überleben!

Ihr Vater hatte deutsche Wurzeln. Haben Sie eine spezielle Beziehung zu Deutschland?

Hefner und einer der größten Stars, die der "Playboy" hervorgebracht hat: Pamela Anderson.
Hefner und einer der größten Stars, die der "Playboy" hervorgebracht hat: Pamela Anderson.(Foto: Star Max/IPx)

Ich war natürlich oft in Deutschland und in Europa. Aber die Verbindung schafft für mich unser Magazin. Unsere deutsche Ausgabe feiert am 1. August ihren 40. Geburtstag! Wir haben rund um den Globus 29 fremdsprachige Ausgaben von "Playboy". Die zwei besten davon sind die aus Deutschland und aus Brasilien.

Was war denn die glücklichste Zeit Ihres bisherigen Lebens?

Eigentlich müsste ich sagen, die letzten zwei Jahre, weil ich gerade so unglaublich glücklich bin! Aber die allerglücklichste Zeit war wohl die Pionierzeit, als wir das Magazin auf den Weg brachten, und später dann der Durchbruch. Wie glücklich mein Leben war, hatte eigentlich immer mit dem "Playboy" zu tun. Es hat auch miese Zeiten gegeben in den Achtzigern – damals gab es eine Gegenreaktion der Konservativen. Das war auch eine Zeit, in der es für mich persönlich nicht so gut lief. Ich hatte einen kleinen Schlaganfall, von dem ich mich wieder erholte. Und auch die Gesellschaft erholte sich wieder von den Konservativen. (lacht)

Was war der größte Fehler, der Ihnen unterlaufen ist?

Meine Firma Playboy Enterprises 1971 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt zu haben. Ich habe das damals für meine Redakteure und die Investoren der ersten Stunde getan. Aber ich habe es bitter bereut. Im letzten Jahr habe ich mir meine Firma deshalb wieder zurückgeholt. Ich bin sehr glücklich darüber, wie es jetzt läuft. Bei anderen Dingen habe ich zu früh aufgegeben: Ich hatte ein Magazin, das "Show Business Illustrated" hieß. Wenn wir mehr Zeit und Geld gehabt hätten, wäre es wohl erfolgreich geworden. Es war sehr ähnlich zu "Entertainment Weekly", das sich Jahre später etablierte.

Hatten Sie jemals ein Konzept für Ihren Erfolg? Oder passierte er einfach?

Ich denke nicht, dass es Zufall war, dass ich erfolgreich wurde. Man muss den Dingen hinterherjagen, an die man glaubt, und hart dafür arbeiten. Und wenn dann auch noch das Fünkchen Glück dazu kommt, macht das den Unterschied.

Als was würden Sie gerne in Erinnerung bleiben, wenn Sie diese Welt eines Tages verlassen müssen?

Als jemand, der einen Unterschied gemacht hat, der die Welt ein klein wenig verändert hat. Denn das war immer Teil davon, worum es mir ging.

Herr Hefner, werden Sie auf Ihre alten Tage noch mal heiraten?

(lacht) Ich hoffe nicht! Ich bin wieder zusammen mit der jungen Dame, die einst meine Verlobte war. Sie wohnt jetzt wieder bei mir in der Villa. Ich bin zwar sehr glücklich mit ihr, aber mittlerweile glaube ich, ich bin glücklicher als unverheirateter Mann.

Mit Hugh Hefner sprach Katja Schwemmers

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Quelle: n-tv.de

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