"Ich habe nichts vergessen": Das "Life" des Keith Richards
Schlicht und einfach "Life" heißt die soeben erschienene Biografie von Keith Richards. Darin lässt der Gitarrist der Rolling Stones noch einmal seine Karriere Revue passieren - und verrät so manches interessante Detail.
Eines stellt Keith Richards gleich zu Beginn seiner Memoiren klar, direkt vorneim Buchumschlag: "Das ist mein Leben. Glaubt es oder nicht, aber ich habe tatsächlichnichts davon vergessen."
Sicher ist sicher, hat sich der 66 Jahre alte Gitarrist der Rolling Stones vielleichtgedacht. Denn schon wenige Seiten später beginnt der für seinen exzessiven Drogenkonsumbekannte Musiker, seinen Zustand während so mancher Tour zu beschreiben. Drogenspielten dabei immer eine Rolle. Drogen und Musik. Nur bei den Frauengeschichtenbedient Richards nicht das sprichwörtliche Klischee von "Sex and Drugs andRock 'n' Roll".
Was die Musik angeht, ist das meiste über Richards wohl schon geschrieben. SeinBuch nun gibt auch viel aus dem Privatleben preis. Heute kam es zeitgleichin mehreren Ländern heraus. Das deutsche Hörbuch dazu spricht Stephan Remmler, derehemalige Sänger der Band Trio.
Mit eichlich Selbstironie erzählt Richards, wie er als Junge in England diePlatten von Muddy Waters und Chuck Berry hörte. Wie es war, als er seinen SchulfreundMick Jagger mit Anfang 20 auf einem Bahnhof wiedertraf und die beiden beschlossen,zusammen Musik zu machen. Der Durchbruch als Band, die Entstehung von Songs wie"Jumpin' Jack Flash" oder "Honky Tonk Women" (1969) - Richardsfindet seine eigenen, oft ziemlich deutlichen Worte und räumt mit so mancher Legendeauf.
Oft beschäftigt er sich mit den Drogen, seinem Kampf dagegen, und wie sie seinLeben bestimmten. Mick Jaggers Ex-Frau Jerry Hall warf ihm vor einigen Wochen ineinem Interview vor, Rauschgift zu verherrlichen. Doch im Buch versucht er auchzu erklären, wie es zu seiner Sucht kam.
"Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann ich das erste Mal Heroinnahm", schreibt er. Als die gesundheitlichen Beschwerden anfingen, habe ersich immer noch gesagt: "Keine große Sache, ich verstehe nicht, was die Leutehaben. Das sollen Entzugserscheinungen sein?" Irgendwann sei ihm dann aberklar geworden, dass er nicht mehr ohne konnte. In den Siebzigern sei das noch allesanders gewesen, versucht er zu erklären. Viele Drogen gab es legal. Doch er warüber Jahrzehnte hin süchtig. Erst vor wenigen Jahren kam die Einsicht. Nach einemUnfall hörte er auf.
Weitaus weniger wild als etwa beim Bandkollegen Mick Jagger ging es in Richards'Liebesleben zu - sofern man ihm glauben will. Vor allem zwei Frauen bestimmen seinLeben. Anita Pallenberg, die ihn in jungen Jahren begleitete, und seine EhefrauPatti Hansen, mit der er seit beinahe 30 Jahren verheiratet ist. Viel Raum nehmenim Buch auch seine Eltern ein, die mittlerweile beide gestorben sind.
Was er sich über die Jahre selber angetan hat, erkennt man im Buch auch an denFotos. Wirkt er mit Anfang 20 noch jung und frisch, hat er schon mit 30 das Äußereeines weitaus älteren Mannes. Heute sehe er aus, als hätten ihn die Chemikalien,die er über die Jahre in sich pumpte, regelrecht konserviert, schrieb eine britischeZeitungskolumnistin.
Doch da steht Richards drüber: "Ich kann mich auf meinen Lorbeeren ausruhen",schreibt er. "Ich habe in meiner Zeit genug Scheiße aufgewirbelt, ich werdejetzt damit leben und mir anschauen, wie die anderen damit klarkommen." Miteiner Einschränkung allerdings: "Aber dieses Wort: "Ruhestand". Ichkann mich erst zur Ruhe setzen, wenn ich den Löffel abgebe."
Das Buch hatte schon vor seinem offiziellen Erscheinen für Aufsehen gesorgt, weil Richards auch einige pikante Details über Stones-Sänger Mick Jagger preisgibt.
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Quelle: n-tv.de

