Unterhaltung
Das muss Liebe sein: Renate und Dieter gehen ran.
Das muss Liebe sein: Renate und Dieter gehen ran.

Agrar-Amore auf RTL: Bauern bandeln zaghaft an

Von Johannes Graf

Wenn in der Alliterationen-Arie "Bauer sucht Frau" liebesbedürftige Landeier auf starrsinnige Städterinnen treffen, kann die Kuppelmission schon mal gleich in der ersten Woche in die Hose gehen. Doch nicht alle Anwärterinnen sind Sturköpfe und so sprießt auf manchem TV-Hof schon ein zartes Pflänzchen der Liebe.

Man könnte ja den Machern der RTL-Sendung "Bauer sucht Frau" unterstellen, dass sie bewusst Zweideutiges von den Liebeshöfen der Nation berichten: Da freut sich etwa Bettina, die bei dem herzlichen Hobbybauern Hans-Georg im Schwarzwald untergekommen ist: "Dass er dann für mich zwei Eier aus dem Häuschen geholt hat, fand ich echt schön". Und da packt der liebevolle Lausitzer Denny am ersten Abend mit seinem Timo gleich seine eigene Wurst auf den Tisch - die Salami aus Selbstgeschlachtetem, versteht sich. Ein Schelm, wer da Schlüpfriges denkt.

Dabei ist ja "Bauer sucht Frau" natürlich alles andere als Schmuddelkram. Hier geht es um Romantik, um pure Agrar-Amore gewissermaßen. Auf dem Land geht's ja bekanntlich bedächtiger, gemächlicher und reiner zu als in der Stadt. Da wird nur gekuschelt und geknuddelt und - wir sind schließlich in der ersten Hofwoche - kein Gedanke an Sündhaftes verschwendet.

Traumhaftes Flügelgetier

Sonja und Kurt unter der Kuh vereint.
Sonja und Kurt unter der Kuh vereint.

Deswegen mal ganz von vorne und ganz ohne unanständige Assoziationen: Hier ist Kurt. Er wird von RTL in steter Penetranz munterer Mittelfranke genannt und hat sich Reiseverkehrsfrau Sonja auf seinen Hof eingeladen. Beim gemeinschaftlichen Kühemelken soll es zwar schmutzig zugehen, aber nur insofern, als dass sich das Milchvieh nicht gewaschen hat. Und schließlich kauft sich ja Sonja auch die ganze fränkische Mischpoke mit ein, die sie im Stall kritisch beäugt. Da muss eine gute Performance her.

Und dann zeigt der Milchbauer seiner Sonja, wie man's macht, und die schafft es prompt, dass es - oha! - aus dem Euter fröhlich herausspritzt - was freilich kein Rückfall in die anfänglichen Anstößigkeiten bedeuten, sondern nur das landwirtschaftliche Geschick der Anwärterin beweisen soll. Genau so eine hat sich Kurt gewünscht: "Die Schmetterlinge sind schon in den Startlöchern", sagt er. Und: "Manchmal habe ich das Gefühl, es müsst mich mal jemand kneifen, ob das nicht ein Traum ist." Scheint so, als haben da schon zwei zueinander gefunden.

"Hat der erwartet, dass ich auch Brockle esse?"

Brockle sind nicht jedermanns Sache.
Brockle sind nicht jedermanns Sache.

Etwas weniger geschmeidig geht es im Schwarzwald los. Beim ersten gemeinsamen Frühstück stellt sich Hans-Georg noch etwas hölzern an. Zudem haben Bettina und er noch ein grundsätzliches Problem: Die Auserwählte kann Hühner nicht ausstehen und der Freizeitlandwirt hat derer 20. "Ich find diese Hühner einfach nur eklig", klingt ziemlich endgültig. Wobei sich die Stimmung ja - wie erwähnt - aufhellt, als zwei Eier aus dem Häuschen geholt werden.

Schwer tut sich die bayerische Nageldesignerin aber auch noch mit den südbadischen Gebräuchen: Zur morgendlichen Stärkung gibt es traditionsgemäß Brockle - Brotstücke, die zuerst im Kakao versenkt, dann rausgefischt und anschließend verzehrt werden. "Hat er jetzt erwartet, dass ich auch Brockle esse?", so Bettina. Na, ob das noch was wird? Immerhin zaubert Hans-Georg dann doch noch ein Glas Marmelade aus dem Küchenschrank. Und im Gegenzug zeigt ihm Bettina, wie man Spiegeleier brät. Hans-Georg ist dankbar: "Jetzt ist der Mut zum Kochen da."

Fuchs und Hase und die richtige Zaunhöhe

Zwist am Zaun: Anja und Jürgen
Zwist am Zaun: Anja und Jürgen

Ziemlich holprig verlaufen auch die ersten Annäherungsversuche in Oberfranken. Hier hat der heitere Hühnerwirt Jürgen die Angestellte Anja vorübergehend einziehen lassen. Des Lobes ist die 45-Jährige, wenn es um die Geflügelhaltung bei Jürgen geht: "Es imponiert mir, dass Jürgens Tierhaltung nicht auf Masse ausgerichtet ist." Aber sonst mischt sich die Dame für Jürgens Geschmack etwas zu sehr in die Dinge ein.

Zum Showdown kommt es beim gemeinsamen Bau eines neuen Geheges für die Hasen. Anja ist der Meinung, der Zaun sei viel zu niedrig. "Da kann doch jeder Fuchs rein nachts", fachsimpelt sie. Dabei versteht sie davon doch gar nichts! Denkt sich Jürgen und hält wacker dagegen. Anja bringt es schließlich auf den Punkt: "Das kann ja noch heiter werden, echt."

Wurst kommt spitze an

Doch genug Zoff. Ab ins harmonische Niedersachsen, wo der nervöse Kuhbauer Dieter seine Renate vom Bahnhof abholt und die beiden ältesten Liebesbedürftigen der Sendung - Dieter ist 60, Renate 59 - einander gleich in die Arme fallen. Ein Küsschen und Händchenhalten beim ersten Rundgang über das Anwesen sind auch schon drin. Renate: "Ich denke schon, dass ich mich hier wohlfühlen werde mit Dieter. Ich glaube, wir passen gut zusammen."

Und Renate ist so sehr aus dem Häuschen, wie es der nüchternen Rentnerin eben möglich ist. Die Küche findet sie "urgemütlich" und strahlt mit Dieter nur so um die Wette. Dass der ihr schon klare Aufgaben zugeteilt hat ("Du machst dann morgens schon mal Frühstück.") stört sie nicht. Zum Schluss gibt es noch ein Schlückchen Sekt. Wenn daraus nicht was wird?

Ja, und offen bleibt auch noch, wie es mit Timo, Denny und der Salami aus eigens Geschlachtetem ausgegangen ist. Voilà die Auflösung: Der Altenpfleger lässt es sich ordentlich schmecken. Der Schlachter aus Brandenburg ist froh: "Ich habe mich sehr gefreut, dass er von meiner Salami gegessen hat."

"Ich bin gespannt, wie das mit uns beiden weitergeht. So gefällt der Timo mir sehr gut", resümiert Denny. Harmonie, verliebte Blicke, das "bestimmte Gribbeln im Bauch", Abspann. Oder wie es ja schon Anja in Oberfranken sagte: "Das kann ja noch heiter werden, echt."

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen