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Caitlyn Jenner ist sich ihrer Vorreiterrolle als Transgender-Aktivistin bewusst. "I Am Cait" zeigt, wie sie sich engagiert.
Caitlyn Jenner ist sich ihrer Vorreiterrolle als Transgender-Aktivistin bewusst. "I Am Cait" zeigt, wie sie sich engagiert.(Foto: Youtube/E! Entertainment)

"I Am Cait" - Wandlung zur Frau: Kardashian goes Transgender

Von Anna Meinecke

Selten wurde einer Realityshow so entgegengefiebert. Bei "Keeping Up With The Kardashians" war Bruce Jenner Garant für lustige Momente. Als Caitlyn schlägt der Star in der Serie "I Am Cait" nun ernstere Töne an.

Für gewöhnlich zehren Reality-Formate von Peinlichkeiten. Sie zeigen besonders alberne Kandidaten, die schnell aus der Show gewählt werden, oder aber sie zeigen Promis aus ungewohnter, meist banaler und wenig schmeichelhafter Perspektive. Mit "I Am Cait", der Show, in der Caitlyn Jenner ihre ersten Schritte als Frau geht, ist der Sender E! liebevoller umgesprungen. Deswegen allerdings könnte das Format auch schnell langweilig werden. In der vergangenen Nacht lief in den USA die erste von acht Folgen.

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Jenner ist derzeit zweifelsohne das meistbeachtete Sprachrohr für Transgender-Belange. Anfang des Jahres hatte sie in einem Interview ihre Geschlechtsumwandlung angekündigt, nachdem sie bislang als Olympia-Sieger und Kardashian-Patriarch Bruce Jenner von sich reden gemacht hatte. Es folgte ihr Cover-Shooting für das Magazin "Vanity Fair", das Jenner erstmals als Frau zeigte. Schließlich hatte Jenner erst vor wenigen Tagen mit sorgsam gewählten Worten einen Preis für ihren Mut entgegengenommen.

"Was für eine Verantwortung"

Es ist nicht nur die Transformation vom Mann zur Frau, sondern vor allem die von einer Figur des Trash-TVs hin zu einer geachteten Person mit politischer Botschaft. "Was für eine Verantwortung ich gegenüber dieser Gemeinschaft habe ...", sinniert Jenner in einer intimen Szene von "I Am Cait". Sie sitzt im Bademantel im Bett, trägt kein Make-Up, guckt besorgt. "Ich hoffe, ich bekomme das richtig hin."

Es gelingt Reality-Formaten nicht oft, zum Nachdenken anzuregen. Das ist meist auch gar nicht beabsichtigt. "I Am Cait" aber ist anders. Der Zuschauer begleitet Jenner zu einem Besuch bei der Familie von Kyler Prescott, einem Transjungen, der sich im Alter von 14 Jahren das Leben nahm, weil er dem Druck einer Geschlechtsumwandlung nicht standhalten konnte - trotz der Unterstützung seiner Eltern. Caitlyn Jenner will für die sprechen, deren Stimmen nicht wie ihre gehört werden - und das tut sie auch.

Treffen mit den Kardashians

Natürlich muss zum Staffelstart auch der Kardashian-Clan auflaufen. Jenners jüngste Tochter Kylie sieht Caitlyn das erste Mal über Video-Chat. "Du siehst hübsch aus!", sagt die 17-Jährige. Doch Jenner weiß, dass die freundlichen Worte ihrer Familie vielleicht nicht die ganze Wahrheit sind. "Man weiß nie, ob sie, wenn sie hier weggehen und nach Hause kommen, sagen: 'Oh mein Gott, das ist seltsam'", sorgt sie sich.

Bruce Jenner war bei "Keeping Up with the Kardashians" vor allem für lustige Momente bekannt. Albern ist "I Am Cait" nicht. Zwar behält das Format mit ausschweifenden Malibu-Aufnahmen und der typisch inszenierten Zufälligkeit seines Genres seinen Spin-Off-Charakter, doch bietet "I Am Cait" gleichzeitig auch etwas völlig Neues an. Caitlyn Jenner verschafft denen, die sich innerhalb eines heterosexuell geprägten Weltbildes nicht behaupten können, einen Platz im Mainstream. Jetzt muss das Format in den kommenden sieben Folgen die Balance zwischen fortschrittlichem Lehrstück, emotionalem Leitfaden und guter Unterhaltung finden.

Ab dem 9. August läuft "I Am Cait" in Deutschland - sonntags um 22.20 Uhr auf E! Entertainment.

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Quelle: n-tv.de

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