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Vom Mikro zum Pinsel: Bob Dylan.
Vom Mikro zum Pinsel: Bob Dylan.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Freitag, 03. September 2010

"Ordinär": Bob Dylan als Maler

Als Musiker ist Bob Dylan bereits zu Lebzeiten eine Legende. Aber als Maler? Davon, ob er auch mit Leinwand und Pinsel das Zeug zum Kultstar hat, kann man sich ab sofort in Kopenhagen überzeugen.

In der dänischen Nationalgalerie ("Statens Museum for Kunst") in Kopenhagen sind bis Januar 2011 40 Akryl-Gemälde von Bob Dylan zu sehen. "The Brazil Series" heißt die Ausstellung des 69-Jährigen, weil ein Teil der Motive aus dem von Dylan hoch geschätzten südamerikanischen Land stammt.

Weniger hoch schätzt die dänische Fachkritik die malerischen Fähigkeiten des Komponisten von musikalischen Jahrhundert-Werken wie "Like A Rolling Stone", "I Want You" und eben auch "When I Paint My Masterpiece" ein. "Der künstlerische Wert von Dylans Malereien ist null", meinte "Information" und "Berlingske Tidende" stuft die Bilder als "ordinär" ein. Im Sinne von allenfalls durchschnittlich.

Trotzdem freut sich Museumschef Karsten Ohrt auf klingende Kasse durch einen Besucherboom, weil der Name Bob Dylan eben zieht: "Doch, klar, alles andere wäre schon überraschend."

Eröffnung ohne den Meister

Ohrt und der Kurator Kasper Monrad hatten vor gut zwei Jahren nach der allerersten Ausstellung kleiner Dylan-Aquarelle im ostdeutschen Chemnitz vorsichtig beim Management angefragt, ob der Meister vielleicht Ähnliches in Kopenhagen ausstellen könne. Zu beider Überraschung biss Dylan schnell an. Er wollte aber etwas völlig Neues anbieten und vereinbarte mit der Nationalgalerie, dass er 40 großformatige Akrylbilder eigens für Kopenhagen anfertigt.

Null künstlerischer Wert? Gemälde von Bob Dylan.
Null künstlerischer Wert? Gemälde von Bob Dylan.(Foto: AP)

"Das muss in den letzten zwei Jahren schon eine Hauptbeschäftigung für Bob Dylan gewesen sein", meinte Monrad. Sich selbst oder seine Bilder erklären wollte der Meister dabei nicht - und zur Ausstellungseröffnung kommen schon gar nicht. Er steht an diesem Wochenende für zwei Konzerte seiner "Never Ending Tour" in einer US-Stadt namens Yakima und dann beim "Bumbershoot Festival" in Seattle auf der Bühne.

Gangster, Politiker, Huren

Im dänischen Ausstellungssaal erwartet die Besucher ein teils völlig anderer Dylan als in den Liedern, teils aber auch derselbe: Eine relativ einfache, konservativ geprägte Struktur mit Alltagsszenen und kleinen Geschichten prägt diese Bilder, ganz anders als die wilde Welt seiner Liedtexte. Dylan hat neben Eindrücken von Brasilien-Reisen viele von Menschen geprägte Bilder gemalt: Paare, Gangster, Politiker, Huren.

Neben Landschaften hielt der Musiker auch Straßenszenen in seinen Bildern fest.
Neben Landschaften hielt der Musiker auch Straßenszenen in seinen Bildern fest.(Foto: AP)

Man sehe durchaus, was dieser Maler in seinem Atelier irgendwo in Los Angeles bei den großen Vorbildern Henri Matisse (1869-1954) und dem Italiener Caravaggio (1571-1610) abgeguckt und abgekupfert habe, meinte Monrad freundlich lächelnd. Und verwies mit Recht darauf, dass ja auch der geniale Musiker Dylan munter und eingestandermaßen die gesamte Musiktradition seiner Heimat für eigene Lieder produktiv geplündert habe.

Auch die heimischen Kritiker billigten dem Amerikaner Seriosität und die nicht ganz erfolglose Suche nach einer eigenen Sprache in den Bildern zu. Das höfliche Lob erinnerte an Verzweiflungstaten, um irgendwie was Gutes an den nicht seltenen Kunstausstellungen mit Bildern der heimischen Königin und fleißigen Amateur-Künstlerin Margrethe II. herauszuheben. Die Königin ist halt sehr beliebt in Dänemark, und Majestätsbeleidigung will sich niemand so gern vorwerfen lassen. Vielleicht auch bei König Bob nicht.

Quelle: n-tv.de

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