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Die Arbeitsbedingungen für Anwalt James McGill sind nicht die besten. Sein Büro ist eine Rumpelkammer.
Die Arbeitsbedingungen für Anwalt James McGill sind nicht die besten. Sein Büro ist eine Rumpelkammer.(Foto: Twitter/BetterCallSaul)
Montag, 09. Februar 2015

Logik der Aussichtslosigkeit: "Better Call Saul" beerdigt die Moral

Von Anna Meinecke

Für alle die, die sich in der unangenehmen Situation befinden, sich beim Sex mit einer Leiche gefilmt zu haben: Es gibt Hoffnung, und zwar in Form von Anwalt Saul Goodman. Der Verteidiger boxt widerwillig und erfolglos Idioten frei.

Vielleicht war es die Fernsehserie "Breaking Bad", die TV-Formate endgültig salonfähig machte. Von den Machern eines Stücks Entertainment-Geschichte kommt jetzt das neue Drama "Better Call Saul". Die gefeierten Helden des Drogen-Westerns sind nun zwar passé, aber es gibt noch ihren schäbigen Anwalt. In der vergangenen Nacht startete seine Reise beim Sender AMC.

Saul Goodmans ursprünglicher Name ist James McGill (Bob Odenkirk). Er ist ein strauchelnder Strafverteidiger mit zweifelhaften Moralvorstellungen und über der Glatze drapiertem Resthaar. Er hat große Erwartungen zu erfüllen - besser gesagt seine Schöpfer Vince Gilligan und Peter Gould. Ein Spin-off-Prequel zu einer der erfolgreichsten TV-Serien läuft Gefahr, als billiger Versuch des Senders verstanden zu werden, noch einmal einen Hit zu landen. Die Gefahr: Kult ausschlachten.

Wie Saul Goodmans Geschichte endet, ist bekannt. "Es ist vorbei!", das sind die letzten Worte, die er in "Breaking Bad" zu hören bekommt. "Better Call Saul" erzählt aber eine ganz andere Geschichte. Die Serie begleitet einen frustrierten Pflichtverteidiger auf seinem Weg zum Geldwäscher der Drogenmafia. Ganz in "Breaking Bad"-Manier setzen die Macher auf ausladende Szenenbilder und absurde Dialoge mit einer gewissen Portion Aggressivität. Was ebenfalls bleibt: das unmittelbare Gefühl, dass die Konflikte der Charaktere deren Existenz nicht nur materiell, sondern vor allem psychisch massiv bedrohen.

Selbstverständlichkeit des Wahnsinns

Kämpft nicht für eine bessere Welt: James McGill.
Kämpft nicht für eine bessere Welt: James McGill.(Foto: Twitter/BetterCallSaul)

James McGill arbeitet aus der Abstellkammer heraus, trifft potentielle Mandanten im Diner, weil sein Büro angeblich gerade gestrichen wird, und verteilt seine Nummer auf Streichholzschachteln statt Visitenkarten. Er besitzt die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis und das unterscheidet ihn von den meisten sperrigen TV-Charakteren. James McGill kämpft nicht für eine bessere Welt, er will bloß ein kleines Stück von dieser schlechten für sich.

Früher verstrickt in kleinkriminelle Aktivitäten, wollte der junge James als Anwalt "das Richtige" tun. Jetzt muss er sich für einen Haufen unverschämter Teenager starkmachen, die eine Leiche geschändet haben und so dumm waren, das Ganze mit der Kamera festzuhalten. Wie McGill sich versucht, aus dieser Situation freizukämpfen, ist absurd. Odenkirk aber spielt seinen Wahnsinn mit so viel Selbstverständlichkeit, dass man seinem Charakter auch folgen kann, ohne sich mit ihm zu identifizieren. Vielleicht gelingt ihm das sogar etwas schneller als Bryan Cranston mit Walter White.

Odenkirks James McGill ist nicht aus der Ruhe zu bringen. Er bekämpft Aussichtslosigkeit mit Logik. Sein Herz mag der Anwalt in eine Box gepackt und im Keller verstaut haben, doch man spürt, dass er noch nicht aufgegeben hat. Die Szenen mit seinem Bruder Chuck, dem "Jimmy" zu helfen versucht, sind ergreifend. Über McGills Beziehung zu Anwältin Kim will man sofort mehr erfahren.

Verzweiflung macht gerissen

Bob Odenkirk ist der Beweis dafür, dass sich eine exzellente Besetzung der Nebenrollen auszahlt. Er muss "Better Call Saul" allein tragen und er kann das. Odenkirk muss nicht den derzeit im Fernsehen so populären Borderliner geben. Er spielt eine durchweg echte Person. Es ist seine Verzweiflung, die James McGill gerissen macht. Er ist vielleicht größenwahnsinnig, mit seinem Ehrgeiz aber konsequent hartnäckig.

Damit die Show tatsächlich nur für sich stehen kann, muss sie mehr als nur gut sein. Ansonsten wird sie ewig dem Erfolg von "Breaking Bad" hinterherhinken und das Vermächtnis der Chrystal-Meth-Odyssee entzaubern. Bislang stehen die Chancen für das neue Format aber ziemlich gut.

In Deutschland läuft "Better Call Saul" ab dem 11. Februar auf Netflix.

Quelle: n-tv.de

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