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Die Angst, in Vergessenheit zu geraten, ist groß.
Die Angst, in Vergessenheit zu geraten, ist groß.(Foto: dpa)

Dem Tod von der Schippe gesprungen: Jenny Elvers' TV-Beichte

Von Sabine Oelmann

Es ist schon mutig, im Fernsehen über seine Sucht zu sprechen. Und es ist nicht einfach, das kann man ihr ansehen. Jenny Elvers-Elbertzhagen legt eine Lebensbeichte ab, die man der Party-Blondine so vielleicht gar nicht zugetraut hätte.

Der Arzt hatte ihr bei der Einlieferung vor gut vier Monaten in die Betty-Ford-Klinik gesagt, dass sie noch sechs bis acht Wochen zu leben hätte, wenn sie so weitermachen würde. Ein Schock. Ein heilsamer Schock, denn seit der Diagnose trinkt die 40-Jährige keinen Tropfen mehr. Das ist jedoch ein harter Weg, den sie da nun geht, denn Alkohol wird für sie nie wieder in Frage kommen.

Die Angst, vergessen zu werden

Sie hat angefangen, wie alle wohl anfangen mit dem Alkohol: Man trinkt in geselliger Runde, man trinkt, wenn man ein gutes Essen genießt, man trinkt danach einen Absacker, weil es einem im Stamm-Lokal so angeboten wird. Man zieht weiter in eine Bar und nimmt einen Cocktail, weil es so lecker ist. Man beginnt am Wochenende, aber so langsam häufen sich die Ereignisse, und der Prosecco beim Abholen der Kinder vom Kindergeburtstag schleicht sich ein und dann der am Morgen, weil die Flasche von gestern so appetitlich im Kühlschrank steht und damit man in Fahrt kommt. So ähnlich wird es Jenny Elvers-Elbertzhagen vielleicht gegangen  sein - denn es gibt kaum eine Gelegenheit heutzutage, bei der es keinen Alkohol mehr gibt. Und in ihrer Welt ist der Alkohol praktisch ständig greifbar: Eine Filmpremiere hier, eine Abendveranstaltung dort, ein roter Teppich reihte sich fast nahtlos an den anderen. Die Versuchung, immer und überall dabei zu sein, ist groß. Die Angst, in Vergessenheit zu geraten, ist noch größer.

Mit oder ohne Sucht

In guten wie in schlechten Zeiten ...
In guten wie in schlechten Zeiten ...(Foto: dpa)

Jenny Elvers-Elbertzhagen wurde noch nie wirklich wegen ihrer schauspielerischen Qualitäten gerühmt. Obwohl sie einige Auftritte hatte, die denkwürdig waren und zeigten, dass mehr in ihr steckt als Heidekönigin oder "Freundin von" oder eben Party-Blondine. Detlef Buck, für den sie schon 1996 in "Männerpension" das Röckchen so unschuldig und gleichzeitig lasziv lupfte, würde ihr ohne mit der Wimper zu zucken auch wieder eine Rolle geben. Nachdem sie in seinem Sozialdrama "Knallhart" (2006) die wichtige Rolle einer alleinerziehenden Mutter gespielt hat, betont er: "Ich mag sie sehr gerne, weil sie ein sehr großherziger Mensch ist, mit oder ohne Sucht." Doch nur alle zehn Jahre eine gute Rolle - das ist vielleicht ein bisschen wenig. Und gesagt, dass sie eine super Schauspielerin ist, hat er damit auch nicht.

Sicher, sie hatte ihre Auftritte: Am Hamburger Schauspielhaus, an der Berliner Volksbühne, sie war die Buhlschaft im Berliner "Jedermann", Christoph Schlingensief nahm sie ernst und die "Mrs. Robinson" in der "Reifeprüfung" war ihr auf den eigentlich schönen Leib geschrieben. Doch irgendwann verschwammen die Fotos, anfangs dachte man, warum soll die Jenny nicht auch mal einen schlechten Tag haben, aber so verquollen wie im letzten Sommer - das war schon beängstigend. Richtig gemerkt hat das angeblich niemand, selbst die sogenannten Freundinnen tranken weiter mit ihr nach dem alles auslösenden Auftritt in Bettina Tietjens Sendung "Das!", wo sie lallend und wackelnd auf dem Sofa saß und man sich erstmals live fragen musste, was da eigentlich los ist. Das Ende fand auf der Damentoilette eines Hamburger Restaurants statt: Zusammenbruch. Jetzt merkten auch Jenny und ihr Mann, dass "etwas nicht stimmte".

Das war ein Hilferuf!

In den Interviews mit der Gala, der Bild und mit Frauke Ludowig zu ihrem RTL-"Exklusiv-Spezial" erzählte sie immer wieder, dass sie wohl entdeckt werden wollte: 34 Flaschen Alkohol habe ihr Mann und Manager, Götz Elbertzhagen, gefunden. "Das war ein Hilferuf", so Jenny. Da ihr Mann auch nicht wirklich wusste, was er tun sollte, rief er Eltern und Freunde an. "Das habe ich ihm übel genommen", gesteht sie. Auf der anderen Seite aber sagt sie: "Das schnelle Handeln meines Mannes hat mir das Leben gerettet." Am schlimmsten war es aber, die Situation vor ihrem elfjährigen Sohn geheimzuhalten - was ihr fast immer gelungen ist. Als Götz, der sich um den Jungen kümmert, als wäre es sein eigener (der leibliche Vater ist Ex-Big Brother Alex Jolig, mit dem sie 2001 nur ein paar Monate zusammen war) damit drohte, ihr den Sohn wegzunehmen, war klar, dass die Ehe, das ganze Leben, auf dem Spiel stand.

Er war auch überfordert, denn dass seine Frau Depressionen hatte und unter Schlaflosigkeit litt, wusste er zwar, er wusste aber nicht, wie er damit umgehen soll. Dass jemand, der eigentlich alles hat, dem es gut geht, in einen Zustand schlimmster Traurigkeit verfallen kann und seinen Kummer dann irgendwann mit Schlaftabletten und Alkohol zu lösen versucht, konnte der 53-Jährige nur schwer verstehen. 

Es ist tatsächlich eine großartige Rolle, die Jenny Elvers-Elbertzhagen da jetzt hat - nicht spielt: So ehrlich über die Krankheit Alkoholismus, Depression, Angst vor dem Versagen als Frau, Mutter und Schauspielerin zu erzählen, wie wortwörtlich scheiße der Entzug war, und dann zuzugeben, dass die Angst vor einem Rückfall immer da ist, ist echt groß. Hut ab und Daumen drücken. Ach und Detlef Buck - nicht erst 2016 mit ner schönen Rolle kommen! Und Herr Elbertzhagen: Aufpassen, dass dieser öffentliche-Beichte-Druck nicht kontraproduktiv wird.

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Quelle: n-tv.de

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