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Bei "Better Call Saul" wird nicht lange gefackelt - die Netflix-Serie gehört zu den besten neuen Formaten aus dem vergangenen Jahr.
Bei "Better Call Saul" wird nicht lange gefackelt - die Netflix-Serie gehört zu den besten neuen Formaten aus dem vergangenen Jahr.(Foto: Lewis Jacobs/Netflix)

Heißeste Neustarts 2015: Diese TV-Serien bleiben spannend

Von Anna Meinecke

Großes Kino dauert heute nicht mehr etwa 90 Minuten, sondern genau eine Staffel lang: Fernsehserien sind das Bewegtbildformat der Stunde. Diese zehn Shows sollte man sich nicht entgehen lassen.

Es gibt intelligentere Beschäftigungen als sich den ganzen Tag im Bett zu verkriechen und Serien zu gucken - aber auch wesentlich dümmere. Etablierte Formate wie "Game of Thrones" oder "Homeland" beweisen schon lange, dass großes Kino den 90-Minuten-Rahmen gerne sprengen darf. Noch recht neue Lieblinge wie "Fargo", "The Leftovers" oder natürlich die derzeit heißeste Show "Transparent" übertreffen sich selbst mit neuen Staffeln.

2015 gab's aber auch ganz neue Großartigkeiten für all diejenigen, die herausragende Charaktere gern ein bisschen länger begleiten. Erstaunlich viele davon sind von On-Demand-Platttformen wie Netflix, Amazon Prime oder Sky produziert. Was sonst noch auffällt? Der Trend geht zum Superhelden und Drama bleibt dominierendes Genre, während Sitcoms eher vor sich hin dümpeln.

"Jessica Jones"

Jessica Jones hat Kräfte, um die andere sie beneiden würden. Doch sie hat auch Angst.
Jessica Jones hat Kräfte, um die andere sie beneiden würden. Doch sie hat auch Angst.(Foto: Myles Aronowitz/Netflix)

Jessica Jones könnte auf den ersten Blick als schnöde Privatermittlerin daher kommen. Hinter grummeliger Miene und Klamotten, wie sie kein "Tatort"-Kommissar hätte einschläfernder kombinieren können, verbirgt sich jedoch eine echte Heldin, eine Superheldin. Dass die Netflix-Serie nicht den typisch knallbunten Anstrich anderer Comic-Adaptionen wie etwa "The Avengers" hat, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier mächtige Kräfte am Werk sind. Einzig mit deren Einsatz hadert Jones noch etwas. Wenn sie könnte wie sie wollte, würde sie in ihrem schäbigen Apartment Tage wie Nächte in Whiskey ertränken. Doch die Welt rettet sich bekanntlich nur ganz selten von alleine.

Drama / Science-Fiction. Für Fans von Frauen mit Wumms und Whisky aus der Flasche.
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"Deutschland 83"

(Foto: RTL/Robert Grischek)

Anfang der 1980er liegt der Schatten des nuklearen Holocaust über der Welt. Es ist die Ära des "Kalten Krieges" und der Geheimagenten. Martin Rauch, ein Grenzsoldat der DDR, soll in Westdeutschland Nato-Pläne ausspionieren. Er wird zu Oberleutnant Moritz Stamm - und für die Zuschauer zum Gesicht einer komplexen deutschen Vergangenheit zwischen Ost-West-Konflikt, Nachrüstung und Friedensbewegung. Ein deutsches Format, dass sich noch vor RTL ein amerikanischer Sender unter den Nagel gerissen hatte - so einen Ritterschlag erhielt zuletzt Wolfgang Petersens "Das Boot" und zwar 1981. Ob der Acht-Teiler eine Fortsetzung bekommt, ist noch unklar. Wäre schade, wenn nicht.

Historiendrama. Für Fans von deutschsprachigen Formaten und Doppelagenten.
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"Empire"

(Foto: Twitter/EmpireFOX)

Wer sich mal wieder eine richtig gute Soap reinziehen wollte, kam 2015 an "Empire" nicht vorbei. Drei Söhne sollen ihrem Vater auf den Hip-Hop-Thron folgen, also das Plattenlabel der Familie führen. Völlig zu recht klingt das sofort nach Intrige. Zwischen Entführungen und spontanen Rap-Battles hetzt "Empire" im besten Sinne durch seine eigene Geschichte. Da ist nicht jede Folge ein Kunstwerk für sich, aber doch immer unbedingt fesselnd - das ganz normale Leben der Reichen aus der Branche eben. Statt sich einfach schwarzer Stereotype zu bedienen, stellt die Serie die aber lieber zur Debatte.

Drama / Soap. Für Fans von Musikeinlagen und Bling-Bling.

"Master of None"

(Foto: K.C. Bailey/Netflix)

Dev ist Anfang 30, hat bisher nur Werbe-Deals an Land ziehen können und will es jetzt in New York als Schauspieler schaffen. "Master of None" könnte eine Geschichte unter vielen sein, würde sich das Format nicht so herrlich entspannt darauf verstehen, mit scharfsinnigem Witz von modernen Beziehungen, Geschlechtergerechtigkeit oder dem Dasein als Einwandererkind zu erzählen. Mit einem erwachsenen Blick auf nicht immer ganz reife Repräsentanten einer jungen Erwachsenengeneration bereichert Netflix' "Master of None" die zuweilen doch recht flache Sitcom-Landschaft.

Komödie. Für Fans von Zukunftssorgen und indischen Eltern.

"UnREAL"

(Foto: Twitter/UnRealLifetime)

Ein royaler Bachelor soll die Liebe casten. Dafür hat "UnREAL" ein paar wohlgeformte Damen in eine Villa gekarrt. Allerdings handelt es sich hier keinesfalls um ein Reality-Format. "UnREAL" liefert eine bittere Analyse von Shows, die nicht nur ihre Kandidaten degradieren, sondern auch die Menschen, die sie produzieren. Zwischen Massage-Dates und Dorfbesuchen wird manipuliert, bis Beziehungen brechen und das schwächste Glied der Kette sogar mit dem Leben bezahlt - eine Geschichte, die unbedingt erzählt werden wollte.

Drama. Für Fans von schönen Frauen und verschmierter Schminke.

"Better Call Saul"

(Foto: Lewis Jacobs/Netflix)

James McGill ist ein strauchelnder Strafverteidiger mit zweifelhaften Moralvorstellungen und über der Glatze drapiertem Resthaar. Später einmal soll er zu Saul Goodman werden, Sie wissen schon, der aus "Breaking Bad". Doch bereits nach einer Staffel sind die Spin-Off-Verweise überflüssig geworden. "Better Call Saul" kann für sich stehen. Klar, die ausladenden Szenenbilder kommen einem zuweilen bekannt vor, die absurden Dialoge vielleicht auch. Der Netflix-Ableger hat dem Mutter-Format aber mindestens eine Sache ganz eindeutig voraus: Es gibt bald neue Folgen.

Drama. Für Fans von Wüstenszenen und dehnbarem Moralbegriff.
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"Hiding"

(Foto: Twitter/nabilnet)

Du kannst fliehen, doch entkommen kannst du nicht - so lautet die Devise bei "Hiding". Wer mit australischem Akzent so seine Problemchen hat, könnte erst einmal abgeschreckt sein. Hat man sich daran gewöhnt, entspannt sich im besten Sinne ein klassischer Thriller in Serien-Länge. Der Kleinkriminelle Troy wird mit Frau und Kindern ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen, doch auch dort ist er nicht sicher. Fiese Typen suchen nach der Familie, die hin und hergerissen zwischen alter und neuer Identität -auch ohne das Zutun Dritter - zu zerbrechen droht.

Thriller. Für Fans von Versteckspielen und Down Under.
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"Red Oaks"

(Foto: Amazon)

Man kann die Vergangenheit auch zelebrieren, ohne sich in ironischen Zitaten zu verstricken. Dank "Red Oaks" dürfen Vorstadtbuben nochmal träumen. So einer ist nämlich auch der etwas schmächtige David. Ausgerechnet er hat die scharfe Aerobic-Lehrerin Karen zur Freundin - und sie soll nicht die einzige Interessentin bleiben. Amazons Coming-of-Age-Story sieht ein bisschen aus wie "Dirty Dancing", klingt wie "Kiss You All Over" von Exile und ist im Grunde genommen eine zauberhafte Odé an die romantische Komödie - irgendwann bevor Jennifer Lopez und Katherine Heigl das Genre zugrunde richteten.

Komödie. Für Fans von Country-Clubs und Tennis-Socken.
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"Mr. Robot"

(Foto: Twitter/whoismrrobot)

Die Bildsymbolik der Bewegung erinnert an Anonymous. Die "fsociety" allerdings trägt Schnurrbart. Es ist die Hackergruppe, der sich Elliot Alderson angeschlossen hat. "Mr. Robot" erzählt eine komplexe Geschichte von modernem Kapitalismus, großen Konzernen und Internetaktivismus. Doch die Serie ist auch eine Abhandlung über das zarte Gebilde, das der Mensch Verstand nennt. Es ist die Kombination aus beidem, die den Zuschauer schließlich nicht nur Gefallen am Politischen finden lässt, sondern einen fast schmerzhaft persönlichen Bezug dazu herstellt.

Drama / Thriller. Für Fans von Verschwörungstheorien und Masken.

"The Last Panthers"

(Foto: Sky)

Ein Schuss kann alles verändern. Bei "Last Panthers" tötet er ein Kind und lässt einen millionenschweren Juwelen-Deal platzen. Unter Marseilles trübem Himmel heften sich verschiedene Interessengruppen an die Fersen einer Räuberbande. Quer über den Kontinent treibt die Sky-Serie ihre Protagonisten, gedreht wurde in verschiedenen Sprachen. Anstrengend ist das manchmal, zeugt doch aber auf sympathische Weise von der Begeisterung Europa. Düster wie ein skandinavischer Krimi und gemächlich bis zäh wie "True Detective" kann es "Last Panthers" ganz vorsichtig mit der Konkurrenz aus Übersee aufnehmen.

Drama / Action. Für Fans von Klunkern und Untertiteln.
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Außerdem einen Versuch wert

Die Comic-Adaption "Supergirl", in der die Heldin lieber nicht bauchfrei trägt und mit Kopf und Schlagkraft endlich mal ein weibliches Heldenvorbild abgibt, der Cartoon "F is for Family", der seine Zeichentrickfamilie in den 70er Jahren inszeniert, das fiktive Drama "The Man in the High Castle", bei dem die Nazis Herrschaft über die USA erlangt haben, das Drama "The Slap", in dem eine einzige Ohrfeige alles verändert, und das Drama "Bloodline", das eine Familie mit ihrer dunklen Vergangenheit konfrontiert.

Quelle: n-tv.de

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