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Gold zählen oder darin schwimmen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen von Dagobert.
Gold zählen oder darin schwimmen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen von Dagobert.(Foto: picture-alliance / dpa)

Dagobert Duck im Interview: "Ich bin keine Heuschrecke"

Nach etlichen automatischen Sicherheitsschleusen bin ich endlich drin - im Geldspeicher von Dagobert Duck. Personal ist mir bisher nicht begegnet, es ist der reichsten Ente der Welt wohl zu teuer. Auch einen Fahrstuhl sucht man vergebens. So dauert es viele Stufen, ehe ich im Büro von Fräulein Rita Rührig, seiner Sekretärin, stehe. Sie bittet mich, einen Moment zu warten, Herr Duck sei noch beschäftigt. "Einen Kaffee?", fragt sie mich. "Keinesfalls", zischt es da aus Dagoberts Büro. "Kaffee ist teuer. Wenn er nichts mitgebracht hat, kann er auch nichts trinken." Dagobert erscheint in der Tür und bittet mich eilig herein. "Bringen wir es hinter uns", fügt er an. "Zeit ist schließlich Geld. Stört es Sie, wenn ich nebenbei Taler zähle?" Wir setzen uns auf alte Hocker. Es kann losgehen.

n-tv.de: Herr Duck …

Dagobert Duck: Ich heiße nicht Duck. Ich heiße Scrooge McDuck. Haben Sie nicht recherchiert?

Ok, das erste Fettnäpfchen, aus reiner Schusseligkeit. Dagobert heißt im englischen Original natürlich Scrooge McDuck. Schnell etwas Insiderwissen fallen lassen, um ihn zu beruhigen …

Oh, Entschuldigung, ja richtig, Scrooge McDuck, Sie sind ja Schotte. Ihr Vorname ist Ebenezer Scrooge entlehnt, der Hauptfigur aus Charles Dickens "Weihnachtsgeschichte". Richtig?

Wenn Sie meinen.

Kennen Sie das Buch?

Ja, ich habe es mir einmal ausgeliehen. Es ist sentimentaler Quatsch. Die Hauptfigur wird durch diese Weihnachtsgeister verwandelt und schmeißt sein Geld dann zum Fenster raus, für Arme und Waisenkinder. Das ist doch abstrus.

Carl Barks erfand Dagobert Duck 1947. Zunächst war er eine Nebenfigur in Donald-Duck-Geschichten, später erhielt er eine eigene Heftreihe. Auf dem Foto ist außerdem Erika Fuchs zu sehen, die Barks' Geschichten jahrzehntelang kongenial ins Deutsche übersetzte.
Carl Barks erfand Dagobert Duck 1947. Zunächst war er eine Nebenfigur in Donald-Duck-Geschichten, später erhielt er eine eigene Heftreihe. Auf dem Foto ist außerdem Erika Fuchs zu sehen, die Barks' Geschichten jahrzehntelang kongenial ins Deutsche übersetzte.(Foto: picture-alliance / dpa)

Aber diese Weihnachtsgeschichte passt doch dazu, dass Sie just in diesem Dezember ihren 65. Geburtstag feiern. Ihren ersten Auftritt legten Sie schließlich im Dezember 1947 in der Geschichte "Christmas on Bear Mountain" hin.

Mein Alter ist mir nicht wichtig. Geburtstage auch nicht. Ich veranstalte die Feier am Tag dieses angeblichen Weltuntergangs, deshalb kommt hoffentlich keiner. Das wird mir eine Menge Geld sparen! Und Weihnachten liegt mir nicht. Ein grauenhaftes Fest. Wenn's nur erst vorbei wäre!

Na also, es läuft doch, jetzt lächelt er sogar verschmitzt.

Sie sind die reichste Ente der Welt. Wie groß ist Ihr Vermögen?

Sie sind ziemlich neugierig.

Nur eine ungefähre Angabe, bitte.

Ungefähre Angabe? Ich weiß natürlich exakt, wie viel Geld ich besitze: Es sind 13 Trillionen 224 Billionen 567 Milliarden 778 Millionen Taler und 16 Kreuzer. Seit der Goldpreis unaufhaltsam steigt, verliere ich allerdings tatsächlich ab und zu den Überblick. Aber Sie sehen ja, wie groß der Geldspeicher ist. Er ist randvoll mit Goldmünzen. Kürzlich musste ich sogar noch anbauen.

Auf Statussymbole verzichten Sie allerdings, soweit ich das sehen kann. Nicht mal ein Porsche parkt vor der Tür.

Keiner braucht einen Porsche, vor allem nicht bei diesen Benzinpreisen. Die Momente, die ich im Leben sammle, sind mir zu kostbar, um sie in solchen Luxussymbolen zu verschwenden. Wenn ich ein Auto brauche, leihe ich mir das meines Neffen. Es ist kein Ferrari, aber auch rot.

Aber ein neuer Hut könnte es doch bald mal sein.

Mein Zylinder passt perfekt, warum sollte ich ihn ersetzen? Er hat damals in Russland viel Geld gekostet, obwohl er gebraucht war. Und mein Zwicker, mein Gehrock und die Gamaschen halten auch noch einige Jahre.

Das sind Überbleibsel aus Ihrer Anfangszeit, als Sie ganz klein begonnen haben. Am Anfang stand eine einzelne Münze, oder?

Ja, richtig. Das war in Glasgow, wohin meine verarmte Familie ziehen musste, nachdem wir das Familienschloss aufgegeben hatten. Dort bekam ich zu meinem zehnten Geburtstag einen Schuhputzkasten geschenkt. Und fortan verdiente ich mir mein Geld ehrlich auf der Straße, mit harter Arbeit. Darunter war natürlich auch meine erste selbst verdiente Münze.

"Dagobert Duck - sein Leben, seine Milliarden" (Ehapa Comic Collection) heißt die umfangreiche Biographie des Zeichners Don Rosa. Sie zeichnet die wichtigsten Lebensstationen von Dagobert nach, von seiner Kindheit bis zum Reichtum.
"Dagobert Duck - sein Leben, seine Milliarden" (Ehapa Comic Collection) heißt die umfangreiche Biographie des Zeichners Don Rosa. Sie zeichnet die wichtigsten Lebensstationen von Dagobert nach, von seiner Kindheit bis zum Reichtum.

In ihrer Biografie "Onkel Dagobert - sein Leben, seine Milliarden" von Don Rosa heißt es, die Münze wäre wertlos gewesen.

Nun, es war ein amerikanischer Kreuzer, der mir da untergejubelt wurde. Mit dem konnte ich in Schottland natürlich nichts anfangen. Aber es war mir eine Lehre: Ständig wird man betrogen. Ich musste also schlauer und härter sein als alle anderen. Nichts wird einem geschenkt, man muss hart dafür arbeiten.

Mit 13 Jahren überquerten Sie den Atlantik und gingen nach Amerika. Sie wollten wohl endlich den Kreuzer ausgeben?

Nein, natürlich nicht. Den ersten Kreuzer werde ich nie im Leben hergeben, er ist mein Glückszehner.

Darf ich ihn mal sehen?

Hat Gundel Gaukeley Sie etwa geschickt?

Dagobert schaut mich scharf an. Okay, das war ein großes Fettnäpfchen. Wo doch jeder weiß, dass die Hexe Gaukeley seit Jahrzehnten hinter dem Glückszehner her ist. Jetzt heißt es, schnell die Kurve kriegen und ihm etwas Honig um den Schnabel schmieren.

Äh, nein, die kenne ich gar nicht. Aber zurück nach Amerika. Dort wurden Sie der berühmteste Abenteurer, den die Welt je gesehen hat.

Nun ja. Ich fing bei meinem Onkel auf einem Mississippi-Dampfer an, den ich später erbte. Ich hatte eine tolle Mannschaft, mein Maschinist hieß Dankwart Düsentrieb. Zu dessen Enkel Daniel habe ich heute noch Kontakt. Und ich lernte erstmals die Panzerknacker kennen, die seitdem versuchen, mein Geld zu stehlen. Aber die Flussschifffahrt füllte mich nicht aus. Also ging ich als Kupferschürfer nach Montana.

Ach ja, der Wilde Westen. Wurden Sie mal geteert und gefedert?

Was wollen Sie damit sagen?

Okay, der Witz ging daneben, jetzt blitzt es aus seinen Augen.

Neben Dogoberts Schöpfer Carl Barks hat sich vor allem der Zeichner Don Rosa um die Figur verdient gemacht.
Neben Dogoberts Schöpfer Carl Barks hat sich vor allem der Zeichner Don Rosa um die Figur verdient gemacht.(Foto: picture-alliance / dpa)

Nach langen Jahren harter Arbeit stießen Sie auf eine Kupfermine, die Sie reich machte. Sie hätten sich zur Ruhe setzen können …

Nein, nein, nein. Wer rastet, der rostet. Außerdem brauchte ich das Geld, um die Grundsteuer auf unser schottisches Familienschloss zu tilgen. Damit war es schon wieder komplett futsch …

… und Sie machten sich erneut auf in die weite Welt.

Richtig, zuerst nach Transvaal in Südafrika, wo ich nach Gold und Diamanten suchte.

Ja, das hat mir Mac Moneysac auch erzählt. Sie haben ihn dort erstmals getroffen, oder?

Sie wagen es, diesen Namen in meinem Geldspeicher zu erwähnen? Und wieso sprechen Sie überhaupt mit diesem Halunken? Nun sagen Sie schon - oder ich schmeiße Sie raus!

Ja, das war unklug, einen seiner größten Widersacher zu erwähnen. Das muss ich jetzt schnell zurechtbiegen.

Nun, ich habe ihn einmal zum Thema ewige Verlierer interviewt.

Ach so, das ist etwas anderes. Wo waren wir?

Transvaal. Aber dort hatten Sie auch kein Glück. Wohin ging es dann?

Zurück nach Amerika, nach Windy City. Dort fand ich aber kein Gold. Ebenso wenig in Australien. Dafür prophezeite mir dort ein Aborigine, dass ich in Alaska reich werden würde. Sie können sich denken, dass das mein nächstes Ziel war.

Barks ließ Dagobert nicht nur in Comics auftreten, er malte ihn auch vielmals in Öl.
Barks ließ Dagobert nicht nur in Comics auftreten, er malte ihn auch vielmals in Öl.(Foto: picture alliance / dpa)

Und am Yukon fanden Sie dann ein Nugget so groß wie ein Straußenei, das Sie zum Millionär machte. Innerhalb von fünf Jahren brachten Sie es zum Milliardär. Wie haben Sie das gemacht?

Nun, das Geheimnis heißt: sparen. Dann sparen. Und dann nochmal sparen. Dazwischen muss man hart arbeiten und ab und zu kann man auch klug investieren. Aber hauptsächlich geht es ums Sparen.

Sie klingen schon wie Angela Merkel. Was halten Sie von ihrem Sparkurs zur Rettung des Euro?

Der ist prima, den hat sie von mir. Wir telefonieren oft, aber ich lasse sie anrufen. Sparen ist der einzige Weg, so reich zu werden wie ich. Ich bin reich geworden, weil ich zäher war als die Zähsten und schlauer als die Schlausten. Und ich bin dabei ein ehrlicher Mann geblieben. Jeder Kreuzer ist ehrlich und hart verdient.

Manche sagen, das viele Geld hätte Sie verändert.

Papperlapapp. Wer ein so großes Vermögen hat, muss es eben verteidigen gegen die Betrüger und Halsabschneider, die einen umlagern. Nehmen Sie nur meinen Neffen Donald - ständig will er bezahlt werden für kleine Gefälligkeiten, die er mir macht. Kein Wunder, dass man da misstrauisch wird gegenüber anderen.

Apropos Donald. Mit seiner Mutter Dortel und Ihrer anderen Schwester Mathilda siedelten Sie schließlich von Schottland nach Amerika über, nach Entenhausen. Wie kam es dazu?

Ich musste ja das Gold schützen, das ich inzwischen verdient hatte. Entenhausen war mit seinem kleinen Hügel ideal, um einen Geldspeicher zu bauen. Außerdem lag es zentral genug, um all meine Investitionen zu überwachen. Und die zahlten sich schließlich aus. Das Gold floss in Strömen und machte mich bald zur reichsten Ente der Welt.

Ökonomen kritisieren allerdings, dass Sie in Ihrem Geldspeicher das Gold anhäufen, statt es zu investieren und in Umlauf zu halten. Sie sagen, das vergrößere die Gefahr einer Rezession.

Das ist Blödsinn. Wer bitte behauptet das?

Wer hätte das gedacht: Dagobert Duck kann sogar Schwäbisch. Passt ja irgendwie zum Schotten.
Wer hätte das gedacht: Dagobert Duck kann sogar Schwäbisch. Passt ja irgendwie zum Schotten.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Nun, der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sagte kürzlich der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Aus makroökonomischer Sicht halte ich die Grundeinstellung von Onkel Dagobert für höchst gefährlich." Er nannte Sie eine "personifizierte Liquiditätsfalle".

Pah, ein Wirtschaftsweiser. Wenn er weise wäre und etwas von Wirtschaft verstehen würde, wäre er doch wohl so reich wie ich. Und außerdem: Worin soll ich denn bitteschön baden, wenn nicht in meinem Gold. Etwa in Wasser? Das ist ja lächerlich.

Andere nennen Sie eine "Heuschrecke".

Ich bin eine Ente, keine Heuschrecke.

Die Occupy-Bewegung hat Sie gar zur Symbolfigur des von ihr kritisierten Finanzkapitalismus erhoben.

Ach was, Finanzkapitalismus. Ich verabscheue Banken, ich investiere nicht in riskante Anlagen. Ich habe mein Gold lieber um mich.

Nun, Reichtum ist aber nicht alles. Als Sie die reichste Ente wurden, überwarfen Sie sich mit Ihren Schwestern.

Das geht Sie gar nichts an.

Mit Ihrem Neffen Donald scheinen Sie sich aber ganz gut zu verstehen.

Ja, er ist ganz hilfreich bei unseren Abenteuern auf der ganzen Welt. Ansonsten ist er aber ein Nichtsnutz, der versucht, mein Geld durchzubringen. Aber ich muss zugeben, seine Neffen Tick, Trick und Track sind auf Zack. Und sie halten mich auf Trab. Schließlich gibt es noch genug Schätze auf der Welt, die nur darauf warten, von mir geborgen zu werden.

Bekommt Donald etwas zu Weihnachten?

Ja, ich werde ihm einen Job anbieten. Aber das mit dem Mindestlohn kann er gleich wieder vergessen.

Ein Geheimnis ist Ihre Beziehung zu Frauen. Es soll eine große Liebe in Ihrem Leben gegeben haben: Nelly, der "Stern des Nordens". Sie lernten sie am Yukon kennen.

Ach was, die wollte mich auch nur betrügen. Sie hat mir sogar mein Straußenei-Nugget gestohlen. Ich habe es mir natürlich umgehend zurückgeholt.

Aber am Ende überließen Sie ihr einen Teil Ihres versteckten Goldes.

Bitte? Nie würde ich jemandem Gold überlassen. Sie hat es sich einfach genommen.

Wieso zwinkert es jetzt so? Sein Blick schweift ab und wirkt irgendwie verklärt. Dann wendet er sich wieder mir zu.

Und außerdem: Woher haben Sie eigentlich diese Geschichte?

Nun, von ihrem Vater Carl Barks, der Sie erfunden hat und vor 65 Jahren erstmals in einem Comic auftreten ließ. Er hat diese Geschichte in "Zurück zum Klondike" erzählt.

Carl wer? Ich kenne keinen Carl. Mein Vater heißt Dietbert McDuck. Auf Wiedersehen, ich muss jetzt weiterarbeiten!

Dagobert drückt auf einen Knopf auf seinem Schreibtisch. Unter mir öffnet sich eine Falltür. Ich verharre einen Augenblick in der Luft, dann geht es abwärts. Ein paar letzte Worte …

Ich danke Ihnen für dieses Gesprääääääääääääääääääch …

Mit Dagobert Duck sprach Markus Lippold

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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