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Preisverdächtige Dschungelcamp-Moderatoren: der inzwischen verstorbene Dirk Bach und Sonja Zietlow.
Preisverdächtige Dschungelcamp-Moderatoren: der inzwischen verstorbene Dirk Bach und Sonja Zietlow.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Entscheidung fällt am 27. März: Dschungelcamp auf Grimme-Kurs

Dschungelcamp und Qualitätsfernsehen schließen sich offenbar nicht aus. Erstmals haben die Juroren das "Spektakelfernsehen" auf dem Radar. "Wir wollten zeigen, dass der Sender etwas kann, wenn er sich bemüht", sagt der Vorsitzende der Grimme-Preis-Kommission.

Der Grimme-Preis wird seit 1961 von dem Deutschen  Volkshochschul-Verband gestiftet
Der Grimme-Preis wird seit 1961 von dem Deutschen Volkshochschul-Verband gestiftet(Foto: picture alliance / dpa)

Das Dschungelcamp ist auf dem besten Weg zu einem Grimme-Preis. Die Nominierungskommission der renommierten Auszeichnung hat das von Kritikern als "Ekel-TV" verschmähte RTL-Unterhaltungsformat "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" für die Endausscheidung vorgeschlagen. In der letzten Staffel, die erst am vergangenen Wochenende zu Ende ging, hatten die Moderatoren noch gewitzelt, sie würden alles unternehmen, um bloß keinen Preis zu gewinnen.

Die Auswahlkommission für den Grimme-Preis hatte sich zur ersten Nominierung der seit Jahren bekannten Urwaldshow mit mehr oder weniger Prominenten aus mehreren Gründen entschieden. Die sechste Staffel sei eine der besten überhaupt und zudem die letzte mit Co-Moderator Dirk Bach, der vergangenes Jahr gestorben ist, sagte der Kommissions-Vorsitzende Hanns Hoff. Er nannte die hohe Produktionsqualität der Sendung. "Wir wollten zeigen, dass der Sender etwas kann, wenn er sich bemüht."

Insgesamt sind 57 Produktionen und Fernsehschaffende in drei Kategorien für die begehrten Grimme-Preise nominiert worden. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind 52 Mal dabei. Die Privaten können sich Hoffnung auf fünf Preise machen. "Das Fernsehjahr 2012 bot eine ganze Menge Ansehnliches und Diskussionswürdiges", resümierte Grimme-Institut-Direktor Uwe Kammann.

Geschonnecks kostbare Lehrstücke

Nichts mehr zu rütteln gibt es an der Auszeichnung von Fernsehregisseur Matti Geschonneck. Er erhält die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, der die Grimme-Preise vergibt. Zwei Grimme-Preise hatte Geschonneck in früheren Jahren bereits für den Politthriller "Die Nachrichten" (2006) und das Psychokammerspiel "Liebesjahre" (2012) erhalten. Seine Filme seien kostbare Lehrstücke über die menschliche Seele und die gesellschaftlichen Verhältnisse, sagte Ulrich Aengenvoort vom Volkshochschulverband.

Neben dem Dschungel-Camp kann sich Günther Jauch bei den Privaten im Unterhaltungsbereich mit seinem Ratespiel "Wer wird Millionär?" Hoffnung auf einen Grimme-Preis machen. In der Kategorie gab es allerdings Mängel. "In der Unterhaltung wurde das mögliche Kontingent für die Endjury nicht ganz ausgeschöpft, schlicht, weil es an ausreichend Neuem, Besonderem und Weiterentwickeltem fehlte", kritisierte Grimme-Direktor Kammann. Die Endjury werde sich aber über Überraschungen in ihrem Korb freuen dürfen, betonte er. Damit ist auch das Dschungelcamp gemeint.

Große Grimme-Gala am 12. April in Marl

Nominiert, beim ZDF aber abgesetzt ist die Live-Talkrunde "Roche & Böhmermann". Bestsellerautorin und Ex-MTV-Moderatorin Charlotte Roche und der subversive Komiker Jan Böhmermann empfangen Gäste und versuchten, mit Provokationen Gespräche anzuheizen.

Wie schon üblich sind die öffentlich-rechtlichen Sender in der Kategorie Information und Kultur unter sich. Ein Haar in der Suppe neben dem mangelnden privaten Engagement fand die Kommission auch bei ARD, ZDF und Co.: In vielen Dokumentationen würden sich die Reporter selbst inszenieren. Das sei bei der Kommission nicht gut angekommen.

Der Grimme-Preis wird seit 1961 von dem Deutschen Volkshochschul-Verband gestiftet, der dafür das Grimme-Institut einrichtete. Die Gewinner gibt das Grimme-Institut am 27. März bekannt, verliehen werden die Preise dann am 12. April bei einer großen Gala in Marl. Die Entscheidung liegt bei drei Jurys, die aus den von Vorauswahlkommissionen ausgesprochen Nominierungen ihre Favoriten wählen. Sie sind mit Journalisten, Vertretern von Volkshochschulen sowie einigen wenigen Medienwissenschaftlern besetzt.

Quelle: n-tv.de

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