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Jennifer Lopez und Cameron Diaz gehörten zu den Stars, die einen Oscar überreichten.
Jennifer Lopez und Cameron Diaz gehörten zu den Stars, die einen Oscar überreichten.(Foto: REUTERS)

"The Artist", Oscar und der Blick zurück: Hollywood feiert, Zuschauer gähnen

von Markus Lippold

Nach 83 Jahren wird wieder ein Stummfilm mit dem Oscar für den besten Film geehrt. "The Artist" ist der große Abräumer einer Oscar-Show, die in Bildern aus besseren Zeiten schwelgt - und furchtbar langweilt. Da hilft auch Routinier Billy Crystal nicht mehr. Auch die deutschen Oscar-Hoffnungen werden gänzlich enttäuscht. Und wo war eigentlich Woody Allen?

Als der Regie-Oscar an Michel Hazanavicius für "The Artist" vergeben wurde, war klar, dass der französische Stummfilm der große Abräumer der 84. Verleihung der Academy Awards in Hollywood sein würde. Und so kam es dann auch. Der wunderbare Streifen erhielt kurz darauf auch den Preis für den besten Film. Hauptdarsteller Jean Dujardin darf zudem als erster Franzose den Darsteller-Oscar mit nach Hause nehmen. "Wow, das ist genial, merci, formidable!", bedankte er sich. Weitere Preise bekam "The Artist" für das beste Kostümdesign und die Filmmusik von Ludovic Bource. Es sind fünf Preise, die die mutige Idee von Regisseur Hazanavicius honorieren, der lange brauchte, um das Geld für die Realisierung aufzutreiben.

Beste Hauptdarsteller: Meryl Streep und Jean Dujardin.
Beste Hauptdarsteller: Meryl Streep und Jean Dujardin.(Foto: REUTERS)

Bis zur Verleihung des Regie-Oscars hatte der mit elf Nominierungen als Favorit geltende "Hugo Cabret" von Martin Scorsese den Ton angegeben: Er erhielt mehrere technische Oscars, darunter für Kamera, Szenenbild, Ton, Tonschnitt und für die besten visuellen Effekte - hinter denen maßgeblich die Firma Pixomondo mit Hauptsitz in Frankfurt am Main steht. Doch im zweiten Teil der Show tauchte der Film nicht mehr auf - die Franzosen übernahmen. Und natürlich Meryl Streep erhält Ehrenbären . Die Ausnahme-Schauspielerin war zum 17. Mal für einen Oscar nominiert. Nun konnte sie ihn zum dritten Mal mit nach Hause nehmen. Sie erhielt den Academy Award für die Darstellung der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher in "Die Eiserne Lady".

Es fehlen Ideen und Schwung

Doch bei aller Freude, dass ausgerechnet ein europäischer Stummfilm bei den Academy Awards triumphiert: Die Zeremonie war selten so langweilig. Dabei hatte das Thema, das die Show durchzog, durchaus seinen Reiz. Es war der Blick zurück in eine goldene Vergangenheit, wie sie auch der große Gewinner zelebriert. "The Artist" erzählt vom Stummfilmstar George Valentin, der mit Einführung des Tonfilms alles verliert - bis auf die Liebe von Schauspielerin Peppy Miller, die er einst förderte und die zum Superstar wird. Es ist eine wunderbare, nostalgische Reise in die Glanzzeit Hollywoods.

Das Lachen täuscht: Auch Moderator Billy Crystal konnte die Show nicht retten.
Das Lachen täuscht: Auch Moderator Billy Crystal konnte die Show nicht retten.(Foto: REUTERS)

Die Produzenten der Show freilich versenkten diesen Ansatz in Pathos, es fehlte an Ideen, Schwung und vor allem Witz. Da war es auch nicht hilfreich, dass (zum neunten Mal) Billy Crystal durch die Oscar-Verleihung führte. Abgesehen von ein paar Gags und einer lahmen Gesangseinlage hatte er nicht viel zu bieten. Den Produzenten galt er aber wohl als sichere Bank nach der Murphy kein Oscar-Moderator . Woody Allen hat das Desaster vielleicht im Voraus geahnt. Er war gar nicht erst erschienen - und konnte so auch nicht seinen Oscar für das Originaldrehbuch von "Midnight in Paris" entgegennehmen.

Viele Überraschungen konnte die Show also nicht bieten, immerhin aber einen Rekord: Der 82-jährige Christopher Plummer erhielt für seine Rolle in "Beginners" den Academy Award als bester Nebendarsteller. Er ist damit laut Filmakademie der älteste Schauspieler, der je einen Oscar gewonnen hat. Plummer wurde 1929 geboren, dem Jahr der ersten Oscarverleihung. In dem Film spielt der Kanadier einen Mann, der sich erst im hohen Alter nach dem Tod seiner Frau zu seiner Homosexualität bekennt. Viele Tränen flossen dagegen bei Octavia Spencer, die für ihre Darstellung in dem Südstaatendrama "The Help" als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde.

Mit "Nader und Simin" von Asghar Farhadi gewinnt erstmals ein iranischer Film einen Oscar.
Mit "Nader und Simin" von Asghar Farhadi gewinnt erstmals ein iranischer Film einen Oscar.(Foto: AP)

Als beste Dokumentation wurde "Undefeated" über eine US-Footballmannschaft ausgezeichnet. "Pina" von Wim Wenders, eine Hommage für die 2009 gestorbene Tänzerin und Choreographin Pina Bausch, ging dagegen leer aus. Wenders war bereits 2000 für seine Dokumentation "Buena Vista Social Club" nominiert. Auch die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl konnte keinen Oscar mit nach Hause nehmen. Sie war für ihre Arbeit an dem Film "Anonymus" von Roland Emmerich nominiert und verlor gegen die Macher von "The Artist". Der deutsch-indische Kurzfilm "Raju"von Max Zähle und Florian Kuhn schließlich unterlag dem Beitrag "The Shore".

Erster Oscar für den Iran

Den Preis für den besten fremdsprachigen Film gewann "Nader und Simin - Eine Trennung" von Asghar Farhadi. Es ist der erste Oscar für einen iranischen Film. "Nader und Simin" holte bei der Berlinale 2011 bereits den Goldenen und zwei Silberne Bären. In seiner Dankesrede thematisierte Farhadi auch die derzeitigen Spannungen im Streit um das iranische Atomprogramm. Farhadi widmete den Oscar den Menschen im Iran, die "alle Kulturen und Zivilisationen respektieren und Feinseligkeit und Ressentiments verachten".

Für das beste adaptierte Drehbuch wurde "The Descendants" ausgezeichnet. Bester Animationsfilm wurde "Rango" von "Fluch der Karibik"-Regisseur Gore Verbinski. Den Oscar für die beste Kurz-Dokumentation erhielt "Saving Face", bester animierter Kurzfilm wurde "The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore". "Man or Muppet" von Bret McKenzie aus dem Film "Die Muppets" erhielt den Academy Award für den besten Filmsong. Für das beste Make-Up wurde "Die Eiserne Lady" ausgezeichnet. Der Oscar für den besten Schnitt ging an "Verblendung". Ganz ohne Oscar mussten die jeweils sechsmal nominierten Filme "Gefährten" von Steven Spielberg und "Moneyball" mit Brad Pitt auskommen.

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Quelle: n-tv.de

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