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"Vogue"-Chefin Anna Wintour könnte nun ruhig aufmerksam werden ...
"Vogue"-Chefin Anna Wintour könnte nun ruhig aufmerksam werden ...(Foto: dpa)

"Eine Tenniskollektion, das wär's!": Aufschlag Kilian Kerner

Wir treffen Kilian Kerner kurz vor seiner Show - backstage ist die Hölle los. Menschen laufen herum, bringen Dinge von A nach B, rufen, suchen, und doch sieht alles so schön aus. Kein Wunder, es geht um Mode, es geht um Schönheit, und überhall sieht man Anna Wintour. Eeecht, die ist hier? Das erfahren wir im Interview mit dem leicht nervösen - wie sich später herausstellen wird: völlig grundlos! - Designer Kilian Kerner. Der schafft es spielend, dass eine Frau sich wie eine Frau fühlen darf.  

n-tv.de: Heute gibt's Perücken?

Kilian Kerner: Heute gibt's Perücken, ja. Alle im Anna-Wintour-Style.

Bist du aufgeregt?

Extrem! Mein Körper holt all das nach, was in den letzten Wochen nicht da war. Ich war so dermaßen unaufgeregt (lacht), aber am Wochenende hat das angefangen mit der Aufregung und jetzt ist es ganz schlimm.

Du siehst aber ganz entspannt aus.

Ja, ich war auch ganz gelassen in der letzten Zeit, aber jetzt kribbelt es doch sehr. Ich hab' ganz viel Tennis in der Weihnachtszeit gespielt und mich dann wahnsinnig auf die Show gefreut.

Deine Show steht unter dem Motto: "The Huntingtans". Was darf ich mir da vorstellen? Long Island, Marthas Vinyard? The Royal Tenenbaums?

Franziska Knuppe, Anna Maria Mühe, David Kross und Max Riemelt haben Spaß in der Front Row im Hotel Ellington.
Franziska Knuppe, Anna Maria Mühe, David Kross und Max Riemelt haben Spaß in der Front Row im Hotel Ellington.(Foto: imago/Future Image)

Nee, die Huntingtans sind eine Familie aus England, bei denen nicht immer alles so läuft, wie es laufen sollte. Die leben das Motto "Chewinggum & Love Affairs" - alles klebrig und voller verbotener Liebesaffairen. Und ein bisschen Kennedy und Anna Wintour eben.

Hat dich dann eine typisch amerikanische Familie inspiriert?

Gar nicht! Eher hab' ich Leute zusammengeführt, die gar nichts miteinander zu tun haben, aber die ich toll finde. Und so ganz entfernt haben mich die Kennedys inspiriert, das ist ja eine große Familie. Meine Mode ist ein Spiel aus weit und eng, uni und Muster, vor allem Vögel sind es dieses Mal.  

Du hattest auch schonmal eine Show, die "Pop-Religion" hieß und in der du David Bowie gehuldigt hast. Was hat sein Tod in dir ausgelöst?

Ich habe alle Termine abgesagt. Ich war sehr traurig. Und ich musste diese Nachricht meinem besten Freund überbringen. Der ist großer Michael Jackson, David Bowie und Madonna-Fan.

Dann hoffen wir mal, dass Madonna bei bester Gesundheit ist und bleibt! Wann und wie bekommst du denn deine Ideen eigentlich?

Kerners Mode hat durchaus einen Vogel ...
Kerners Mode hat durchaus einen Vogel ...(Foto: imago/Future Image)

Meist kurz nach einer gelaufenen Show. Man muss ja wahnsinnig früh anfangen. Allein, weil die Stoffmesse in München dann ist und man sich irgendwie positionieren muss.

Hast du wieder neue Models dabei?

Ja, am liebsten habe ich ja die, die noch gar nicht gelaufen sind. Aber wir haben natürlich auch immer wieder vertraute Gesichter dabei. Zum Beispiel die Franzi Müller, die ist bei uns ihre erste Show gelaufen damals.

Wer ist deine Kundin? Und ist eine große Diskrepanz zwischen Model und Kundin?

Das weiß ich gar nicht. Die Klamotten und die Präsentation, das sind ja auch Visionen und Bilder von dem, was die Menschen wollen. Ein Model muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen - und ja, dazu gehört meist, dass sie jung und sehr schlank sind. Aber es gibt ja mittlerweile auch andere. (zögert) Hab' ich mir noch gar nicht so viele Gedanken drüber gemacht. Aber man verkauft eben auch ein bisschen eine Illusion. Eine Illusion, die man wahr werden lässt.

Wie gehst du mit dem Genörgel über die Berliner Fashion Week um?

Ich finde komisch, dass dann trotzdem immer jeder herkommen will (lacht). Wir Deutsche sind schon komisch, aber ohne viel zu lachen. Man darf nicht stolz sein, auf das was man gemacht hat, man soll den Mund halten, so kommt mir das jedenfalls immer vor ... ich weiß auch nicht, ich hör' da nicht mehr hin.

Du würdest auch mal gerne nach New York ...

Das will ja jeder! Das hat doch auch damit zu tun, dass man sich weiterentwickeln will. Ich mach' das hier jetzt seit acht Jahren. Ich bin aus dem Zelt raus, dann gehe ich vielleicht auch bald noch einen Schritt weiter. Aber wenn ich international arbeiten würde, dann würde ich trotzdem auch weiter in Berlin mitmachen. Eine Kollektion in New York, eine andere hier. Wir dürften auf jeden Fall (lacht). Mal sehen!

Ist denn "der Westen" Berlins wieder ein Thema, nachdem jahrelang nur "der Osten" als schick und hip galt?

Also wir ziehen in die Schlüterstraße (lacht), der Westen ist definitiv im Kommen.

Du hast eine Live-Band, Razz, auf deiner Show.

Ja, Razz, eine sehr junge, deutsche Band. Die habe ich im Radio gehört mit ihrem Lied "Black Feathers", und ich bin völlig ausgerastet. Das ist genau das, was ich höre: Elektrorock mit mehr Rock als Elektro.

Was ist dein größter Wunsch?

Eine Tennis-Kollektion zu entwerfen! Das wäre genial! Das ist mein allergrößter Wunsch.

Mit Kilian Kerner sprach Sabine Oelmann

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Quelle: n-tv.de

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