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Lernt Gebärdensprache: Kommissar Stellbrink
Lernt Gebärdensprache: Kommissar Stellbrink(Foto: SR/Manuela Meyer)

Stellbrink-"Tatort" mit Gehörlosen: Kaputt geredet

Von Julian Vetten

Was für ein spannender Ansatz: Weil in der Saarbrückener Gehörlosen-Community gemordet wird, findet die Hälfte der Episode in Gebärdensprache statt. Leider ermittelt ausgerechnet Jens Stellbrink in "Totenstille".

Drei Speed-Pillen auf nüchternen Magen, gefolgt von exzessivem Knebelsex mit einem roten Schal ist keine gute Idee. Merkt auch die hübsche Femme fatale, leider ein bisschen zu spät - da ist ihr Herz nämlich schon stehengeblieben. Das weiß ihr Lover aber nicht, der völlig von Sinnen aus dem Hotelzimmer in sein Auto stürzt und per Telefon seinen Cousin um Rat fragt, wie man wohl am besten eine frische Leiche verschwinden lassen könnte. Dass just in diesem Moment der gehörlose Ben vor ebenjenem Hotel steht, dem vermeintlichen Mörder jedes Wort von den Lippen abliest und ihn damit später erpresst, ist doch mal ein echt schöner Aufhänger für einen spannenden Krimi. Was sollte dabei noch groß schiefgehen?

Macht auf gehörlos: Kommissar Stellbrink in einer weiteren unfassbar peinlichen Szene
Macht auf gehörlos: Kommissar Stellbrink in einer weiteren unfassbar peinlichen Szene(Foto: SR/Manuela Meyer)

So ziemlich alles, denn leider ermittelt das Saarbrücker "Tatort"-Team unter Leitung von Jens Stellbrink in diesem Möchtegern-Mord, dem später noch ein echter Mord folgen wird. Der Hauptkommissar hat bislang noch jede Episode in Kombination mit bodenlos schlecht geschriebenen Dialogen an die Wand gefahren - und tut es auch diesmal mit vollem Karacho. Es ist eine echte Qual, Stellbrink dabei zusehen zu müssen, wie er sich seinen Weg durch "Totenstille" quengelt und jedem, der es garantiert nicht hören möchte, seine Kassette ins Ohr drückt. Das Trauerspiel wird nur übertroffen von dem pädagogischen Holzhammer, mit dem Regisseur Zoltan Spirandelli die Probleme der Gehörlosen-Community in die Zuschauer einprügeln möchte und sich dabei abermals Stellbrinks bedient: Der brüllt am Anfang auf die Tauben ein, als ob sie ihn dadurch besser verstehen könnten, nur um kurz darauf schon völlig fasziniert selbst Gebärdensprache zu lernen.

Eine filmgewordene Beleidigung

Wer tatsächlich so lange dabeigeblieben ist, hat nun immerhin die Chance, aus dem völlig verkappten Krimi eine unfreiwillige Komödie zu machen und damit doch noch den Abend zu retten. Sehr schnell lernt Stellbrink nämlich das Gebärdenzeichen für Polizist: Das soll wohl eine preußische Pickelhaube symbolisieren, sieht beim Kommissar aber eher so aus, als trüge er einen Dildo auf dem Kopf. Weil der Dildo sich nun bei jeder Gelegenheit als Polizist outet, hat man mit ein bisschen Fantasie und dem einen oder anderen Bier als gedanklichem Gleitgel trotzdem noch einiges zu lachen.

Das ist natürlich nur ein arg schwacher Trost, denn neben Stellbrink sorgen die schlechtesten Sprüche seit "Eis am Stiel 3", eine hanebüchene Story und die peinlichsten zehn Schlussminuten der jüngeren TV-Geschichte für den totalen Untergang dieser filmgewordenen Beleidigung. Das wirklich Traurige dabei ist aber, wie fahrlässig der Saarländische Rundfunk ein spannendes Thema mit gewaltigem Potenzial in den Sand gesetzt hat.

"Ohren werden doch eh überbewertet", findet eine gehörlose Tanzlehrerin. Und sie, die genau wie alle ihre Kollegen auch im realen Leben taub ist, hat natürlich recht: "Totenstille" hätte ein spannendes Experiment werden können, das tatsächlich zur im Film so vielbeschworenen Inklusion hätte beitragen können. So ist die neueste Episode aber nur ein weiterer Fehlschlag in der Serie von Saarbrücker Fehlschlägen.

"Wir gucken Filme lieber ohne Frauen" sagen Stellbrink und sein Kollege in einer ekelhaft platten Szene zu einer Hotelangestellten. Mag schon sein, aber wir gucken Filme lieber ohne Stellbrink.

Quelle: n-tv.de

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