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Irma: Ihr Debütalbum erscheint in Deutschland Anfang März.
Irma: Ihr Debütalbum erscheint in Deutschland Anfang März.(Foto: universal music)

Youtube-Star aus Frankreich: Irma kommt nach Deutschland

Von Martin Morcinek

Wer echte Musik mag, ein offenes Ohr hat und Künstlerinnen wie Zaz, Ayo oder Nneka liebt, der wird sich schon jetzt auf einen Frühling mit Irma freuen: Die zierliche Wahlfranzösin bringt ihr Debütalbum nach Deutschland - und beweist nebenbei, was das Internet zu leisten vermag.

Irma stammt aus Kamerun, lebt aber in Frankreich.
Irma stammt aus Kamerun, lebt aber in Frankreich.(Foto: universal music)

Jedem noch unentdeckten Nachwuchsmusiker da draußen muss dieser Name neue Hoffnung geben. Denn Irma, ein 24-jähriges Multi-Talent aus Kamerun, ist auf dem besten Weg, die großen Bühnen dieser Welt zu erobern - mit nichts anderem als ihrer Stimme, einer Gitarre und einem unerschöpflichen Vorrat an Spielspaß.

Und: Irmas Aufstieg beginnt tatsächlich im Internet. Vor knapp sechs Jahren – Irma ist gerade erst frisch in Paris angekommen, um die Schule abzuschließen – beginnt sie damit, die großen Hits ihrer musikalischen Vorbilder daheim in ihrem Zimmer auf der Akustikgitarre nachzuspielen und sich dabei auf Video aufzunehmen.

Irma singt "I want you back" von den Jackson Five, "I try" von Macy Gray oder "Hey ya!" von Outkast, eben alles, was ihr gefällt, und alles, was sie lockt. Schließlich wagt sie sich an "Au Suivant", ein Chanson von Jacques Brel und ein Klassiker aus dem Innersten der französischen Popkultur.

Finanziert von ihren Fans

Mit einem Klick auf "Ajouter une vidéo" veröffentlicht sie das Ergebnis auf Youtube, und diese Entscheidung sollte ihr Leben für immer verändern. Ihr Youtube-Kanal füllt sich, die Zahl ihrer Fans beginnt zu wachsen. Als Michael Goldman wenig später zufällig im Netz auf ihre Brel-Interpretation stößt, bleibt er fasziniert hängen. Goldman ist einer der Gründer von "My Major Company" in Frankreich, einem Fan-finanzierten Indie-Label, und damit beruflich auf der Suche nach neuen Talenten. Und er ist begeistert.

Irma bekommt ihren ersten Vertrag. Noch während sie ihren Schulabschluss einsteckt und sich für ein Wirtschaftsstudium einschreibt, entstehen mehr und mehr eigene Songs. Irma sammelt und experimentiert. Sie nutzt ihr angeborenes Gespür für Klang und Timing. Die Worte fließen ihr, wie sie selbst sagt, "auf ganz natürliche Weise zu". Mit großer Leichtigkeit gelingt ihr, wonach andere lange suchen müssen. Sie erkennt den Kern in jeder Melodie, der Rhythmus fliegt ihr zu.

2011 schließlich erscheint ihr Debüt-Album in Frankreich: Es sind die Lieder einer selbstbewussten und überaus begabten jungen Frau. Mit Titeln wie "Their Truth", "Watching Crap on TV", "Your Guide" und anderen Eigenkompositionen klettert "Letter to the Lord" aus dem Nichts in den französischen Album-Charts bis auf Platz 6. Die Single-Auskopplung "I know" erreicht sogar Platz 2. Es dauert nicht lange und Irma bekommt Platin.

Rauh und elegant wie Paris und Douala

Wer eine Schublade sucht, für den lässt sich Irma vielleicht am ehesten unter "New Soul", "Pop-Soul" oder vielleicht besser noch "Urban Soul" einordnen. Ihre Stimme und ihre Stilrichtung erinnern mal an den französischen Pop-Chanson-Star Zaz, mal an die junge Tracy Chapman, mal an Ayo oder die in Hamburg lebende nigerianische Sängerin Nneka. Wie die beiden letzteren kann sie sich auf einen starken afrikanischen Einfluss stützen. Ihre gesamte Kindheit verbrachte Irma in Douala, der großen Hafenstadt Kameruns an der Atlantikküste.

Irma beherrscht nicht nur Gesang und Gitarre, sie spielt auch Schlagzeug, Bass und Klavier. Privat und bei Live-Auftritten steuert sie außerdem einen Sampler per Fußpedal. So kann sie einzelne Instrumentalsparts, ein paar Takte geklopften Beat oder auch ihre eigene Stimme aufnehmen, um sich selbst zu begleiten und den Song Schicht für Schicht aus seinen Bestandteilen aufzubauen. Jeden Loop legt sie über den nächsten, bis unter ihren Händen aus einem rohen Intro ein fulminantes One-Woman-Orchester entsteht.

Das, ihr Talent und der Erfolg verschaffen ihr reihenweise neue Bekanntschaften. Wenn es ihr zunehmend verdichteter Zeitplan erlaubt, tritt Irma mit dem französisch-kongolesischen Rap-Star Youssoupha auf, überwältigt Frankreichs TV-Zuschauer mit einer "Alors on Danse"-Performance oder eilt ins Studio, um Hiphop-Schwergewicht Will.I.am von den Black Eyed Peas zu beeindrucken.

"I know" mit Mic Donet

Nach ihrem Wechsel zu Universal Music stehen für Irma die nächsten Stufen ihrer Karriere an: Um den deutschen Markt zu erobern, haben sich die Musik-Strategen nämlich etwas ganz besonderes ausgedacht. Sie bringen Irma für eine Duett-Version von "I know" mit dem deutschen Soulsänger und "Voice of Germany"-Star Mic Donet zusammen. Die Single dazu kommt am 8. Februar auf den Markt, und die Kombination der beiden Stimmen dürfte nicht nur in den Radiostationen landauf, landab für reichlich Aufmerksamkeit sorgen.

Im April geht Irma auf Tour durch Deutschland: Geplant sind bislang fünf Konzerttermine mit jeweils einem Auftritt in Stuttgart, Frankfurt, Berlin, Köln und Hamburg. Wer vorher schon einmal reinhören möchte: Schon ein paar Takte ihrer Youtube-Versionen von "Everybody" oder "No Diggity" reichen aus, um jeden, der ein Ohr - oder eine Schwäche - für wirklich gute Songs hat, auf Anhieb von ihren musikalischen Stärken zu überzeugen. Live verspricht ihr Auftritt in jedem Fall ein ganz besonderer Genuss zu werden.

Für alle übrigen, noch unentdeckten Nachwuchshoffnungen ist ohnehin klar: Irma beweist ganz nebenbei, dass Crowd-Funding-Ansätze in der Musik-Industrie funktionieren können. Ihre Chart-Erfolge bestätigen, wo sich die Stars von morgen tummeln - im Internet.

In Deutschland erscheint ihr Debütalbum "Letter to the Lord" am 1. März.

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Quelle: n-tv.de

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