Unterhaltung
Braucht die Öffentlichkeit - und hat Angst vor ihr: Andreas Kümmert.
Braucht die Öffentlichkeit - und hat Angst vor ihr: Andreas Kümmert.(Foto: imago/STAR-MEDIA)

"Ich habe gedacht, ich sterbe": Andreas Kümmert erklärt ESC-Verzicht

Mit seiner Weigerung, die Nominierung zum deutschen Kandidaten beim Eurovision Song Contest in Wien anzunehmen, sorgt Andreas Kümmert im vergangenen Jahr für einen Eklat. Jetzt begründet er ausführlich seine Entscheidung: Er hätte "Todesangst" gehabt.

Eigentlich ist es Schnee von gestern. Der Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm wirft gerade seine Schatten voraus. Jamie-Lee Kriewitz ist unsere Kandidatin. Und alle drücken die Daumen, dass sie in Schweden möglichst weit vorne landet und sich das 0-Punkte-Debakel vom vergangenen Jahr in Wien nicht wiederholt.

Ein Moment, der TV-Geschichte schrieb: Kümmert verzichtete 2015 auf die ESC-Teilnahme.
Ein Moment, der TV-Geschichte schrieb: Kümmert verzichtete 2015 auf die ESC-Teilnahme.(Foto: imago/Sven Simon)

Doch natürlich ist das Hick-Hack um den ESC 2015 noch nicht komplett vergessen. Schließlich startete Ann Sophie in Österreich damals unter äußerst schwierigen Bedingungen. Eigentlich hieß der Gewinner des deutschen Vorentscheids ja Andreas Kümmert. Doch weil der Ex-Gewinner von "The Voice of Germany" in letzter Minute von der Fahne ging und die Wahl nicht annahm, sprang die Zweitplatzierte mit ihrem Song "Black Smoke" ein - und ging im Song-Contest-Finale damit gnadenlos unter.

Drohungen bei Facebook

Die Spekulationen über Kümmerts Beweggründe schossen anschließend munter ins Kraut. Während einige Beobachter Verständnis für den inzwischen 29-Jährigen zeigten, waren andere mächtig sauer auf ihn. Als Kümmert dann auch noch vorgeworfen wurde, bei einem Konzert weibliche Fans übel beleidigt zu haben, machten sogar Mutmaßungen die Runde, er habe deshalb das Rampenlicht des Song Contests gescheut.

Für Kümmert musste Ann Sophie in die Bresche springen.
Für Kümmert musste Ann Sophie in die Bresche springen.(Foto: imago/Sven Simon)

Über die wahren Gründe für seinen Rückzieher schwieg sich Kümmert lange aus. Im September 2015 deutete er erstmals an, dass psychische Probleme ausschlaggebend gewesen seien. So habe er kurz vor dem Vorentscheid bei Facebook eine Drohbotschaft mit den Worten erhalten gehabt: "Ich hoffe, du verreckst auf der Bühne, du fettes Schwein!" Seither habe er an Angststörungen gelitten.

"Verfluchte Krankheit"

Im Interview mit dem Magazin "Stern" ist Kümmert nun noch einmal ausführlicher auf die Hintergründe seiner Entscheidung vor einem Jahr eingegangen. So habe er bereits an dem Tag, an dem er von seiner Einladung zum Vorentscheid erfahren habe, erstmals Panikattacken bekommen. "Ich habe gedacht, ich sterbe. Ich ersticke. Ich kriege einen Herzinfarkt. Ich werde ohnmächtig, weiß der Herr. Todesangst", umschreibt der Sänger mit drastischen Worten seine Gefühlslage.

Dass er sich dennoch dazu entschieden habe, bei dem Wettbewerb überhaupt mitzumachen, liege an einem "Paradoxon", so Kümmert: "Ich brauch' die Öffentlichkeit - und habe Angst vor ihr." Nach seinem Triumph beim Vorentscheid habe seine "verfluchte Krankheit", die er mit Hilfe eines Therapeuten in den Griff zu bekommen versuche, letztlich obsiegt. "Mir war klar, es würde mich überrollen, und ich werde es nicht verkraften. Ich musste nach Hause, meine Wohnung von innen zuschließen", erklärt der Musiker im "Stern"-Gespräch.

Kümmert geht in dem Interview zudem mit seinen Kritikern und dem ESC ins Gericht. Die Angriffe, denen er sich ausgesetzt sah, hätten ihn misstrauisch gemacht. "Man hält nichts mehr von dieser Gesellschaft", zeigt er sich verbittert und ergänzt: "Da wächst Hass in dir." Beim Song Contest hätte er seiner Ansicht nach ohnehin keine Chancen gehabt, "denn da kommt es ja nicht bloß auf die Stimme an, sondern auf etwas ganz Anderes. Glitter. Glamour. Show." Darauf jedoch habe er keine Lust.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen