Unterhaltung
Diese Zicken sind aber auch schwer zufriedenzustellen: Hans-Georg müht sich vergebens.
Diese Zicken sind aber auch schwer zufriedenzustellen: Hans-Georg müht sich vergebens.

"All by Myself": Bauer bleibt einsam

Von Samira Lazarovic

Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen: Während die ersten Hofbesucherinnen bei "Bauer sucht Frau" enttäuscht die Koffer packen, schwebt ein liebebedürftiger Landwirt bereits auf Wolke 7 und stellt die Frage: "Möchtest du auf meinen Hof?" Noch bevor die Antwort kommt, sagt die Hintergrundmusik schon alles.

Willkommen zurück zur neuen Folge von "Bauer sucht Frau". Die Tage fliegen dahin und der Herbst hält langsam Einzug, was nicht nur das flotte Outfit in warmen Herbsttönen von Moderatorin und Bauernfreundin Inka Bause verrät, nein, es wird auch für die Bauern Zeit, sich zu entscheiden, wer mit ihnen gemeinsam durch den Winter gehen soll.

Klar und deutlich zu sagen, was sie wollen, fällt einigen der Bauern immer noch schwer – ein Glück, dass die ausgewählte Hintergrundmusik mehr über das Innenleben der Liebeskandidaten verrät. Denn da ist spätestens jetzt das große Gefühlschaos ausgebrochen.

Immer diese Eierschalen

Auf den ersten Blick sind Jürgen und seine Anja immer noch nicht weiter als in der vergangenen Woche: Dem Hühnerwirt will es einfach nicht gelingen, diesen Eierbruchverursacher, ach nein, Eierversteller, verflixt, wie denn nun, den EIERSCHALENSOLLBRUCHSTELLENVERURSACHER, ordentlich beim Namen zu nennen. Anja macht es zwar geduldig immer wieder vor, erntet dabei aber eher den Widerwillen des 42-Jährigen, als dessen Dankbarkeit: "Ist ja in Ordnung, das sie mir das beibringen will, ich habe aber kein Interesse daran, mir die Zunge zu brechen." Auch Fremdsprachenkenntnisse ("Clock heißt Uhr auf Englisch") erscheinen dem Landwirt nicht wirklich nützlich: "Wir sind aber auch nicht in England."

Eierschalen-dingsbums-wie auch immer.
Eierschalen-dingsbums-wie auch immer.

Doch auch wenn dem heiteren Hühnerwirt das Aussprechen des Wortes weiter Probleme bereitet – die Technik fasziniert: Die Eier werden professionell geköpft. "Das habe ich so auch noch nie gesehen", bestaunt Jürgen das geköpfte Ei. Geschätzte 80 Prozent der Zuschauer bestimmt auch nicht. Und doch würden die meisten ihm sicherlich zustimmen: "Dieses Gerät ist aber auch nicht unbedingt nötig, das geht auch mit einem Messer."

Dennoch gestärkt vom Frühstück fahren die beiden ins ganze acht Kilometer entfernte Bamberg, um die Stadt und die schönen Fachwerkhäuser zu besichtigen. Bei einem süßen Becher Eis (lautmalerisch unterstützt vom Abba-Song "Honey Honey") fühlt Jürgen Anja auf den Zahn und will wissen, wie es mit ihren Gefühlen aussieht: "Willst du auf meinen Hof ziehen?"

Die 45-Jährige gibt sich diplomatisch und redet erst einmal von den super Eindrücken, die sie von Jürgen und seinem Leben hat sammeln können. "Ich könnte mir schon vorstellen, meine Brücken abzuschließen und ein neues Leben anzufangen." Wird das eine Liebeserklärung? Aber nein, die Musik ("From a Distance") deutet im Hintergrund kein glückliches Ende an und da kommt es auch schon: "Meine seelische Gefühlsebene sitzt nicht ganz so tief zu dir." Ihr Fazit: Jürgen ist ein fantastischer Mensch, aber der Funke ist nicht wirklich übergesprungen. "Wir können ja in Verbindung bleiben und telefonieren." Die alte Masche, wenn man den Korb noch ein wenig verzieren will. Doch Jürgen sieht das überraschenderweise ähnlich: "Das ist eine gute Idee. Wir sollten das alles nicht überstürzen."

"Was sich ewig prüft, bindet sich für immer", tröstet Anja ihn. Doch der ist sich schon sicher: Das gewisse Etwas, was er sucht, war nicht so da. Und so packt die Schwäbin ihren Koffer und Jürgen bringt sie zur Bushaltestelle – und zieht da nochmal alle Register: Das Abschiedsgeschenk mit Blumen und selbst gemachtem Eierlikör flasht Anja, sie ist total gerührt. Doch Jürgen weint ihr nicht hinterher, sein Herz ist "nicht gebrochen", er lässt sie ziehen ("She's like the Wind").

"Silence is golden"

Bei Hans-Georg und Bettina sieht auf den ersten Blick alles harmonisch aus, sie arbeiten Hand in Hand beim Schneiden der Ziegenklauen. "Mit Fuß und Fingernägeln kennt sich die Nageldesignerin bestens aus", so der pfiffige Kommentar aus dem Off.

Nach getaner Arbeit überrascht der herzliche Hobbybauer Bettina mit neuen Liegestühlen im Garten. Seine alten Stühle waren ihr zu unbequem, da fielen dem 43-Jährigen die Aluminium-Relax-Stühle ein, die noch originalverpackt in der Scheune standen. Ja, die sind viel angenehmer, findet auch Bettina.

So gemütlich ausgestreckt, würde sich die 35-Jährige gern unterhalten, doch Hans-Georg schweigt lieber: "Wir relaxen ja jetzt, dann brauchen wir ja nicht reden!" Das kommt gar nicht gut an: "Du darfst dich dann auch nicht wundern, wenn ich dann auch immer weniger sage."

Nur das Huhn sieht seine Tränen.
Nur das Huhn sieht seine Tränen.

Bettina ist enttäuscht: "Ich versuche ihn ja in ein Gespräch zu verwickeln, aber es funktioniert nicht. Es kommt halt einfach nix. Das finde ich sehr schade. Er zeigt damit kein Interesse an mir und meiner Person." Ach, hätte sie doch mal genauer hingehört, schließlich umspülte nicht nur "Silence is golden" das Paar auf seinen Liegestühlen, auch zu "Chasing Cars" hätte Hans-Georg sicherlich gerne einen "Grey's Anatomy"-Moment mit Bettina geteilt. Manno, er wollte sie doch beeindrucken. Wieder nicht geklappt.

Schließlich fasst Hans-Georg sich ein Herz und will mit Bettina reden: "Ich glaube, ich spüre, dass es nicht so gut mit uns läuft!" Und da kommt auch schon die Bestätigung: "Wir haben einfach zu unterschiedliche Interessen. Ich habe bei dir immer so das Gefühl, du lebst so in deiner kleinen Bauernwelt mit deinen Tieren. Und alles, was es drum herum noch so gibt, interessiert dich gar nicht. Ich hatte das Gefühl, dass es dich gar nicht interessiert, ob ich da bin oder irgendjemand anders."

Traurig muss Hans-Georg zugeben: "Ich hatte halt noch nie eine Beziehung und keine Erfahrung. Das ist schade. Du bist eine tolle Frau." Doch es nutzt alles nichts, Bettina packt ihre Koffer und steigt ohne Umarmung oder Handschlag in den Zug. Der Hobbybauer bleibt einsam auf der Treppe zu seinem Haus zurück, nur ein Huhn leistet ihm noch Gesellschaft ("All by Myself").

Schließlich packt ihn doch noch ein wenig die Wut: "Ich habe den Tisch gedeckt, die Liegestühle hingestellt, ich habe es auf meine Art gemacht, es hat nicht gereicht. Ich mache jetzt einen Neustart und versuche, eine Frau zu finden, die zu mir passt, mit der ich glücklich werden kann." Recht so! Schließlich ist Bettina nicht die Einzige, die hier enttäuscht wurde ("Goodbye my Lover").

"Baby ist Baby"

Fast ein wenig kurz kommen Sonja und ihr Mittelfranke Kurt. Das könnte daran liegen, dass bei den beiden einfach alles glatt läuft. Die 37-Jährige fühlt sich wohl auf dem Hof und wurde herzlich aufgenommen von der Familie.

Und dann lutscht das Kälbchen auch noch so süß an ihren Daumen, das kann sie kaum noch weggeben: "Baby ist Baby, ob Katzenbaby, Kalb oder ein kleines Schweinchen." Da geht der alleinerziehenden Mutter einfach das Herz auf – und das von Bauer Kurt gleich mit. Sonja ist die liebevolle Partnerin, die Kurt immer gesucht hat. Da werden bestimmt bald Nägel mit Köpfen gemacht.

Trecker fahren

Denny bereitet derweil seinen Trecker vor, denn Timo soll seine erste Fahrstunde bekommen, damit ein richtiger Bauer aus ihm wird. Timo, der Altenpfleger aus der Großstadt, ist entgeistert: "Ich habe noch nicht mal einen Führerschein!" Doch das ist dem ansonsten so liebevollen Lausitzer egal: "Das macht doch nüscht. Auf meiner Wiese passiert nüscht!" "Passen wir da zusammen rein?", fragt Timo noch bang nach. "Nö."

Unfreiwillige Fahrstunden.
Unfreiwillige Fahrstunden.

Also geht’s los. Erst hat der Timo auch Spaß, auf der Schaufel durch die Gegend gefahren zu werden. Denny entpuppt sich dann aber als sehr strenger Fahrlehrer. Schalten, kuppeln und Gas geben ist zu viel für den 21-jährigen Fahranfänger, doch Denny bleibt hart und brüllt: "Komm, los! Sei nicht so zaghaft. Du musst schon schneller machen, sonst stehen wir ja wieder."

"Alter, was machst du da!", quiekt Timo, als der 30-Jährige dann ordentlich Gas gibt, und gibt seinerseits auf: "Trecker fahren! Nie wieder! Das war die Hölle auf Erden. Da hat der mich die ganze Zeit angeschrien. Ich hab Angst gehabt, dass irgendwas passiert." - "Ich war ein bisschen hart", sieht Denny ein, ist dann aber doch stolz auf seinen padägogischen Erfolg: "Das war doch gar nicht so schlecht."

Als Entschädigung für die wilde Trecker-Fahrstunde darf Timo Denny immerhin mit seinen bunt-schrillen Klamotten einkleiden, Denny soll Männer-Model spielen (Richtig geraten: "Dressed for Success").

Timo vermutet schon, dass Denny bockig reagieren könnte, und tatsächlich: Denny ist mehr als skeptisch, für ihn muss Kleidung praktisch sein: "Also, dass man die Hosen so weit runterzieht und dann so was Unbequemes trägt – das geht nicht. Horror! Deshalb läuft der vielleicht auch so rum wie ein Mädchen." Auch die Armbänder kann Timo gleich seiner kleinen Schwester geben, diesen Klimbim.

Timo dagegen findet den neuen Look super: "Hallelujah, der sah richtig heiß aus. Hätte nicht gedacht, dass ihm die Klamotten so gut stehen. Echt lecker!"

Und der Tag klingt harmonisch aus: Denny spielt noch ein wenig Klavier für Timo. Und gemeinsam gesungen wird auch "I will follow him" … ein wenig schief, aber schön, da hat die Hintergrundmusik kaum mehr zu tun, als zu verstärken. "Es wäre schön, ein gemeinsames Hobby zu haben – für die kalten und regnerischen Tage", philosophiert Denny. Ja, der Winter steht unzweifelhaft vor der Tür.

"Du passt gut hierher"

Das war ja schon alles ganz schön, aber wo bleiben die ganz großen Gefühle? Die Liebe? Das Happy End? Ein Paar gibt es immerhin, das seine Zweisamkeit in vollen Zügen genießt: Dieter und seine Renate.

Reifes Liebesglück auf dem Heuboden.
Reifes Liebesglück auf dem Heuboden.

Für Dieter geht in der Hofwoche "immer, immer wieder die Sonne auf", wenn er morgens die frische Kuhmilch fürs Frühstück holt und zu Hause der liebevoll gedeckte Frühstückstisch schon auf ihn wartet, auch um sechs Uhr morgens – ja, das ist seine Vorstellung vom Zusammenleben mit einer Frau.

Da flattern schon die "Papillons", pardon, die Schmetterlinge in der Früh durch die Gegend. Der 60-Jährige und seine ein Jahr jüngere Besucherin haben einfach so viel gemeinsam. Sie essen zum Beispiel beide gerne Marmelade zum Frühstück. 

Gemeinsam kümmern sich die Verliebten dann um die Kühe. Mit dem Traktor geht es auf die Weide. Wird Renate den Alltagstest bestehen? "Ich hatte keine Angst vor den Tieren. Ich liebe die freie Natur und die Tiere", erklärt die zweifache Uroma. Wer wird denn auch Angst haben, mit dem Dieter an der Hand.

Dieter ist überglücklich: "Dann passt du ja gut hierher." Und wieder fallen sie sich in die Arme – ohnehin sind die beiden das Paar mit dem meisten Körperkontakt, da können sich die jungen Leut' ruhig eine Scheibe von abschneiden.

Beim letzten gemeinsamen Abend der Hofwoche möchte Dieter Renate bei einem romantischen Rendezvous auf dem Heuboden endlich seine Liebe gestehen. Und Renate scheint etwas zu ahnen, sie tritt schick wie nie aus der Tür. Gekonnt klettert die Rentnerin auf den Heuboden – und Dieter kann es kaum erwarten, ihr zu folgen.

Dort wartet auf die beiden ein liebevoll gedeckter Tisch, romantische Atmosphäre, Renate hört schon das Knistern in der Luft, während Dieter in großen Happen die Brezel verschlingt, schließlich hat er noch was zu fragen: "Möchtest du wiederkommen und mit mir zusammenleben?" Und endlich die bebende Antwort: "Ja, das möchte ich. Denn ich habe dich schon in mein Herz geschlossen."

Dieter und Renate haben sich gefunden und müssen nun nicht mehr alleine durchs Leben gehen, informiert die freundliche Stimme aus dem Off ("Light of my Life"). Und ein Geschenk gibt es für Renate auch noch: Ein Paar Gummistiefel – passend zum Dirndl mit lila Blümchen. "Hab ich doch gut gemacht, oder?" Darauf ein Schlückchen Sekt.

Doch auch für verliebte Paare hat die Hofwoche ein Ende. Und für die traurigen Bauern gilt: Neue Woche, neues Glück.

Quelle: n-tv.de

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