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Von allen Bewohnern Entenhausens ist Donald Duck vielleicht der authentischste, schließlich kennt er alle menschlichen Gefühlsregungen.
Von allen Bewohnern Entenhausens ist Donald Duck vielleicht der authentischste, schließlich kennt er alle menschlichen Gefühlsregungen.(Foto: picture alliance / dpa)

Disneys Star wird 80: "Jeder kann sich mit Donald identifizieren"

Jeder kennt Donald Duck - und die meisten schließen den Pechvogel schnell ins Herz. Schließlich sind seine Fehltritte, seine Wutanfälle, aber auch sein ewiger Optimismus allzu menschlich. Donald ist aber nicht nur eine Figur aus Comics und Cartoons. Der Held, der seinen ersten Auftritt vor genau 80 Jahren in dem Zeichentrickfilm "The Wise Little Hen" hatte, ist auch ein Objekt der Wissenschaft.

Für Donaldisten das Maß aller Dinge: US-Zeichner Carl Barks (1901-2000) und seine deutsche Übersetzerin Erika Fuchs (1906-2005), hier 1994.
Für Donaldisten das Maß aller Dinge: US-Zeichner Carl Barks (1901-2000) und seine deutsche Übersetzerin Erika Fuchs (1906-2005), hier 1994.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Die "Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus" hat sich die Erforschung der Familie Duck auf die Fahnen geschrieben. Dabei geht es nahezu ausschließlich um die klassischen Geschichten des legendären Comiczeichners Carl Barks in der deutschen Übersetzung von Erika Fuchs - weshalb man Wert darauf legt, Duck deutsch auszusprechen, nicht englisch. Rainer Bechtel, die derzeitige Präsidente von D.O.N.A.L.D., spricht mit n-tv.de aber nicht nur über Barks und die Faszination, die vom Jubilar ausgeht, sondern auch über die Forschungsergebnisse des Vereins und die Frage, warum Donald keine Hose trägt.

n-tv.de: Wie wird man Donaldist?

Rainer Bechtel: In unserer Satzung heißt es etwas überspitzt: "Der Vollbesitz der geistigen und körperlichen Kräfte sowie der bürgerlichen Ehrenrechte ist nicht erforderlich." Aber Donaldist kann man eigentlich nicht werden, Donaldist ist man. Irgendwann erlangt man die Erkenntnis, dass man donaldistische Züge in sich trägt.

Nachdem man etliche Geschichten aus dem Duck-Universum gelesen hat?

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Genau. Fast alle Donaldisten kennen die Comics seit ihrer Kindheit, darunter natürlich auch jene von Zeichner Carl Barks. Wobei es in der Kindheit noch nicht so eine große Rolle spielt, wer genau der Zeichner war. Auch die hohe Qualität der deutschen Übersetzungen von Erika Fuchs, all die darin versteckten klassischen Zitate, erkennt man da natürlich noch nicht so gut. Manche Leser fangen aber an, sich näher damit zu beschäftigen, sie stellen sich weitergehende Fragen zu diesem Universum. Dann stolpert man über ungewöhnliche Dinge wie die Zähne im Schnabel der Ducks, die sich aber nur in bestimmten Situationen zeigen. Wenn man sich wissenschaftlich damit beschäftigt, wenn man nach Belegen sucht und Theorien entwickelt - dann ist das der Grundstein für den Donaldismus.

Und im Mittelpunkt steht Donald Duck?

Donald ist für die meisten Donaldisten die Hauptfigur und der Sympathieträger, weil sich in ihm jeder ein Stück weit wiederfinden kann, jeder kann sich mit ihm identifizieren. Donald scheitert zwar sehr oft, aber noch öfter packt er sich selber am Kragen und zieht sich wieder nach oben. Er ist weder ständiger Pechvogel noch Glückspilz, das macht ihn so authentisch. Er bringt es ja auch fertig, seine drei Neffen auf anständige Art und Weise zu erziehen. Er selbst verliert zwar sehr oft seine Stelle, erweist sich aber in der Jobsuche als ungemein vielseitig: Er ist Kunstschmied, Kunstflieger und Feuerwehrmann, arbeitet andererseits aber auch als Kartoffelstampfer im Hotel seines Onkels.

Er hat geradezu menschliche Charakterzüge.

Partywissen über Donald Duck

Voller Name: Donald Fauntleroy Duck

Eltern: Dortel und Degenhard Duck

Erster Auftritt: als Faulpelz in "The Wise Little Hen" von 1934

Ungewöhnlichster Auftritt: in Nazi-Uniform im Oscar-prämierten "Der Fuehrer's Face" von 1943

Wohnort: Im Original wohnt Donald mit seiner Familie in Duckburg, Micky Maus dagegen in Mouseton - in Deutschland wurde dies zu Entenhausen zusammengefasst.

Nachbar: Zacharias Zorngiebel

Kfz-Kennzeichen: 313

Ehrung: Asteroid 12410 wurde nach Donald Duck benannt

Für uns sind die Ducks aus den Comics keine Enten, sondern Anatide, also entenartige humanoide Wesen. Sie stellen in Entenhausen eine eigene humanoide Rasse dar - sie fahren Auto, gehen einer geregelten Arbeit nach, reisen in den Urlaub und so weiter. Das machen ja Enten für gewöhnlich nicht. Wir gehen eben von einem real existierenden Entenhausen aus, von dem Carl Barks uns berichtet. Dessen Zeichnungen und Geschichten sind für uns wissenschaftliche Quellen.

Sie sprechen von den Comics mit Donald Duck. Seinen ersten Auftritt hatte er aber in einem Trickfilm.

Wir unterscheiden zwischen der Trickfilmfigur Donald Duck - jener schnatternden, quakenden Ente, die vor 80 Jahren ihren ersten Auftritt hatte -, und "unserem" Donald Duck aus den Comics von Barks. Man kann natürlich sagen, dass auch andere Künstler diese Figur gezeichnet haben, etwa für die Lustigen Taschenbücher, das heutige Micky-Maus-Magazin oder auch diese Trickfilme. Diese Figur ähnelt unserem Herrn Duck natürlich sehr. Da die Verbindung zu ziehen, wäre noch eine Aufgabe, die man sich als Forschungsarbeit mal auf die Fahnen schreiben könnte.

Was ist mit anderen bekannten Duck-Zeichnern wie Don Rosa, der die Dagobert-Biografie "Sein Leben, seine Milliarden" gezeichnet hat?

Ein klassischer Donald aus der Feder von Carl Barks.
Ein klassischer Donald aus der Feder von Carl Barks.(Foto: picture alliance / dpa)

Don Rosa würde ich persönlich als einzigen amerikanischen Donaldisten betrachten, er ist auch Ehrenmitglied bei uns. Genau wie wir versucht er, Barks' Geschichten zu interpretieren, er hat sie ja sogar weitergesponnen. Rosas Werk stellt für uns aber keinen Beleg dar. Unter lauteren Donaldisten sind nur Carl Barks' Geschichten und Erika Fuchs' Übersetzungen anerkannt. Wobei es ein paar wenige Donaldisten gibt, die auch andere Quellen hinzuziehen.

Welche Rolle spielt denn die Übersetzerin Erika Fuchs? Sie legte Donald ja immer wieder Zitate von Goethe oder Schiller in den Mund und sorgte dafür, dass er in Deutschland einen besonderen Charakterzug bekam.

Nicht nur das. Sie hat den verschiedenen Charakteren auch verschiedene Sprachebenen zugeordnet. Dagobert Duck spricht natürlich ganz anders als die Neffen oder Donald. Letzterer spricht ja gerne mal etwas blümerant. Bei einem Wutanfall sagt er etwa: "Ich bin vor Wut so erhitzt, dass ein Spaziergang im Regen nottut. Sonst fange ich noch Feuer." Das ist doch wunderbar. Oder der Erfinder Daniel Düsentrieb sagt an einer Stelle: "Das beste Werkzeug ist ein Tand in eines tumben Toren Hand." Solche Sätze sind wahre Schätze.

Wenn die deutschen Übersetzungen eine so große Rolle spielen - gibt es denn Donaldisten auch außerhalb des deutschsprachigen Raums?

In Skandinavien gibt es eine Form des Donaldismus'. Ansonsten ist es eher eine deutsche Sache. In den USA etwa ist er - abgesehen von Don Rosa - völlig unbekannt.

Liegt das daran, dass Donald in Deutschland und anderen europäischen Länder wie den Niederlanden wesentlich populärer ist als in den USA?

In Amerika ist er kaum noch bekannt. Ich wollte einmal in den USA das Konzept des Donaldismus' erklären. Zuallererst war man dort allerdings darüber erstaunt, dass es von Donald auch Comics gibt. Man kennt ihn dort höchstens noch aus Trickfilmen.

Mit der donaldistischen Forschung versuchen Sie, Barks' Geschichten am Leben zu halten. Welche bahnbrechenden Erkenntnisse wurden denn seit der Gründung von D.O.N.A.L.D. 1977 gewonnen?

Ein Forschungsgebiet, das mich sehr fasziniert, ist das Mysterium der Neffendifferenzierung. Es geht um Tick, Trick und Track, die Neffen von Donald und die Frage: Kann man die drei Neffen überhaupt unterscheiden?

Vermutlich vor allem an den unterschiedlichen Farben.

Egmont Ehapa veröffentlicht zum Jubiläum zahlreiche Sonderausgaben wie diesen Hardcover-Band "Held in allen Lebenslagen".
Egmont Ehapa veröffentlicht zum Jubiläum zahlreiche Sonderausgaben wie diesen Hardcover-Band "Held in allen Lebenslagen".(Foto: Egmont Comic Collection)

Genau: Der eine hat eine rote, der andere eine blaue und noch einer eine grüne Mütze auf. Das ist naheliegend. Aber man muss das einschränken: Barks hat seine Zeichnungen nur in Tusche, also schwarz-weiß abgeliefert. Das heißt, die Koloration war den verschiedenen Verlagen vorbehalten und nicht immer einheitlich. Also hat sich mal jemand daran gemacht, die 6000 bis 7000 Seiten von Barks' Gesamtwerk empirisch auszuwerten. Dabei wurde festgestellt, dass Tick, Trick und Track annähernd genauso oft eine grüne Mütze tragen. Das gleiche gilt für rote und blaue Mützen. Außerdem verhalten sich die drei Brüder gar nicht wie normale Drillinge: Sie reagieren reflexartig oder rhythmisch völlig gleich und sie sprechen komplexe Sätze entweder synchron oder ergänzen sie gegenseitig. Das ist eigentlich unrealistisch. Außerdem taucht in einigen der 50.000 Panels, die Barks gezeichnet hat, ein vierter Neffe auf. Das Ergebnis dieser Forschung war also, dass die Neffen ein Mehrfachwesen sein müssen. Sie bestehen aus einem übergeordneten Geist, der verschiedene Körper ausbildet. Es handelt sich also nicht um drei einzelne Individuen.

Wie wurde diese Theorie denn aufgenommen?

Sie wurde 2008 auf einem Kongress in Bielefeld aufgestellt. Im Folgejahr gab es dann bereits eine Gegentheorie von einer Psychologin. Sie stellte bei einem der drei Neffen ADHS fest, also eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, was wiederum der Mehrfachwesen-Theorie widerspricht. Donaldismus ist eben eine sehr universelle Wissenschaft, man kann sich auf vielen Fachgebieten austoben. Allerdings wirft das oft mehr neue Fragen auf, als dass es Antworten bietet.

Eine ewige Frage lautet: Wieso hat Donald keine Hose an?

Dazu gibt es verschiedene Forschungsbeiträge. Merkwürdig ist ja, dass Donald keine Hose, aber Hemd und Mütze trägt. Legt er diese ab, fühlt er sich nackt. Nur hält er sich dann kurioserweise die Hände vor den Schritt, der im Normalfall aber ohnehin nackt ist. Donald badet zum Beispiel auch nicht nackt, sondern zieht sich einen Badeanzug an. Eine der Theorien lautet, dass die Ducks unten gar nicht nackt sind, sondern eine federne Hose tragen. Es gibt da verschiedene Ansätze, aber eine konkrete Antwort wurde noch nicht gefunden.

Mehr Informationen zu D.O.N.A.L.D. gibt es auf der Webseite des Vereins. Donald Duck findet man auch auf den Seiten von Ehapa.

Mit Rainer Bechtel sprach Markus Lippold

Quelle: n-tv.de

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