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Tyra Banks wurde Ende Januar mit 42 Jahren erstmals Mutter.
Tyra Banks wurde Ende Januar mit 42 Jahren erstmals Mutter.(Foto: dpa)

Expertin über Tyra Banks’ Foto: "Das ist das, was heilig macht"

Das US-Model Tyra Banks postet ein Bild mit ihrem Baby auf Instagram. Ihr sinnender Blick, das sanfte Licht und das Kind an der Brust erinnern stark an Darstellungen der Mutter Gottes. Stimmt das? Im Gespräch mit n-tv.de analysiert die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun das Foto.

n-tv.de: Erinnert Sie das Foto auch an mittelalterliche Darstellungen der Mutter Gottes?

Christina von Braun: Ja, natürlich. Dieser golden wirkende Hintergrund ist das, was heilig macht in den mittelalterlichen Bildern. Dieses Strahlenförmige in der Holzmasur und wie das Licht von der Seite auf sie fällt, all das spricht für diese Art sakraler Bildgebung. Auch dass sie einen nicht anguckt, wie man es bei einem Foto erwarten würden, auf dem jemand sein Kind zeigt. Da guckt meistens die Mutter in die Kamera. Dass sie zur Seite blickt, ist eine Demutshaltung. Auch das ist typisch für sakrale Darstellungen. Aber es geht um noch mehr: Die modernen Reproduktionstechniken haben hier etwas ermöglicht, das nie für die weltliche Frau realisierbar war, nämlich die jungfräuliche Geburt.

Sie meinen, weil Frau Banks eine Leihmutter engagiert hat?

Ja, sie nutzt die modernen Reproduktionstechniken, aus welchem Grund auch immer. Da es ihre eigene Eizelle und der Samen ihres Mannes ist, ist es auch genetisch ihr Kind. Klar ist sie nicht Jungfrau. Aber die jungfräuliche Geburt ist eine Phantasie des Christentums, die plötzlich mit den modernen Reproduktionstechniken realisierbar geworden ist. Junge Frauen, die noch nie Geschlechtsverkehr hatten, können jetzt auch ein Kind bekommen.

Darin sehen Sie einen Verweis auf die unbefleckte Empfängnis wie im Christentum?

Das ist ganz eindeutig. Vor allem, wenn Frau Banks das noch ikonologisch aufgreift und ihre eigene Unbeflecktheit auf diese Weise nochmal betont. Das geschieht vielleicht unbewusst. Ich will ihr nicht unterstellen, dass sie so jungfräulich erscheinen will. Aber das ist die ganze Aussage des Bildes. Ich habe ein Kind, obwohl ich eigentlich noch so rein bin wie eine Jungfrau. Dagegen spricht nur das verschleierte Haupt. Die Jungfrau Maria ist oft unverschleiert, weil Jungfrauen offene Haare tragen durften. Das ist hier offenbar ein Indiz, das sie als verheiratete Frau ausweisen soll.

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Warum inszeniert sich im Februar 2016 eine erfolgreiche, amerikanische Frau so?

Weil noch eine Dimension dazukommt. Der Erfolg ist eine Sache. Aber dieser Status des Heiligen und vielleicht sogar der Status des Transzendenten ist eine Dimension, die noch etwas draufsetzt. Ich will ihr ja gar nicht unterstellen, dass sie nicht tatsächlich glücklich ist, endlich ein Kind zu haben, und ihren Status nicht tatsächlich als heilig empfindet. Dass sie aber diese Art von Bildsprache dafür verwendet, spricht dafür, dass ihr keine andere Art der Bildsprache zur Verfügung steht als das, was das Christentum uns allen anbietet.

Wie passt das heute ins 21. Jahrhundert, Stichwort emanzipierte Frauen. Ist das nicht ein Widerspruch?

Nein. Die modernen Industriegesellschaften sind viel christlicher, als sich aus der Tatsache ablesen lässt, dass nur noch wenige in die Kirche gehen. Das ist ja in Amerika auch nicht der Fall. Dort gehen ja sehr viele Menschen in die Kirche und gehören einer Gemeinde an. Kein Politiker kann dort irgendetwas werden, wenn er sagt, er sei Atheist. Sie müssen irgendein Gottbekenntnis haben. Insofern spielt es auch in der öffentlichen Wahrnehmung einer berühmten Figur eine wichtige Rolle, dass man sich zu dieser religiösen Ader und eben damit auch zu dieser Bildsprache bekennt.

Christina von Braun ist Professorin am Institut für Kulturwissenschaften der Berliner Humboldt-Universität.
Christina von Braun ist Professorin am Institut für Kulturwissenschaften der Berliner Humboldt-Universität.(Foto: Dagmar Stratenschulte)

Ist es dann nicht ein bisschen blasphemisch, wenn man sich auf eine Stufe mit der Mutter Gottes stellt?

Gucken Sie sich die Heiligen an. Das waren ja Menschen und keine Gottgeborenen. Aber diese Bildersprache wird auch für diese Heiligen verwendet. Und auch Maria war ja eine Menschgeborene.

Kann ich daraus schließen, dass unsere heutigen Stars unsere Heiligen sind?

Damit hat ja schon Madonna sehr viel gespielt. Sie hat immer wieder diese religiöse Symbolik aufgegriffen. Viele Künstler tun das. Sie wissen auch, dass diese Bildersprache sofort im Unbewussten landet. Sie wissen, dass sie ankommt und diese Art von Heiligenstatus vermittelt. Ob sie unsere Heiligen sind? Das kann man so sehen. Aber dann sind unsere Heiligen eben in erster Linie Leute, die in den Medien arbeiten.

Ist das Foto nun für sie Kunst oder eher Propaganda in eigener Sache?

Ich würde sagen, es ist eine Inszenierung. Insofern ist es Kunst. Mit Sicherheit ist es auch eine Inszenierung, die dem eigenen Image in der Öffentlichkeit dienen soll. Insofern schließen sich Kunst und Propaganda nicht aus. Es ist auch die Frage, was das für das Kind bedeutet. Wenn es das Kind einer Jungfrau Maria ist, dann ist es ein Programm für das Kind.

Das Kind muss jetzt der nächste Messias werden?

So ungefähr. Gucken Sie in 20 Jahren nochmal, was daraus geworden ist.

Mit der Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun sprach Volker Petersen.

Quelle: n-tv.de

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