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Vom Ehepaar zu Erzfeinden: Claire und Frank Underwood.
Vom Ehepaar zu Erzfeinden: Claire und Frank Underwood.(Foto: Netflix)

Netflix-Serie geht in Runde vier: House of Claire

Von Liv von Boetticher-Germeroth

Das Kartenhaus in Washington konkurriert nicht nur mit dem realen US-Wahlkampf: Es weist auch inhaltlich erstaunliche Parallelen zur Realität auf. In der vierten Staffel von "House of Cards" wird eine Frau zur Schlüsselfigur.

! Achtung: Spoiler aus vorherigen Staffeln !

Kevin Spacey ist in seiner Paraderolle als unehrenhafter und skrupelloser Präsidenten Francis "Frank" Underwood am Ende der dritten Staffel "House of Cards" an vielen Fronten in die Ecke gedrängt. Außenpolitisch hat er sich mit Russland verworfen, innenpolitisch versucht, er den Präsidentschaftswahlkampf nicht nur zu überleben, sondern auch zu gewinnen - doch das ist mit List und Tücke für einen Machtmenschen wie Underwood wohl zu meistern. Viel schlimmer ist: Seine bis dahin loyal-intrigante Partnerin, die Stütze seiner Macht, Claire (Robin Wright) hat ihn verlassen. Ohne die kühle elegante Blondine ist Underwood vermeintlich ein Nichts.

Doch Aufatmen! Die vierte Staffel der Netflix-Produktion verschwendet keine Zeit und kommt gleich zur Sache: An der misslichen innen- und außenpolitischen Situation hat sich zwar nichts geändert, doch Underwood scheint jünger und frischer, bereit in die finale Schlacht zu ziehen. Eine Entwicklung, die er besonders seinem Erzfeind zu verdanken hat, der Person, die gleichzeitig das Beste und das Schlimmste in ihm zu Tage fördert: seiner eigenen Frau.

Über Staffel 3 hinweg ist es Claire überdrüssig geworden, ihren Mann immer wieder auf eigene Kosten zu schützen und sich selbst und eigene Ambitionen zurückzustellen. Als Frank ihr den Posten der UN-Botschafterin entzieht, um Russland einen politischen Gefallen zu tun, scheint am Ende der dritten Staffel Claires Entscheidung zu reifen, aus dem Schatten ihres Mannes treten zu wollen. Zu Beginn der vierten Staffel ist dieser eheliche Konflikt ungelöst. Als First Lady verfolgt Claire nun ihre eigenen Ambitionen - und jeder, der es wagt ihr dabei im Weg zu stehen, wird hinterhältig oder ganz offensichtlich aus dem Weg geräumt.

Spannend wie seit Staffel 2 nicht mehr

Mit Leann Harvey plant Claire Underwood den Angriff auf die Politik.
Mit Leann Harvey plant Claire Underwood den Angriff auf die Politik.(Foto: Netflix)

Ein kluger Schachzug der "House of Cards"-Macher, denn mit Robin Wrights Version eines weiblichen "Phoenix aus der Asche" kehrt die Art von elektrisierender Spannung zurück, die der Serie mit Franks Einzug ins Oval Office verloren gegangen zu sein schien. Frank Underwoods Rolle bleibt jedoch ein Schatten des teuflischen Strippenziehers der ersten Staffel. Das Weiße Haus hat ihn verschlissen. Kevin Spacey verkörpert nicht länger die fesselnde Figur vom Beginn der Serie - dieser Titel geht ab Staffel 4 definitiv an Claire.

Jeder Charakter aus "House of Cards" hat seine dunklen Geheimnisse.
Jeder Charakter aus "House of Cards" hat seine dunklen Geheimnisse.(Foto: Netflix)

Die Drehbuchschreiber haben diese Schwerpunktverlagerung der beiden Charaktere vermutlich ganz bewusst gewählt. Aktuell kämpft Hillary Clinton um den Einzug ins Weiße Haus. Außerdem wird mit Underwoods Widersacherin im "House of Cards"-Präsidentschaftswahlkampf Heather Dunnbar (Elizabeth Marvel) zusätzlich das Thema von Frauen in der Politik aufgegriffen. Überhaupt übernimmt das weibliche Geschlecht Schlüsselfiguren in der vierten Staffel. Neben der scharf kämpfenden Journalistin Kate Baldwin (Kim Dickens) treten auch drei knallharte texanische Ladies in den Vordergrund: Claire's kränkelnde Mutter (Ellen Burstyn), die bereits ältere Kongressabgeordnete Doris Jones (Cicely Tyson) und die gerissene politische Beraterin Leann Harvey (Neve Campbell).

"House of Cards" braucht Underwood (fast) nicht mehr

In Franks Lager kommt es zwischen seinem Chief of Staff Doug Stamper (Michael Kelly) und dem opportunistischen Leiter der Pressestelle Seth Grayson (Derek Cecil) zu Machtkämpfen. Außerdem taucht der von vielen Zuschauern lange vermisste Journalist Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) wieder auf. Über lange Strecken verkommt Underwood zu einer Randnotiz, während die anderen Charaktere übelwollend umeinander kreisen. Jeder einzelne von ihnen verfolgt bösartig seine eigenen Interessen. 

Wie alle von Spacey gespielten zwielichtigen Figuren hat es auch Frank Underwood geschafft, seiner gesamten Umgebung einen negativen Touch zu verpassen - und für uns Zuschauer ist das, so schlimm es sich anhört, fantastisch. Vielleicht ist es das, was Frank Underwoods Charakter für die Serie doch noch interessant macht: zu zeigen, dass in jedem ein betrügerischer Politiker steckt, auch in denen, die auf der anderen Seite des Bildschirms sitzen.

In Deutschland werden die neuen Folgen "House of Cards" zuerst bei Sky zu sehen sein.

Quelle: n-tv.de

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