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Grass im April 2013 im Kloster in Loccum (Niedersachsen).
Grass im April 2013 im Kloster in Loccum (Niedersachsen).(Foto: dpa)
Montag, 13. April 2015

Zum Tode von Günter Grass: Am Ende bleibt die "Blechtrommel"

Von Solveig Bach

Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Nobelpreisträger, moralische Instanz, politischer Mensch - auf Günter Grass passen viele Beschreibungen. Der Welt in Erinnerung wird er jedoch bleiben als Autor der "Blechtrommel".

Ende März kam Günter Grass ins Hamburger Thalia-Theater. Es wurde eine neue Bühnenfassung seines Romans "Die Blechtrommel" aufgeführt, jenes sprach- und bildgewaltigen Jahrhundertromans, der Grass weltberühmt machte. Grass verfolgte die Aufführung von der ersten Reihe aus und nahm am Ende den Beifall des Publikums entgegen. Es sollte einer seiner letzten öffentlichen Auftritte werden. Dass es ausgerechnet wieder um "Die Blechtrommel" ging, mag angesichts der langen Werkliste und der vielen Talente des Günter Grass ungerecht erscheinen. Irgendwie passt es aber doch.

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"Die Blechtrommel" war der erste Roman, den Grass 1959 veröffentlichte. Und es bleibt wohl der Roman, den die meisten unauflöslich mit Grass in Verbindung bringen. 800 Seiten deutsche Familiengeschichte im 20. Jahrhundert hatte der Schriftsteller als Anfang-Dreißigjähriger niedergeschrieben und damit gleichermaßen Bewunderung wie Ablehnung ausgelöst. Die Schriftstellerfreunde der Gruppe 47 zeichneten ihn aus, den Bremer Literaturpreis durfte er jedoch nicht erhalten.

Die surreal-groteske Bildsprache der "Blechtrommel" speiste sich wahrscheinlich auch aus Grass' Ausbildung zum Grafiker und Bildhauer. Die Geschichten, die er erzählte, hatte er wohl aus seiner Kindheit in einfachsten Danziger Verhältnissen mitgebracht. Es ist sein persönlicher Triumph, als Grass 1999 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wird. Zur Begründung schreibt die Schwedische Akademie, Grass erhalte den Preis, "weil er in munter schwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat".

Mehr als Flakhelfer

In das vergessene Gesicht der Geschichte schaut Grass auch in seiner eigenen Biografie. 2006 erscheint "Beim Häuten der Zwiebel". Grass, der immer angegeben hatte, am Ende des Zweiten Weltkriegs als Flakhelfer und einfacher Soldat im Einsatz gewesen zu sein, berichtet darin über seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er dazu: "Es ist eine Binsenwahrheit, dass unsere Erinnerungen, unsere Selbstbilder trügerisch sein können und es oft auch sind."

Doch ihm, dem politisch so engagierten Künstler, nahmen viele das späte Geständnis übel. Die meisten jedoch hielten es mit dem Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz, der eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft seiner Stadt ablehnte, weil Grass' spätes Bekenntnis nichts an der Qualität seiner Literatur ändere.

Wenn Grass nicht schrieb, zeichnete er. Er selbst sagte dazu: "Es ist wohl so, dass mir die Wörter nie genug gewesen sind. Sie, die vieldeutig die Geschichte immer wieder und neu erzählen, den Leser brauchen, Streit auslösen, oft gegen ihre Absicht Lärm machen und den Autor bloßstellen, geben mich, sobald sie verbraucht waren, von Zeit zu Zeit frei, auf dass ich das Werkzeug wechseln konnte." Und so hinterlässt Grass am Ende eines langen Lebens auch ein zeichnerisches und plastisches Werk. Und natürlich "Die Blechtrommel", die ihn zum Weltautor machte.

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Quelle: n-tv.de

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