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"Tatort"-Kommissar Tukur spielt sich selbst.
"Tatort"-Kommissar Tukur spielt sich selbst.(Foto: dpa)

"Tatort" mit doppeltem Tukur: Die drei aus der Meta-Ebene

Von Ingo Scheel

Für das Bodycount-Drama "Im Schmerz geboren" hatte der "Tatort" mit Tukur zuletzt Preise eingeheimst. Nach dem erfolgreichen Zitatkrimi reißt man nun den Vorhang beiseite und entblößt die Schauspieler mit einem Film im Film.

Wo "Tukur" drauf steht, ist eher kein "Tatort" drin, zumindest kein klassischer. Über den Vorgänger "Im Schmerz geboren" wurde auch an dieser Stelle ausführlich geschrieben. Das Italo-Westerndrama mit "Shakespeare meets Tarantino"-Note wurde unter anderem mit der Goldenen Kamera und mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Wie man das Ding übertrifft? Oder zumindest mit einem ebenbürtigen Nachfolger versieht? Keine einfache Aufgabe, der sich Autor und Regisseur Bastian Günther mit einem Kniff entzieht - einem Film im Film.

Als Felix Murot (Ulrich Tukur) und Magda Wächter (Barbara Philipp) am Tatort auftauchen, einem Parkhaus, bekommen sie es erst mit einem Toten, dann mit einem weiteren zu tun. Bald wird klar, dass einer der beiden eine größere Geldsumme im Casino gewonnen hat. Das Geld ist verschwunden. Statt sich in die Ermittlungen zu stürzen, findet dann jedoch ein Angriff der Realität auf die Filmebene statt. Ein 19-jähriger Regieassistent des tatsächlichen Filmteams des Hessischen Rundfunks ist tödlich verunglückt, die Dreharbeiten werden gestoppt, Tukur muss nicht nur wieder mit sich selbst, also dem Ulrich, dem Uli, klarkommen, sondern kurz darauf auch mit der Tatsache, dass er selbst, also der Tukur, der Ulrich, der Uli, der wahre Uli unter Mordverdacht steht.

Ich mache es dem Krimi einfach mal nach. Und falle hier auch aus der Rolle. Vom Rezensenten zum Zuschauer und jetzt hier meinetwegen auch in Ich-Form. Was der Tatort kann, kann ich schon lange. Die Kritik in der Kritik. Auch irgendwie Mumpitz. Was ich eigentlich sagen will? Als ich die Story zum Film las, von den Ideen dahinter, den Plot-Spielereien, die mich da erwarten würden, schrieb ich im Geiste schon los. Zu kompliziert, zu manieriert. Kunstquark. Was soll ich sagen? Es wurde dann doch außerordentlich unterhaltsam. Durch Justus von Dohnányi etwa, herrlich deppert als er selbst, als Kantinen-Onkel mit Mahlzeit-Mantra, den Mund schokoladeverschmiert, den Blick leer, den Kopf voll mit Drehmomenten - ziemlich köstlich.

"Erster Vornesitzer, ohne Streit"

Oder der Besuch aus den anderen Revieren: Martin Wuttke, Ex-Ermittler aus Leipzig, als überdrehter Schmiermichel. Wolfram Koch alias Paul Brix, der als eitler Geck nichts anderes als Pistolenhaltung und Effekthascherei im Sinn hat und sich an der Seite seiner an Selbstüberschätzung leidenden Partnerin Margarita Broich im Frühstücks-TV zum Affen macht - auch der mit massig Verve und Quatsch-Potenzial.

Wenn man das überhaupt einordnen wolle, dann in der Tat so, dass etwa Wuttke, Koch und Tukur als "Die drei aus der Meta-Ebene" um Längen unterhaltsamer sind als ihre filmischen Alter Egos. "Erster Vornesitzer, ohne Streit" - wann hat man zuletzt so gute Zeilen in einem "Tatort" gehört? Man mag sich kaum vorstellen, wie Frau Thomalla aus der Wäsche geguckt hätte, wenn der Wuttke ihr so etwas an den Kopf geworfen hätte.

Und die Cops, in diesem Fall die "echten", die Kommissare, die "wirklich" ermitteln? Zwei Dösbaddel mit Nervpotenzial, irgendwo aus dem Sternensystem zwischen Kottan und Stromberg. Pat und Patachon aus der Zwischenwelt, die sich auch nicht entblöden, den Tukur noch um Autogramme anzuhauen. Völlig aus der Welt fällt der Fall schließlich, als Tukur am Ende sich selbst trifft. Und ich, ganz ehrlich, nicht mehr genau weiß, welcher jetzt welcher ist. Und wenn ja, wie viele. Oder warum. Kunstquark? Joah. Aber ich hatte Spaß. Sie auch?

Quelle: n-tv.de

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