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Jennifer Lawrence gruselt sich vor ihrem eigenen Film, erzählt sie im Interview.
Jennifer Lawrence gruselt sich vor ihrem eigenen Film, erzählt sie im Interview.(Foto: Paramount Pictures)
Dienstag, 12. September 2017

Jennifer Lawrence in "Mother!": "Der Film ist eine Art Angriff"

Ein Psychothriller mit Jennifer Lawrence ist nichts, was man von der Schauspielerin gewohnt ist. Im Interview mit n-tv.de erzählt sie, warum die Rolle in "Mother!" eine enorme Herausforderung für sie war und sie sich noch immer gruselt.

n-tv.de: Die Reaktionen auf "Mother!" sind sehr unterschiedlich: Manche lieben es, andere hassen es. Wie fühlt es sich an, solche extremen Reaktionen zu bekommen?

Jennifer Lawrence: Ich mag das sehr. Es ist nicht so, als wäre uns das nicht klar gewesen, als wir den Film gemacht haben. Der Film ist eine Art Angriff. Es ist ein Film, den man entweder lieben oder absolut hassen muss. Dazwischen gibt es nichts.

Was ist der entscheidende Faktor, bei dem Sie Ja zu einem Drehbuch sagen?

Eine der wichtigsten Punkte ist der Regisseur. Ich möchte herausgefordert werden. Wenn ich etwas lese, dass zwar großartig ist, ich dabei aber nicht aufgeregt bin, lasse ich es.

Ihre Rolle ist sehr konträr zu Ihren sonstigen Rollen - beispielsweise Katniss in "Die Tribute von Panem" oder Tiffany in "Silver Linings". Warum haben Sie sich trotzdem dafür entschieden?

Es war sehr aufregend für mich, eine ganz andere Persönlichkeit zu spielen. Als ich das Drehbuch das erste Mal las, wollte ich sofort wissen, was diese Frau ausmacht, wie sie klingt und sich bewegt. Sie ist das absolute Gegenteil von mir. Das war eine große Herausforderung für mich.

Sie spielen in "Mother!" eine sehr dunkle Persönlichkeit. Wie schwer war es, sich nach Drehschluss davon wieder zu lösen?

Ich musste für den Film an wirklich dunkle Plätze in mir gehen. Ich hoffe, dass niemand etwas Ähnliches durchmachen muss. Wenn man dort zulange verweilt, ist es hart, zurückzukehren. Normalerweise fällt es mir leicht, meine Rolle wieder abzulegen. Aber diesmal war es sehr schwer. Nachdem wir die erste Szene gedreht hatten, habe ich noch immer hyperventiliert. Ich musste mich selbst noch nie so sehr zu etwas zwingen. Würde ich nochmal so etwas in einem Drehbuch lesen, würde ich sagen: Nein, danke.

Wie schützen Sie sich selbst in solchen Situationen?

Einige Tage bevor ich anfing, mir ernsthaft Sorgen um mich zu machen, waren wir alle zusammen an meinem Lieblingsplatz und haben 24 Stunden lang "Keeping Up With The Kardashians" geschaut. Das war das komplette Gegenteil von dem, was wir am Set gemacht haben. Es ging nur darum, glücklich zu sein. Allerdings endete es für mich damit, dass ich ärztlich versorgt werden musste und ein Sauerstoffgerät an meiner Nase steckte. Aber generell hilft es, wenn ich einfach vom Filmset nach Hause gehe und meine eigene Kleidung anziehe. Das erdet mich ein wenig. Es ist ein bisschen beschämend, dass ich diesmal so schlecht abschalten konnte. Ich will schließlich nicht wie eine Verrückte wirken. Aber die Rolle war ein völlig neues Territorium für mich.

Sie sind an einem Punkt in Ihrer Karriere, an dem die Erwartungen an Ihre Arbeit sehr hoch sind. Wie gehen Sie damit um?

In "Mother!" spielt Lawrence an der Seite von Javier Bardem, Ed Harris und Michelle Pfeiffer.
In "Mother!" spielt Lawrence an der Seite von Javier Bardem, Ed Harris und Michelle Pfeiffer.(Foto: imago/ZUMA Press)

Es ist ein enormer Druck. Wenn ich Leidenschaft für ein Projekt empfinde und daran glaube, wird es meist auch umgesetzt. Ich frage mich dann allerdings, ob die Leute auch an das Drehbuch glauben oder einfach nur meiner Meinung folgen. Was ist, wenn ich falsch liege? Filme brauchen Jahre, um realisiert zu werden. Manchmal entwickelt man etwas, dass umwerfend ist, aber Zeit braucht. Jahre später ist man dann vielleicht an einem ganz anderen Punkt in seinem Leben und es lässt einen trotzdem nicht los. Dann ist es toll, wenn man es umsetzen kann.

Im Film geht es auch um die Verletzung der Privatsphäre. Fühlt sich berühmt sein manchmal so an als wäre man in einem Psychothriller?

Lassen Sie mich kurz über das Stalking und die Verfolgung nachdenken (lacht). Aber nein, ich liebe meinen Beruf und meine Fans. Dennoch verdiene ich persönliche Grenzen, weil ich auch nur ein Mensch bin. Niemand mag es gerne, wenn sein privater Bereich verletzt wird.

In 66 Minuten des Films ist die Kamera nur auf ihr Gesicht gerichtet. Wie fühlte sich das beim Dreh an?

Das ist definitiv etwas, an das ich mich gewöhnen musste. Bevor die Dreharbeiten losgingen, habe ich einen dreimonatiges Training durchlaufen. Dabei sollte ich lernen, mich mit dem Kameramann zu bewegen und nicht von dem großen schwarzen Ding vor meinem Gesicht ablenken zu lassen.

Ich musste mir beim Zuschauen teilweise Ohren und Augen zuhalten, weil einige Szenen so verstörend sind. Geht es Ihnen genauso, wenn Sie sich den Film anschauen?

Ich bin zwar selbst in dem Film und weiß genau, was passiert. Trotzdem habe ich beim Zuschauen meine Brust umklammert, mich in Arme gekrallt und meine Augen geschlossen - obwohl ich wusste, dass ich das bin und deshalb alles in Ordnung sein muss. Es ist sehr überfallend und ich habe immer noch gezittert, nachdem ich das Kino verlassen hatte. Ich habe mich gefragt, was wir da entfesselt haben. Es ist wirklich schwer anzusehen. Aber all diese Bilder erzeugen Erinnerungen und das ist es, was bleibt und wichtig ist.

Können Sie sich vorstellen, einen zweiten Teil von "Mother!" zu drehen?

Mein Vertrag ist zu Ende und ich muss keinen weiteren Teil drehen. Ich habe aber trotzdem das Gefühl - den Fans und der Rolle zuliebe - die Story beenden zu wollen. Ich möchte der Reise, die meine Figur durchmacht, in einer Art folgen, die dem Film gerecht wird. Bei anderen Projekten ist das anders. Ich weiß zum Beispiel, dass ich keinen weiteren "X-Men"-Film drehen will.

In Ihrer Rolle renovieren Sie andauernd das Haus. Sind sie privat auch eine gute Inneneinrichterin?

Ich dekoriere eher, als das ich selber heimwerke. Aber für den Film musste ich lernen, wie man Wände verputzt. Jetzt habe ich Lust, das auch in meinem Haus zu machen - denn ich bin gut darin. Ich möchte einmal probieren, meinen Kamin zu verputzen, lasse das aber vielleicht lieber von einem Profi machen. Es kostet wesentlich mehr Geld, wenn jemand deine Arbeit rückgängig machen muss (lacht). Ich liebe es, mich zuhause auszuleben und meinen eigenen Stil zu finden, denn normalerweise wohne ich in Hotelzimmern.

Mit Jennifer Lawrence sprach Lisa Schwesig

"Mother!" läuft ab 14. September in den deutschen Kinos.

 

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Quelle: n-tv.de

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