Vorläufige VormundschaftErster Sieg für Katherine
Nicht einmal vier Tage nach dem Tod von Popstar Michael Jackson ist der Kampf um sein Erbe voll entbrannt.
Jacksons Mutter Katherine hat vorübergehend die Vormundschaft für die drei Kinder des Sängers erhalten. Wie der Internetdienst tmz.com berichtet, hatte sie einen Antrag auf Vormundschaft beim Superior Court in Los Angeles eingereicht. Bei einer Gerichtsanhörung am 3. August soll über das weitere Schicksal der Kinder beraten werden. In ihrem Antrag machte die Großmutter geltend, dass die Kinder "keine Beziehung zu ihrer biologischen Mutter" hätten. Dagegen hätten die Kinder eine "lang bewährte Beziehung" zu ihrer Großmutter und seien bei ihr gut aufgehoben. Dem Antrag zufolge ist "derzeit nicht bekannt", ob die leibliche Mutter der beiden älteren Kinder, Debbie Rowe, dieser Regelung zustimmen wird.
Die drei Kinder, der zwölfjährige Prince, die elfjährige Paris und der siebenjährige Blanket werden seit Jacksons Tod von seiner Mutter Katherine betreut. "Michael hätte sich gewünscht, dass die Kinder zu ihr kommen. Sie liebt sie sehr", sagte der Anwalt der Jackson-Familie, Londell McMillan. Allerdings könnte auch Jacksons Ex-Frau Debbie Rowe Anspruch auf die beiden älteren Kinder erheben, weil sie ihre leibliche Mutter ist. Die Mutter Blankets, der von einer Leihmutter geboren wurde, ist unbekannt.
Gemeinsam mit ihrem Mann Joe beansprucht Katherine Jackson auch die Kontrolle über Jacksons Vermögen. "Nur Katherine und ich haben die Vollmacht für unseren Sohn und seine Kinder", ließ der 79 Jahre alte Vater laut "Los Angeles Times" durch einen Sprecher erklären.
Auch um das Vermögen dürfte es ein größeres Gerangel geben. Zwar hat Jackson schätzungsweise rund 400 Millionen Dollar Schulden hinterlassen, seine hochkarätigen Musikrechte dürften aber um einiges mehr wert sein.
Leichnam vernarbt
Der Tod des legendären Sängers gibt derweil weiter Rätsel auf: Die Leiche Jacksons wies nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Sun" zahlreiche Narben und Verletzungen auf. Der Musiker hatte demnach bei seinem Tod nur teils aufgelöste Tabletten im Magen und wog bei einer Größe von 1,77 Metern knapp 51 Kilo. Das Boulevardblatt berief sich zwar auf Ergebnisse der Obduktion, schrieb allerdings nicht, wie es an die Informationen gelangte. Tmz.com behauptete unterdessen, dass der Bericht der "Sun" "erfunden" und falsch sei. Der Internetdienst berief sich auf eine Mitteilung der Gerichtsmedizin im Bezirk Los Angeles. Die Behörde habe diese Informationen nicht herausgegeben, hieß es. Sie seien nicht akkurat. "Einiges darin ist komplett falsch".
Laut "Sun" trug der Sänger an seinem Todestag eine Perücke, unter der er stellenweise kahlköpfig war. Zudem habe die Leiche Verletzungen von den erfolglosen Wiederbelebungsversuchen aufgewiesen. Außerdem gebe es in der Herzregion vier Einstichstellen von Spritzen. Laut "Sun" sollte das Herz des Sängers mit Adrenalin wieder zum Schlagen gebracht werden.
Murray: Puls schlug noch
Der Privatarzt Conrad Murray, der die Wiederbelebung auf Jacksons Bett versucht hatte, berichtete überraschend von einem anfangs noch spürbaren Pulsschlag. Murrays Anwalt Edward Chernoff sagte, der Kardiologe sei am Todestag "zufällig" in Jacksons Zimmer gekommen und habe ihn ohne Atmung vorgefunden. "Er fühlte den Puls. Es gab einen schwachen Puls in seiner Oberschenkel-Arterie. Er hat sofort mit der Herzdruckmassage angefangen", sagte Chernoff.
Zudem ließ der Arzt versichern, er habe dem Musiker keine morphiumähnlichen Schmerzmittel verabreicht. Jackson war am Donnerstag mit 50 Jahren überraschend an Herzversagen gestorben. Kurz vor seinem Tod soll der angeblich medikamentensüchtige Star nach Angaben des Internetdienstes tmz.com eine Spritze mit dem starken Schmerzmittel Demerol bekommen haben, die zum Tod geführt haben könnte. Solche Berichte seien "absolut falsch", sagte Anwalt Chernoff laut "Los Angeles Times".
Gedenkfeier
Die Größen der schwarzen US-Musikszene nahmen in der Nacht zum Montag mit einer bewegenden Show im Gedenken an Michael Jackson Abschied vom "King of Pop". "Es gibt keinen Grund, traurig zu sein. Wir feiern diesen schwarzen Mann. Er gehört zu uns und wir teilen ihn mit jedem", sagte Moderator Jamie Foxx in Los Angeles bei der Vergabe der BET Awards, der begehrten US-Auszeichnungen für schwarze Künstler.
Neben zahlreichen Stars von Beyoncé über Keyshia Cole und Bobby Brown nahmen auch Jacksons Vater Joe und Schwester Janet teil. "Unsere ganze Familie wollte heute Abend hier sein", sagte Janet, sichtbar mit den Tränen kämpfend. "Es war einfach zu schmerzvoll. Für Euch ist Michael eine Ikone. Für uns ist er Familie. Und er wird für immer in unseren Herzen weiterleben."
Jamie Foxx erschien zu der Gala im Shrine-Auditorium von Los Angeles in einem Michael-Jackson-Kostüm und probierte mehr schlecht als recht den legendären "Moonwalk" der Tanzlegende. Unter dem Jubel des Publikums präsentierte er zusammen mit Beyoncé eine Neuauflage des Supersongs "Thriller", mit dem "Jacko" einst den größten Verkaufshit aller Zeiten hatte.
Vater Joe besorgt
"Ich wollte, die Welt hätte ihn anerkannt, solange er noch gelebt hat", sagte Vater Joe dem US-Nachrichtensender CNN. Wegen der Todesumstände habe er große Sorgen, räumte er ein, machte aber keine näheren Angaben. "Mir gefällt nicht, was passiert ist." Die BET Awards werden alljährlich vom TV-Sender Black Entertainment Television in unterschiedlichen Kategorien vergeben.
Ein Termin für die Beerdigung wurde bislang nicht genannt. Spekulationen in den Medien, Jackson werde am Mittwoch beerdigt, wollte die Familie nicht bestätigen. Laut "Los Angeles Times"" ist unter anderem im Gespräch, nach dem Vorbild der Elvis-Presley- Gedenkstätte aus seiner Neverland Ranch eine Art Graceland zu machen. In dem traditionsreichen Apollo-Theater sollte am Dienstag eine Gedenkfeier stattfinden.